788 Schießen.
tel oderCulminationspnnkt, der Theil von derRohr-mündnug bis zum Scheitel aufsteigender, der Theilvom Scheitel bis zum Ende der Bahn absteigenderAst. Itichtnngswinkel ist der Winkel, den die Seelcn-achse des Rohres mit derHorizontalen bildet, er heißtErhöhungswinkel, wenn die Rohrmiindung nach aus-wärts, Senkungswinkel, wenn sie nach abwärts ge-richtet ist, im ersteren Falle hat das Rohr Elevation,im letzteren Inklination. Die lothrecht durch dieSeelcnachse gedachte Ebene heißt Schußebene, meistliegt die Flugbahn nicht in derselben, sondern esweichen die Geschosse nach der Seite aus u. es wirdder horizontale Abstand irgend eines Punktes derFlugbahn von der Schußebene Seitenabweichunggenannt; ist dieselbe wie bei den gezogenen Geschützeneine constante, so wird sie auch Deviration od. De-viation genannt. Abgangswinkel ist der Winkel, un-ter dein das Geschoß die Mündung des Rohres ver-läßt, Einfallwinkel derjenige, unter welchem es ansder Horizontalen austrifft. Die horizontale Entfern-ung vom Anfang bis zum Ende der Flugbahn heißtSchußweite, der Theil der Flugbahn, in dem sichdas Geschoß innerhalb einer gewissen Zielhöhe (meistManneshöhe von 1,«m) befindet, heißt bestreichendoder rasant. Geht das Geschoß, nachdem es einenAufschlag gemacht, weiter, so macht es einen Sprung,die Entfernung bis zum nächsten Aufschläge heißtSprungweite. Beim S. mit Shrapnels (s. d.) nenntman den Punkt, in dem das Crepiren des Geschossesersolgt, den Sprcngpunkt, seine Höhe über dem Ziele,heißtSprenghöhe,dstEntfernnngvomZieleSpreng-weite oder Intervall. Anfangs- u. Endgeschwindig-keit sind die Geschwindigkeiten, mit denen das Ge-schoß die Mündung des Rohres verläßt resp. amZiele ankommt, sie werden ausgedrückt durch denWeg, den das Geschoß znrücklegen würde, wenn esnoch eine Secnnde lang dieselbe Geschwindigkeit bei-behielte, die es im Moment des Verlassens des Roh-res resp. des Anftressens am Ziele hat. Auf die Ge-stalt der Flugbahn sind hauptsächlich die treibendeKraft des Pulvers, die Schwerkraft u. der Luftwider-stand von Einfluß. Im luftleer gedachten Raumewürden nur die beiden ersteren Kräfte zur Geltungkommen, deren gleichzeitige Wirkung der Geschoß-bahn die Gestalt einer regelmäßig gekrümmten Cnrve,die in der Mathematik als Parabel bezeichnet wird,ertheilt. Die parabolische Flugbahn besteht aus 2vollständig ähnlichen Theilen, der Scheitel liegt inder Mitte der Bahn, ans- u. absteigender Ast, Ab-gangs- n. Einfallwinkel, Anfangs- u. Endgeschwin-digkeit sind einander gleich. Im lufterfüllten Raumedagegen wird in Folge der Einwirkung des Luft-widerstandes die Flugbahn eine andere Gestalt an-nehmen; sie bildet nicht mehr eine Parabel, sonderneine andere Cnrve, deren mathematische Feststellungnoch nicht gelungen ist. Bei dieser sog. ballistischenLurve liegt der Scheitel nicht mehr in der Mitte der^Bahn, sondern mehr nach dem Ende derselben, derabsteigende Ast ist stärker gekrümmt n. kürzer alsder anfsteigende, der Einfallwinkel wird größer alsder Abgangswinkel u. die Endgeschwindigkeit kleinerals die Anfangsgeschwindigkeit. Je größer die An-fangsgeschwindigkeit n. je größer bis zu 45° die Ab-gangswinkel, um so größer werden die Schußweiten,bei über 45° wachsenden Abgangswinkeln nehmendagegen die Schnßweiten wieder ab. Die Anfangs-
