Schießpulver. 789
dem Ziele einrichtet, dabei muß indessen, weil die gezo-genen Geschütze eine konstante Abweichung der Ge-schosse nach rechts ergeben, die auf je 1000 rn etwa1 in beträgt, Seitenverschiebnng genommen werden,wodurch die Visirlinie des Rohrs so weit nach linksverlegt wird, als erfahrungsgemäß die Deviation aufden verschiedenen Entfernungen beträgt. Ist dasZiel nicht sichtbar u. bietet sich auch kein sog. Hilss-ziel dar, so wird die Richtung nach dem Ziele durchRichtstäbchen ansgesteckt u. dem Geschütz die Seiten-richtung vermittelst des Richtlothes crtheilt, dieHöhenrichtung wird mittels des Quadranten ge-nommen. Bei dem S. ans Geschützen unterscheidetman directe u. indirekte Schüsse, bei den elfteren istdie Flugbahn nur durch 2 Punkte, die Geschütz-Mündung und das Ziel, bestimmt, während sich beiden indirekten Schüssen zwischen Geschütz und Zielnoch ein dritter Punkt befindet, der, um das Zieltreffen zu können, überschossen werden muß, wasmeist nur bei stark gekrümmten Flugbahnen möglichwird u. daher die Verwendung kleinerer Ladungenbedingt, während bei den direkten Schüssen immerdie stärkste, für das betr. Geschütz zulässige sogen. Ge-branchsladung angewendet wird. Man unterscheidetferner nach dem Zweck: den Ricochet- u. Enfilirschnßzur Bestreichung einzelner Linien od. Fronten feind-licher Werke od. größerer Trnppenabtheilnngen derLänge nach; den Demontirschuß zur Zerstörung feind-licher Geschütze, Scharten w. durch Frontalfeuer;den Demolirschuß zur Zerstörung von verdeckt lie-genden Mauer- u. Hohlbauten; den Brescheschuß zurHerstellung von Öffnungen in dem Mauerwerk feind-licher Festungen, um den Sturmkolonnen das Ein-dringen in diese zu ermöglichen. Das Erschießeneiner Bresche durch das Breschiren wird in neuererZeit nur unter bes. günstigen Verhältnissen zur Aus-führung kommen können, meist wird das Demolirenzur Anwendung kommen müssen. Bezüglich der an-gewendeten Geschoßarten unterscheidet man: denGranat-, Shrapnel-, Kartätsch- und Bombenschuß.Schüsse mit sehr gekrümmter Flugbahn werden auchhohe Bogenschüsse od. Würfe, Schüsse aus abwärtsgerichteten Rohren gesenkte od. Senkschüsse genannt.Die Wirkung der Geschosse ist abhängig von ihrerZerstörungskraft und von der Widerstandsfähigkeitdes Ziels. Erstere richtet sich nach der lebendigenKraft der Geschosse, sowie nach deren Spreng- oderBrandwirkung. Gegen lebendeZiele kommt der Gra-nat-, Shrapnel- u. Kartätschschuß zur Anwendung,der erstere soll hauptsächlich durch die Sprengstückewirken, diese müssen daher eine solche Größe u. solcheGeschwindigkeit haben, daß sie im Stande sind, Men-schen u. Pferde außer Gefecht zu setzen. Das Ge-schoß muß also eine möglichst große Endgeschwindig-keit haben u. muß beim Crepiren in möglichst viele,aber noch wirksame Stücke zerlegt werden. DieWirkung des Shrapnelschusses ist abhängig von derZahl der eingefüllten Kugeln, den Sprengstücken derHülle und der Geschoßgeschwindigkeit, s. Shrapnel.Der Kartätschschnß ist nur auf kleinen Entfernungenwirksam, die Kraft der einzelnen Kugeln nimmt raschab, viele Kugeln machen bald vor der Mündungeinen Aufschlag u. gehen dann als sogen. Geller od.Gellschuß weiter. Zum Zerstören fester Ziele dienendie Granaten größeren Kalibers und die Bomben.DieGeschosse sollen gegen Erdwerk durch ihreSpreng-
