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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Schießpulver.

die Körner sind von nahezu gleicher Größe, lassensich in der Hand mit den Fingern nicht leicht zerrei-ben, liefern nach dem Zerdrücken einen unfühlbarenStaub, färben nicht ab, wenn man sie über Papierod. die Hand rollen läßt, verbrennen in kleinen Häuf-chen schnell, ohne einen Rückstand zu lassen und eindarunter liegender Papier zu entzünden. Das spec.Gew. schwankt zwischen 1,5g u. 1,^. Das S. bestehtfast genau aus 2 Molecülen Kalisalpeter, 1 Mol.Schwefel u. 3 Mol. Kohlenstoff, od. procentisch aus74,8«Salpeter, 11,««Schwefeln. 13,^Kohle. DieseZusammensetzung besitzen bestes Jagd - u. Flinten-S. Sprengpulver u. ordinäres Pulver besteht ans1 Mol. Salpeter, 1 Mol. Schwefel u. 6 Mol. Koh-len, od. procentisch aus 66,o« Salpeter, 10,«z Schwe-fel u. 23,52 Kohle. Die Wirkung des S-s gründetsich darauf, daß es bei der Verbrennung plötzlich einegroße Menge Gas liefert, durch dessen Expansivkraftdas Geschoß rc. sortgeschleudert wird. Die Verbrenn-ung des S-s läßt sich kürz durch die Gleichung aus-drückeu: 2"h 8 4- 3-h -p 3 (70-2. Der

Sauerstoff des Salpeters verbrennt also den Kohlen-stoff zu Kohlensäure, der Stickstoff der Salpetersäurewird frei und der Schwefel bildet mit dem KaliumSchwefelkalium. 1 AS., welches nahezu einen obemeinnimmt, liefert bei der Entzündung kalt gemessen193,i obom Gas. Im geschlossenen Raum steigt dieTemperatur der Gase bis auf 3340° L.; freiliegendverbrennend ist die Tcmperatur immer noch 2993° 0.1 kA S. ist im Stande, eine Arbeit von 67,410 Kilo-grammometern zu leisten, d. h. 67,410 ÜA in einerSecunde 1 m hoch zu heben. Die Zersetzung des S-sgeht aber nicht ganz so einfach vor sich, wie es obigesSchema ausdrückt, es treten vielmehr nach der Größedes Druckes nebenbei auch andere Producte auf.

III. Arten u. Ersatzmittel des S-S. Manhat: Spreng-(Mincn-)S., das schlechteste vonallen, zum Sprengen von Minen u. in Steinbrü-chen verwendet, Geschütz-S., welches sehr grob-körnig ist, Gewehr-S., das fein körniger als daserstere ist, u. wovon man wiederum od. Iagd - S.,xi- oder Büchsen- (Bllrsche-), Scheiben-S. un-terscheidet, Mehl-S-, welches in Mehl verwandeltu. rein ausgesiebt worden ist u. häufig in der Feuer-werkerei und zum Einpudern der Geschütze rc. An-wendung findet, Knirsch - S., halbzerriebeucs Korn-S., Farben-S., S., welchem man statt der Kohleandere ähnliche Stoffe, z. B. fanles Holz, das ineinem grün, gelb, blau, roth rc. färbenden Absudgesotten worden ist, beimengt, als Curiosität dientoder dazu bestimmt ist, die Statur des S. zu verber-gen; prismatisches Pulver, von dem schon obendie Rede war, Pelletpulver (pellst, engl.Kügel-chen), u. amerikan. Mammnthpulver, welchbeide letzten Sorten dem parismatischen S. ähnlichsind. Außer diesen S-sorten bringt man seit etwa30 J.hren als weißes S., deutsches Weiß°S.oder amerikanisches S. ein Product in den Han-del, welches aus 28 Thl. Blutlaugensalz, 23 Thl.Rohrzucker und 49 Thl. Kalinmchlorat besteht, dasvor dem gewöhnlichen S. den Vorzug hat, Laß esan der Luft unveränderlich ist, sehr leicht Largcstelltwerden kann, als Staub dieselbe Wirkung wie ge-körntes S. besitzt, das Körnen also erspart u. end-lich seine Kraft eine bedeutend größere ist, als diedes gewöhnlichen S-s. Es hat aber den Nachtheil,

daß es Eisenläufe stark angreift, seine Anwendungdeshalb auf Bronzeläufe beschränkt bleiben muß, u.daß es viel theurer ist. Als flüchtige Zersetznngs-prodncte treten in 100 Thl. dieses S-s ans: l,gg Thl.Stickstoff, 11, Thl. Kohlenoxyd, 17,^ Thl. Kohlen-säure, 16,7« Thl. Wasser, als nicht flüchtige Th-ile:

