bestimmtesten Thatsachcn und offenbarsten Erscheinungenniederzuschlagen. Aber >venn der göttliche Menschenkenneruns selbst: — Führe uns nicht in Versuchung —täglich zu beten aelehrct hat, und wenn selbst der höherGebildete, der selbst in den eigenen Busen gegriffen bat,der selbst den harten Kampf mit der Versuchung bestanden,den riesen Sinn und die Nothwendigkcit jener so menschli-chen Bitte erkennt, dann frage ich, wohin müssen die Ver-suchungen führen, die sich überall für diejenigen Klaffender Menschen, die in der Kraft ihrer geistigen oder sittli-che» Bildung keinen Widerstand gegen die Versuchung fin-den könne», anhaufcn? — Und welch ein denkbarer Vor-theil konnte auö jenen zahllosen Brantweinkneipen für dasGemeinwesen hervorgehe», der nur einigermaßen i» Ver-hältnis; zu dem Verderb stünde, den sic unleugbar auf dieMoralität einer ganzen so großen und wichtigen Menschcn-klaffe haben?!
Auf dieser Erde knüpft sich immer an dem Guten dasBose an; das ist Folge der menschlichen Freiheit, die insteter Wahl zwischen dein Guten und dem Bösen steht.Ein altes tiefsinniges Sprichwort sagt: „Wo der liebeHerrgott sich eine Kirche baut, da bauet der Teufel sicheine Kapelle." Das ist das alte Recht und der alteBrauch und wir wollen dem Teufel keineswegs diese seineuralten Privilegien schmaler». Aber wenn die Kapellendes Teufels den Weg zum Kirchlein des Herrn verbauen,wenn die Versuchung auf allen Straßen lauert, und dieLockungen der Sünde gewaltsam die spärlich ertönendenWarnungen der Religion und Tugend übcrtönen, dann istdie sittliche Ordnung des Lebens verkehrt und es ist nöthig^daß die höhere Gewalt des Staats eintrcte, um sic wiederin ihre Fugen zu rücken.
Um aber über den Hauptgcgenstand, die Verschlechte-rung des Gesindes selbst, im Allgemeinen unsere Meinungzu sagen, so halten wir sie für ein Zeichen jener inner»Auflösung des Lebens, welche sich stufenweise durch alleZweige desselben verbreitet, und indem sic das schöne haus-vatcrliche Wcchselverhaltniß zwischen Herrschaft und Ge-sinde angrcift, in das Innere der Familien cinzudringendroht, damit, wenn alle Schranken vernichtet, die altesGesetz, alte Sitte und Zucht im Lehen gebildet, nichtsübrig bleibe) was den Strom des Verderbens in seinemLause aufhatte! ' Heinr. Schultz.