Gerade durch diese Gliederung, durch diese Stufcnvcrbin-dung wirkt das an sich schwache beschrankte menschlicheIndividuum ins Unendliche, in Raums und Zeit fort.Nur als Bürger der individuellen Gemeinde, des indivi-duellen Staats steht der Mensch als wahrer Weltbürger,«ils wabrhaft den Bau des großen Ganzen fordernd, vordem Auge Gottes da. Vernichtet diese nothwcndigc Be-schränkung, hebt die Schranken auf, die die individuellenWirkungskreise der Menschen scheiden, macht ihn zumWeltbürger im menschlichen Sinne des Worts, und ihrhabt ihn auS seiner cigenthümlichcn Sphäre gerissen, dasGrundgesetz seines Lebens selbst vernichtet, und an dieStelle der in der Entwickelung des Lebens waltendengöttlichen Weltordnung eine neue, nach eurem eigenenAbbilde geschaffene, im innersten und schärfsten Wider-spruche mit jener stehende, gesetzt. Das ist euer geprie-sener Kosmopolitismus, der HimmclSsturm unserer mo-dernen Titanen, nicht erhaben gigantisch, wie jener alt-mythische, sondern an sich lächerlich und armselig, aberin seinen Folgen tragischer vielleicht, als jener.
Sie werden zwar sagen: „Der Begriff, den ichvom Weltbürgerthum aufstcllc, sey nicht der Ihre, unddiesen hätten Sic ja selbst näher bestimmt." Aber umVergebung, Freund, cS ist gerade derselbe, und der vonIhnen ausgestellte ist um kein Haar besser als der mei-nigc. Sie haben die Bloße desselben nur durch etlichetäuschende allgemeine Formeln versteckt, und sich dadurchnur selbst getauscht. Was Sie Kosmopolitismus nennen,ist die ideale Entwickelung der Idee des Menschenge-schlechts selbst, wie sie dem Geiste Gottes vorschwebcnund im göttlichen Wcltplane, außerhalb den positivenEinwirkungen menschlicher Individuen, ja selbst außer-halb den Grenzen ihrer positiven Erkenntniß, liegen mag,mithin nichts als ein schwach verdeckter Versuch, denMenschen in diejenige Sphäre zu versetzen, die Gott ge-