173
schieden, wir sehen uns selbst von diesen umfaßt, und er-kennen hier die Zeichen einer hoher« Weltordnung, in derScheidung von Völker und Staaten nothwendig, in dersie wesentliche, das einzelne menschliche Individuum um-fassende, Glieder sind. Darum halten wir die Erhaltungdieser Scheidungslinien, wie die Erhaltung unserö indivi-duellen Staats und Volks für unsere erste und höchstePflicht, der wir die höchsten Güter des Lebens und das Le-ben selbst opfern, und die wir mit allen unfern Kräften,mit unserm Dascyn selbst, selbst im Kampfe gegen das überVölker und Staaten waltende Schicksal zu c>halten suchenmüssen. Und diese unsere erste uns gegebene und unmittel-bar unS auferlegte Pflicht sollten wir vergessen, um allge-meinen kosmopolitischen Traumen nachzujagen? Wir soll-ten unsere individuelle Verbindung als Staatsbürger, alsGemeindebürgcr, als Glieder eines Staates, eines Volkes,als „unwesentliche" Formen des allgemeinen Kosmvpoli-tiömus betrachten, und in diesem Kosmopolitismus, alsder einzig wesentlichen Form, uns selbst als Kosmopoliten,als Bürger eines idealen Staats, defsemEristcnz selbst au-ßer dem Bereich unserer Einsicht liegt! — Was heißt diesanders, als die geschichtliche Wcltordnung umkehrcn undeine ideale, nach den Gesetzen des subjektiven Verstandesgebildete an deren Stelle setzen?! — Ein solcher Kosmo-politismus ist dem innersten Gefühle eben so zuwider, wieder Natur und Bestimmung des Menschen; dcmungcachtetaber stellen Sic die Behauptung auf, „er offenbare sich indem Streben der Völker, das Menschengeschlecht zur Ein-heit zu erheben !" Wo aber in aller Welt offenbart sich einsolches Streben? in der Geschichte welchen Volkes ist voneiner solchen kosmopolitischen Offenbarung etwas zu fin-den? Nur die tiefste Entartung des Volkslebens, wo al-les Selbstgefühl eigenen ScynS erstorben, oder wo im er-obernden Volke die Unermeßlichkeit des Besitzes eine uner-sättliche Gier nach stets neuem geweckt hat, könnte als Be-weis angeführt werden. In jedem nicht ganz entarteten