Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
117
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Wollte man dies demungcachtet versuchen, so würdejede Polizeiaufsicht unwirksam seyn gegen das dadurchverletzte Nechtsgcfühl des Gewerbtrcibcnden, gegen dieLisi und die Ranke eines durch die kleinlichen Mittel,durch welche in der freien Konkurrenz der Konkurrentden Konkurrenten zu besiegen sucht, hcrabgewürdigtcnmoralischen Charakters, und gegen den Reiz, den unmit-telbarer Gewinn, Unsicherheit der bürgerlichen Stellungund selbst der Drang der Noth in ihm erzeugen *). Um

») Die nachtheiligcn Folgen unbeschränkter Konkurrenz auf den Charak-ter der Gewerbtreibcndc» und auf die Würde des Gewerbes selbst, hatdie Gesetzgebung selbst i» allen Regierungsvcrhältnissen anerkannt,und als Grundsatz angenommen. Soll dieser Grundsatz aber auf diebürgerlichen Verhältnisse keine Anwendung finden?!

Alle vom Staate nicht besoldeten Beamte, der Arzt, der AdvokatlIustiz-Cvmmissarius) re. treiben in ihrer Art ein Gewerbe, sie lebenvom Publikum und vom Gewinn ihrer Arbeit. Dem einmal sestgcstell-ten Grundsätze gemäß müßte daher in Beziehung auf stc die allgemei-ne Gewcrbcfrcihcit lind eine unbeschränkte Konkurrenz cingeführt wer-den. Dcmungeachtet hat man die Zahl der Acrztc an jedem Ort,und die Zahl der Justiz-Commissaricn an jedem Gericht auf eine ge-wisse Zahl beschränkt. Man hebe diese Bestimmung auf, man lass«an einem Orte, an einem Gerichte so viel Acrztc, so viel Justiz-Cvm-missaricn sich sammeln, als Lust haben; oder noch folgerechter, manerlaube einem jeden zu kurire« und zu advoziren, und ma« sehe dannbis zu welchem Grade diese Stände herabsinken werde», sowohl in ih-rer inncrn als in ihrer äußern Würde. Dies hat die Gesetzgebung er-kannt und deshalb durch Beschränkung der ärztlichen und anwaldlichenKonkurrenz die Würde und de« Charakter des Beamtenstandc- zu be-haupten gesucht. Ist aber die Würde und der Charakter des Bürger-standcs weniger wichtig, als die Würde und der Charakter »es Deam-tcnstaudes, und werden jene etwa durch eine unbeschränkte Konkurrenzweniger gefährdet, als diese?!

Ma» muß, wie Verfasser dieses» in einer Mittelstadt leben, nn»nicht über das bürgerliche Leben hinweg sondern in dasselbe hin-einschauen, um die ganze Masse des Verderbens, was aus der Gewer-befrelhcit uns »mporwärhst errathen zu könne». Schon jetzt wird ei-nem jeden die Unmöglichkeit, daß ein fester Dürgerstand sich bilde, daßein wahrer Mittelstand sich behaupten könne, fühlbar. Schon jetzthat der kleine Verkehr fast alle festen Grundsätze verkehren, und au-genblicklichen Gewinn nachjagend sucht der Gewerbtreibende nur durchraschen Umschlag zu gewinnen und durch niedrigen Preis jede solid«nach feste» gewerblichen Grundsätzen verfahrende Konkurrenz niedcrzu-drücken, Der Blick des oberflächlichen Beobachters wird durch denSchein des vermchrtcn Verkehrs leicht getäuscht: er beachtet nicht: daßiener rasche Verkehr, jener schnelle Umsatz keine feste Wurzeln schlägt)