Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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dazu besitzest. Und wenn nicht für alle, doch für einige. Sowirkst dn für würdige Menschheitsbestrebnngen und Zwecke unddadurch indirekt auch für die Freiheit*. Die direkte Wirk-

* Die Zwecke der Volksschule sind, wie bekannt, allgemeine Menschen-bildung und praktische Vorbereitung auf das Leben. Beides fällt beirechter Durchführung in eins zusammen. Ob dieser eine Zweck die Ver-folgung von Parteizwecken in religiöser und staatlicher Beziehung, d. h. kirch-liche Konfessionsschulen und Zulassung besonderer Tendenzen einer Re-gierung gestattet, will ich hier der Beurteilung des Lesers überlassen.Anderwärts habe ich meine Ansichten über diese Lebensfragen für die wahreVolksschule ausgesprochen und werde damit fortfahren. Die Schule mußfrei sein, d. h. frei von jedem kirchlichen, wie von jedem Einfluß der jedes-maligen Regierung. Mit dem letzteren scheint die Forderung: die Schulesei Staatsanstalt, in Widerspruch zu stehen. Unter Staat verstehe ich abernicht die Regierung, sondern die organisierte Gesellschaft, deren Wille, wieer auf gesetzlich bestimmtem Wege sich kund thut, auch in betreff der Er-ziehung der Jugend zur Ausführung zu bringen ist. Die freie Schule istvon nichts anderem als davon abhängig. Ich sage in bezug auf den In-halt des obigen Aufsatzes hier nur noch dieses: Von der religiösenund politischen Parteiung, welche im öffentlichen Leben eineBerechtigung zur Existenz hat, darf in der Volksschule keineSpur Vorkommen. Nach diesem Grundsätze bemesse der Lehrer derVolksschule seine Stellung, und er frage sein Gewissen, inwiefern es sichmit seiner Lebens- und Berufsaufgabe vertrage, sich religiösen und poli-tischen Parteien anzuschließenl Überdies sei er in betreff der Folgen seinerentwickelnd - erziehenden Thätigkeit außer Sorgen! Kein Trieb ist demMenschen tiefer eingepflauzt, als der nach Selbständigkeit. Das Gebarenin den sogenannten Flegeljahren ist nichts anderes als die natürlicheSchwankung der Menschennatur in den irrenden Versuchen dieses Triebes.Zur Selbständigkeit giebt es keinen andern Weg als den der Anspannungder eigenen Kräfte, kurz der Selbstthätigkeit- Wer daher diese von frühaus nach allen Seiten in dem Heranwachsenden Menschen zu erwecken, keineArt der Passivität und des toten Lernens zuzulassen versteht, führt ihnauf dem von der Natur angezeigteu und von ihr geforderten Wege zudiesem Ziele seines Strebens. Pädagogisch ausgedrückt ist dieses die ent-wickelnd-erziehende Menscheubildung. In der Erziehung bedarf es dahernichts als dieser: Sie ist zugleich die Bildung zur freien Selbstbestimmungoder zur Freiheit überhaupt. Die Selbständigkeit enthält sie als einMoment ihrer selbst in sich. Der denkende Erzieher wird daher seine Auf-gabe verstehen. Die angeregte Selbstthätigkeit ist in dem Entwickelungs-drange des Menschen der Sauerteig, welcher, wenn auch zuerst nur voneiner Seite dem Kindesleben eingepflanzt, allmählich das ganze Dasein,