Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
166
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rufen auf Autoritäten erklärt, da dadurch der Streitpunktaus den Augen gerückt, die Streitfrage verwirrt und nichtsbewiesen wird. Ucbcrall von der Natur der Sache ausge-hend glaube ich, daß diese auch überall sich selbst ausspre-chen, in sich selbst ihren Beweis finden, und sich selbst alsdie erste aller Autoritäten darstcllen muß. Insbesondreaber kann ich nicht anders als gegen die Autorität des vonIhnen angeführten Ausspruchs Herders protcstiren, nichtblos deswegen, weil dadurch dem menschlichen Forschungs-geist höchst willluhrliche Schranken gesetzt sind, sondernweil jene einzelne Acußerung offenbar ganz gegen den Geistund die Tendenz von Herders unsterblichem Werke selbstist*) Wie könnte es auch unmöglich seyn, das cigen-thümlichc Bildungsprinzip der Nazionalität zu erkennen.

»-Herder wird sich selbst oft untreu, wo er sich ins Einzelne verliert.Ihn drstckcn die Mängel der naturwissenschaftliche» nnd anthropologi-schen Ansichten seiner Zeit, so wie der Mangel einer streng-wissen-schaftliche», seinem dichterischen Geiste widerstrebenden. Methodik.Bewunderungswürdig aber und nicht blos ideenreich, sondern wahr-haft tiefgreifend und crbahen ist er dort, wo er von höheren Stand-punkten aus die Erschcinungswelt beobachtet, und mit großer Konse-guciiz die Hauptmonicnte scstbaltcnd, mit wahrem Schcrblick oft dieinnersten Tiefen ergreift. Wie bedeutsam beginnt nicht gleich daserste Kapitel seiner Ideen zur Philosophie der Geschichte d. M.:»Die Erde ist ei» Stern unter dcn Stcrnen!" :c. Manbraucht nur die ganze Folgcnreihe der übrigen Kapitel in ihren Ucbcr-schriften z» lese», um den Jdeengang vorgczeichnct zu finden, denjede Untersuchung. die sich das große Näthsel des Lebens und der Ge-schichte zu löse» vorgcscht, zu gehen hat. Ausgehend von der planc-tarischcn Natur des Erdkbrpers. die Erde im Zusammenhänge mitdem Weltall, den Menschen im Zusammenhänge mit der Erde erfas-send. hat Herder mit fester und sicherer Hand den Weg vorgezcich-nel für jede Philosophie, nicht blos der Geschichte, sondern des Le-bens selbst, für jede Philosophie, die nicht blos sich im subjektivenKreise hermr.drebcn, sondern den Menschen in seiner Bedeutung, alsGlied der göttlichen Weltordnung, als Mittelglied zweier Sphären er-fassen will. Möge dieser Jdeengang Herders auch Ihnen Musterseyn und mögen Sie sein unsterbliches Werk im Geist« seinesGanzen studircn, dann wird Ihnen gewiß das Blendwerk einesleeren, im Allgemeinen hcrumschweifenden Kosmopolitismus in sei-ner ganzen inncrn Leerheit und Nichtigkeit erscheinen, und Sie wer-ben von selbst zu der Razionalitat und den Gewerben , als den vcstmGrundlagen geschichtlicher Lebensentwickelung, geführt werde».