17.88 Thl. Cyankalium, 29,«« Thl. Chlorkalium,

5.88 Thl. Kohleneisen. 1 A von 0° u. bei 760 mmBarometerstand liefert 406,» obom Gas. Außer demWeiß-S. kommt seit neuerer Zeit ein aus 20 Thl.Schwefel, 27,5 Thl. Gerberlohe u. 52,5 Thl. Natron-salpeter bestehendes S. unter dem Namen Pyro-noue in den Handel, welches zwar billiger, aberauch schlechter als gewöhnliches S. ist, ferner einGemisch von 76 Thl. salpetersaurem Baryt, 22 Thl.Holzkohle u. 2 Thl. Kalisalpeter, welches von Wy-uands zuerst hergestellt, unter dem Namen Taxi-fragin verkauft wird, ferner der sogen. Lith»-fractcur, aus 52 Thl. Nitroglycerin, 30 Thl.Sand n. Kieselguhr, 12THI. Steinkohlenpulver, 4 Thl.Natronsalpeter u. 2 Thl. Schwefel besteht, dann dasHaloxylin, ein Gemenge von Kohle, Salpeter u.Blutlaugensalz, das Sprengöl (Nitrolenm, s. d.),der Dynamit u. das Dualin (s. d.), das Pikratpulver(s. d.) u. das von E. Schnitze 1864 erfundene neueSchieß - u. Sprengpulver, welches aus Holzkör-nern besteht, die mit Salpetersäure u. Schwefelsäureund nachher mit einer Lösung von Kalisalpeter ge-tränkt u. getrocknet sind.

IV. Geschichtliches. Schondasvondem Grie-chen Kallinikos 668 n. Ehr. erfundene GriechischeFeuer (s. d.), scheint ein schießpulverähnlicher Stoffgewesen zu sein, denn es wird ausdrücklich gesagt,daß mau mittels desselben Steine auf die feindlichenSchiffe aus metallenen Röhren getrieben habe. Nochfrüher kommt das S. bei den Chinesen vor. Im9. Jahrh. findet sich in einem Buch des MarcusGracchus, welches sich auf der Bibliothek zu Oxfordbefindet, die Mischung des S-s vollständig angege-ben; es sollen nämlich 2 Pfund Kohlen, 1 Pf. Schwe-fel u. 6 Pf. Salpeter mit einander gemischt werden.Auch in einem im 13. Jahrh. in Ägypten verabfaßtenarabischen Gedicht über die Kriegswerkzeuge, wel-ches im Manuscript in der Bibliothek des Escorialist, kommt das L>. vor. Von Ägypten kam das S.durch Afrika zuerst nach Spanien, wo es nach demBericht eines gleichzeitigen arabischen Geschichtschrei-bers 1247 bei der Belagerung von Nieba Verwend-ung fand. Mehrere Jahre vorher hatte der Eng-länder Roger Bacon in zwei seiner Werke zu ver-schiedenen Malen von dem S. gesprochen. Die ge-wöhnliche Tradition nennt den deutschen MönchBerthold Schwarz im 13. Jahrh. als Erfinder desS-s. Er soll eine eigenthümliche Mischung zu che-mischen Versuchen in einem Küchenmörser einge-schlossen gehalten haben, wovon, als sie durch einenzufällig einfallenden Funken sich entzündete, dieMörserkeule mit einem darauf lastenden Steine bisan die Decke des Zimmers geworfen wurde. Andereschreiben die Erfindung den: jütländischen MöncheLorenz Bola (1420) zu; Vinceuz Bruno von Melfinennt einen gewissen Altiral von Prag (1380),Kaspar Stradi einen Peter Lips (1380) als Erfin-der. Lange Zeit wurde das S. als Mehlpulver aufHandmühlen dargestellt, später in Stampf-, seit 1754in Walzmühlen gefertigt. Zu Anfang des 16. Jahrh.