ladung minenartig wirken, es muß also das Geschoßbis zu einer gewissen Tiefe in die Erde eindringen,damit die Sprengladung zur vollen Wirksamkeit ge-langen kann. Gegen Manerwerk kommr vorzugs-weise die Durchschlagskraft der Geschosse in Betracht,die Geschosse müssen also möglichst tief eindringen,was die Anwendung großer Kaliber mit großer End-geschwindigkeit bedingt. Die Sprengladung soll dieWirkung der Geschosse durch Erschütterung des Zielssteigern u. außerdem Mauertrümmer nach rückwärtsaus der Mauer Herausschleudern. Die widerstands-fähigsten Ziele sind die Eisenpanzer, wie sic bei Kü-stenbefestigung u. in der Marine Vorkommen, zu ihrerZerstörung muß das Geschoß eins sehr große Durch-schlagskraft, also großes Gewicht mit großer Ge-schwindigkeit besitzen; es kommenHartgnß- u. Stahl-granaten zur Verwendung. Die Wirkungssphäredes Granatschnsses erstreckt sich bei den Feldgeschützenbis auf 7000 m, bei den leichten und mittleren Ka-libern der Festnngs- u. Belagernngsartillerie auf4000—5700 m, bei den schweren Kalibern auf 4400bis 8500 m, bei den Schiffs- n. Küstengeschützen auf6000 in. Der Shrapnelschutz kommt aus allen ge-zogenen Kanonen zur Anwendung n. kann auf Ent-fernungen bis zu 2500 m, aus den schweren Kalibernbis zu 4800 m abgegeben werden. Der Bomben-schuß kommt nur bei den glatten Mörsern ans Ent-fernungen von 600—1300 m, der Kartätschschnß nurbei den Feldgeschützen und den leichten Festnngsgs-schützen auf Entfernungen bis zu 400 m vor. Vgl.Geschütz ». Artillerie. Das S. aus Handfeuerwaf-fen (s. d.) beruht im Allgemeinen auf denselbenGrundlagen, wie das S. aus Geschützen, es gestaltetsich wesentlich einfacher als dieses, indem nur eineGeschoßart und einerlei Ladung zur Verwendungkommt. Die Flugbahn muß eine möglichst rasante,die TreMhigkeit eine möglichst große sein, dagegengenügte eine verhältnißmäßig geringe Geschoßwirk-ung , da nur lebende Ziele außer Gefecht gesetzt wer-den sollen. Die Wirkungssphäre der neuen Hinter-ladungsgewehre erstreckt sich bis gegen 1500 m, inder Regel wird das Jnfanteriefeuer aber nur aufkleinen u. mittleren Entfernungen zur Anwendungkommen. l.
Schießpulver (Pulver), ein Gemenge von Kali-salpeter, Schwefel n. Kohle, welches sich bei der Er-hitzung auf 300", durch Reibung u. Schlag od. durchBerührung mit brennenden od. glühenden Körpernentzündet, mit ziemlicher Geschwindigkeit verbrenntu. vermöge der sich bei der Verbrennung entwickeln-den Gase jeden verhältnißmäßigen Widerstand ausdem Wege räumt. I. Fabrikation. L,. Reinig-ung resp. Herstellung der Materialien. DerSalpeter muß frei von Chlor u. Natron sein u. wird,sofern man ihn nicht ganz rein bezieht, in den Fa-briken selbst durch klmkrystallisiren gereinigt. Er wirdin Mehlform verwendet. Der Schwefel darf keineschweflige Säure u. Unreinigkeiten enthalten u. wirddeshalb in einer eingemanerten Pfanne oder einemKessel geschmolzen u. in schmale Mulden gegossen.Die Kohle wird bes. ans dem Holze des Fanlbaums(kruuus Lackus), aber auch aus dem der Linde, Weide,Erle, Pappel, des Hauses, der Weinrebe u. des Ha-seknußstranches bereitet, indem man diese Substan-zen in Gruben, Kesseln od. eisernen Chliudern ver-kohlt. L. Das Pulverisiren der Materialien.