§7
veraltet, erstarrt, oder in innrer Auflösung begriffen, ei-ner Wiedergeburt bedürftig. Mit den ersten Anfängen ver-franz. Revoluzion schien diese beginnen zu sollen: ein mäch-tiges Streben offenbarte sich in dem Zeitalter, den bis zu.einem tobten Maschinenwesen einer vom Volksleben getrenn-ten Staatsverwaltung erstarrten Staat auf seine Grund-vcsten zurückzuführcn und ihn durch freie Thcilnahmc desVolks am StaatSlebcn, und durch repräsentative Staats-formen von neuem zu beleben. Stufenweise verbreitete sichvon Frankreich auö dies Streben über den größten Thcil Eu-ropas, bis selbst in andre Welttheile hinein, ergriff mehroder weniger fast alle Völker, weckte alle Bildungskräfte,und führte eine Aufregung der Geister herbei, wie dieWeltgeschichte keine gleiche kennt. Unausgesetzt durch dreiJahrzehnden, unabgcschreckt durch zahllose vergebliche Ver-suche, stets in Fortschreiten evnchsend, und stets mit neuerKraft, mit neuem Muthc nach dem Ziele ringend hat diesesStreben im Zeitalter gewaltet, und jetzt, nach so vielenVersuchen und Aufopferungen, — steht cs auf demselbenPunkte, von dem cs vor dreißig Jahren ausgegangcn,ohne irgend eine festen Haltungspunkt gefunden, ohne irgendeine dauernde Gestalt gewonnen zu haben. Uebcrall sehenwir die Geister aufgeregt, aber überall harren noch dieVölker der Verfassung, die ihre Freiheit, wie ihre Zukunftsichern soll. '
Was menschlicher Erfindungsgcist und Kombinazions-gabc in Erfindung, Verbindung und Berechnung konstitu-zionellcr Formen zu leisten vermag, ist erschöpft: unserJeitalter hat mehr Konstitutionen geboren, als vielleichtdie ganze Vorzeit, und die Konstituzions-Urkunden dessel-ben füllen allein eine dickleibige Sammlung von vielenBänden; aber schnell sind diese kunstvollen Erfindungen,wie Bilder einer Zauberlaterne, vor unfern Augen vorüber-gegangen und verschwunden, ohne andre Spuren ihres Da-seyns zurückgclassen zu haben, als die der Zerstörung, dieihnen vorher - und die deS aufgeregten Parthcigeisteö, der