geschwindigkeit ist hauptsächlich abhängig von derGröße der Pnlverladung im Verhältniß zum Gcschoß-gewichte, der Abgangswinkel von der dem Rohreertheilten Elevation. Die Möglichkeiten, dem Rohreverschiedene Elevation zu geben u. verschiedene Pul-verlabung anzuwenden, geben die Mittel, auf ver-schiedene Entfernungen zu schießen u. der Flugbahnmehr oder weniger gekrümmte Gestalt zu ertheilen.Bei Anwendung der für die betreffende Feuerwaffegrößtzulässigen Ladung n. der größtmöglichen Ele-vation (unter 4s°) erhält man die größten Schnß-weiten, geringe Elevationen u. starke Ladungen ge-ben flach gekrümmte n. daher rasante Flugbahnen,während große Elevationen und geringe Ladungenstark gekrümmte n. daher wenig rasante Flugbahnenergeben. Werden mehrere Schüsse unter möglichstgleichen Verhältnissen abgefeuert, so werdendst Flug-bahnen der einzelnen Schüsse nicht dieselben sein kön-nen, in Folge Lessen werden die einzelnen Schüsseauch nicht denselben Punkt des Zieles treffen können,man spricht daher beim S. nicht von einer absolutenTreffsicherheit, sondern nur von einer Wahrschein-lichkeit des Treffens, u. versteht unter der letzterendas Verhältniß der Anzahl der das Ziel treffendenSchüsse zu der Anzahl der abgefeuerten Schüsse. DieWahrscheinlichkeit des Treffens ist abhängig von derConstruction der Feuerwaffen u. der Geschosse, vonder Güte u. Gleichmäßigkeit des Pulvers, von derEntfernung n. von den Abmessungen des Zieles,ferner von der sorgfältigen Bedienung u. Handhab-ung der Feuerwaffen, von gutem u. genauem Rich-ten, endlich auch von Witterungsverhältnissen n. s. w.Je günstiger sich beim S. diese Verhältnisse gestalten,um so regelmäßiger werden die Flugbahnen u. um sokleiner werden die Differenzen der Schnßweiten, diesog. Längenstrennngensowie die Seitenabweichungenoder Breitenstreuungen ausfallen. Bei verticalenist der Abstand des höchsten vom tieften Treffpunktedie Höhenstreuung. Die mittlere Schußweite erhältman ans dem arithmetischen Mittel der Schußweitender einzelnen Schüsse. Ans den mittleren Längen«und Breiten- resp. Höhenstreuungen einer größerenAnzahl von Schüssen wird die Treffwahrscheinlich-keit für die einzelnen Feuerwaffen bestimmt u. ent-weder durch die Procentzahlen der Treffer, die manauf verschiedenen Entfernungen gegen ein bestimmtesZiel erhält od. durch die Abmessungen, die ein Zielnach Länge, Höhe n. Breite haben mnß, um auf ver-schiedenen Entfernungen eine bestimmte Anzahl vonTreffern zu erzielen, ausgedrückt. Für das Schießenaus Geschützen sind die Angaben über Elevation u.Seitenvcrschiebnng, über Geschoßgeschwindigkeit,Fallwinkel, Treffwahrscheinlichkeit durch Versuche er-mittelt n. in tabellarische Form zum Gebrauch beimS. gebracht. Diese sogen. Schußtafeln können in-dessen nur Anhaltspunkte geben, man mnß vielmehrsich gegen jedes Ziel des. einschießen, d. h. diejenigeFlugbahn zu ermitteln suchen, welche durch den ge-gebenen Treffpunkt des Zieles geht. Hierzu ist er-forderlich, daß man die Lage der Treffpunkte dereinzelnen Schüsse zum Ziel beobachten kann, umhiernach Höhen- und Seitenrichtnng zu corrigiren.Die Höheurichtuug wird beim S. entweder mit demAufsatz od. dem Quadranten genommen, die Seiten-richtung wird in der Regel mit dem Aufsatze genom-men, indem man das Rohr über Visir- n. Korn nach