Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

2^0

ward so abgestumpft, daß dies als Spaß betrachtetwurde. So ging cs fort, bis der Ort in der letzte»Generation verarmt war, bis derselbe in so üblen Rufkam, daß cs Klugheitsregcl in den benachbarten Dörfer»wurde, von dorther kein Gesinde zu beziehen. Jetzt bliebden jungen Burschen nichts übrig, als Militärdienste zunehmen , und die Mädchen giengen häufig mit dem Kindeauf dein Arme auf dem Lande als Bettlerinnen umher."

Ein gewisser Graf verpachtete seine Schenke, um et-liche Thalcr an Pacht zu gewinnen, an einem Man», derseiner lockern Lebensart wegen bekannt war, ungeachtetder dringenden Vorstellungen des Wirthschaftsbcamten.Die früherhin schwach besuchte Schenke ward jetzt sehrfrequent, insbesondere fand sich das Gesinde bald ein undwar wie hingezaubcrt. Fast jeden Sonntag war Tanz,und auch, wenn dieser nicht war, fanden sich die jungenBurschen dort ein, selbst an Werkcltagen, ja beim Vor-bcifahren schlichen sic sich ,'n pie Schenke und tranken ih-rcn Schnaps. Sie borgten und der Wirtb nahm amEnde Geldes Werth statt der Zahlung. Die Knechte ent-zogen anfänglich den Futterhafcr den Pferden, lind baldharten sic auch den Weg zpm Getreideboden gefunden. Siewurden entdeckt und aip ihre Stelle andere genommen,mit denen sich dieselbe Geschichte erneuerte."

Einst mußte ich," fahrt der Verfasser fort,ohn-fern Berlin in einer Dorfschenke verziehen. Es ward ebenMist vom Rittergute gefahren. Der Weg gieng bei einerSchenke vorbei. Beim ersten Fuder kam jeder Knechtherein, ließ sich für einen Groschen Brantwein geben,that einen Schluck und ließ das Fläschchen, in welchemihm derselbe gereicht wurhe, auf dem Tische stehen. Diesthat jeder, so oft einer wieder vorbeifuhr, kam er herein,that einen Schluck und fuhr weiter u. s. w."-

Welcher Land- und Hauswirth von einiger Beobach-tung wird zu den angegebenen Thatsachcn nicht eine Mengeanderer anführen können? Hauptsächlich sind jene kleineKneipen, die sich in immer vermehrender Zahl an denLandstraßen lagern, gefährlich, nicht aber die ordentlichenWirthShünser und mit odentlichcn Wirthcn versehenen Dorf-schcnke», in welchem sich das Gesinde selten verirrt. DemUnfugc zu steuern, aber wird dringend Noth. Was sich da-gegen sagen laßt, weiß ich recht gut. Man hat einmal inder neuern Zeit die Kunst erfunden, mit allgemeinenGatzen, wie mit Zaubersprüchcn, di? Anforderungen der