menschlicher Zustände. Selten, und vielleicht nie, gehtdas Menschengeschlecht geraden Wegs auf daS ibm vorge-steckte Ziel zu; in unendlichen Spirallinien bewegt es sichzu demselben hin. Daher kommt es von einem Ertrem zudem andern, und von dem letzter« wieder ganz in die Nahtdes erster«, und so immerfort; doch in immer cngern Krei-sen. Wer dieses Gesetz eingeschen hat, hört auf sich zuwundern, daß die Ertreme in der Erfahrung so unmittel-bar auf einander folgen, und sich in der Zeit so nahe be-rühren. So ist es denn auch den Einrichtungen und Ver-hältnissen des Gewerbebetriebs ergangen. In schlichtemSinne, ohne deutliche Erkenntniß der Regeln und Gründe,aber im überzeugenden Gefühle der Nothwendigkeit, hattedaS Mittelalter eingesehen, daß nichts im Staate in unbe-gränzter Willkühr bestehen könne, daß alles äußerlich be-stehende eine gewisse Form annchmcn mäße, um in denOrganismus des ganzen Staats cingereiht und eingcpaßkwerden zu können und daß dies Aehnlicye und Gleiche amleichtesten sich zusammen vereinige und am festesten zusam-menhalte. Daraus war der JnnungSgcist hervorgegangcn,der nicht bloS die Gewerbe treibenden Staatsbürger nachMaßgabe ihrer Beschäftigung in unterschiedliche Korpora-zionen vereinigte, und durch die Vereinigung der Einzelnenzu Einheiten, diese Letztem von einander unterschied, son-dern durchaus alle und jede Landes-Einwohner dergestaltschichtetete, daß kein Staatsbürger bestehen, sicherhalten,und zum ganzen Staate in Verhaltniß kommen konnte,außer in so fern er Mitglied einer eigenen Korporazion oderInnung war. Viele von diesen Verbindungen sind imLaufe der Zeiten schon ganz untergcgangen oder doch ganzumgestaltet worden, theils weil sie auf einer Grundlageberuhten, deren Daseyn aufgehört hatte, theils weil sieneben der Ausbildung der Souveränität im Staate nichtbestehen konnten. Einige andere Korporazionen sind bisauf uns gekommen, als überlebte Gestalten oder als Ucber-rcste einer vergangenen Zeit. Unter allen haben am läng-sten in ihrer ursprünglichen Bestimmung und Einrichtungsich die Innungen und Zünfte der Gewcrbtrcibendcn erhalten,weil sie auf einer soliden und unvcrtilgbarcn Basis beruh-ten — dem Gewerbe selbst. Wie aber alles Menschlichedem Mißbrauche ausgesetzt ist,, und schon dadurch alleinunbrauchbar wird, wenn es stehen bleibt und nicht mit derZeit fortgeht; so hatten sich auch in die Zünfte eine Menge
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