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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Schießbaumwolle Schießen.

Schießbaumwolle (Schießwolle, explosiveBaumwolle, Pyroxylin, Fulmicoton) entsteht, wennBaumwolle kurze Zeit der Einwirkunsi von starkerSalpetersäure ausgejetzt, dann sorgfältig gewaschenu. getrocknet wird. Braconnot hatte schon 1833 u.Pelouze einige Jahre später bei der Behandlungvon Stärkemehl, Baumwolle, Leinwand, Papier u.a. organischen Substanzen mit Salpetersäure explo-sive Substanzen dargestellt, eine größere Wichtigkeitenthielten aber diese Entdeckungen erst 1845 durchSchönbein, indem derselbe eine praktische Anwend,ung von der explosiven Kraft dieser Substanzenmachte. Zur Darstellung der S. taucht man nachOttos Vorschrift die Baumwolle 30 Secnnden langin concentrirte rauchende Salpetersäure, wie mansie durch Destillation von 10 Theilen Salpeter mit8 Theilen Schwefelsäure erhält, preßt sic dann zwi-schen Glastafeln aus, wäscht sie so lange mit Wasser,bis alle Säure entfernt ist u. trocknet sie in der Wärme.Statt der Salpetersäure kann auch eine Mischungvon Salpeter u. Schwefelsäure benutzt werden. NachKnops Verfahren, welches eine S. von ausgezeich-neter Güte liefert, mischt man gleiche Theile käuf-licher englischer Schwefelsäure und rothe rauchendeSalpetersäure, kühlt die Mischung, wenn sie sehrheiß sein sollte, ab n. bringt so viel Baumwolle hin-ein, als sich unter gelindem Druck mit einem Glas-stabe bequem untertauchen läßt. Nachdem man dieMasse einige Minuten lang durchgeknetet hat, drucktman die Baumwolle aus, wirst sie in Regcnwasseru. zupft sie so schnell wie möglich aus einander, nurvorläufig den größten Theil der Säure zu entfernen.Man wiederholt nun das Waschen mit Regenwassermehrmals, drückt die Wolle stark ans, lockert sie danndurch sorgfältiges Zupfen möglichst auf u. trocknet siebei gelinder Wärme. Die Baumwolle darf nicht zulange in dem Sänregemisch gelassen werden, da siesich sonst auslöst; angestellte Versuche haben gelehrt,daß die Bildung der S. schon nach einigen Minutenvollendet ist. Das Trocknen erfolgt bei etwa 90°;bei höherer Temperatur entzündet sich die S. zu-weilen. Durch nochmaliges Behandeln der fertigenS. mit Salpetersäure erhält man eine S. von kräf-tigerer Wirkung. Die abgegossene u. ausgedrückteSäure kann, nachdem man sie durch Zusatz von et-was Schwefelsäure verstärkt hat, zu einer nochmali-gen Operation benutzt werden. 100 Gewichtstheiletrockener Baumwolle liefern 169,^ Theile S. Gutbereitete S. läßt sich dem Äußeren nach nicht von ge-wöhnlicher Baumwolle unterscheiden, sie wird aberdurch Jod n. Schwefelsäure nicht mehr blau gefärbt.Sie verbrennt sehr leicht, bisweilen schon bei einerTemperatur von unter 100°, u. sehr schnell, so daß,wenn S. auf Schießpulver angebrannt wird, sie das-selbe oft nicht entzündet; auf der flachen Hand kannsie angebrannt werden, ohne den geringsten Schmerzzu verursachen. Sie ist in Wasser, Alkohol u. Essig-säure unlöslich, schwer löslich in Aether, leicht löslich ineinem Gemisch von Alkohol u. Äther, wobei sich Collo-dium (s. d.) bildet. Auf eine noch nicht ganz erklärteWeise explodirt die S. zuweilen von selbst u. hat da-durch bereits zu wiederholten Unglllcksfällen Veran-lassung gegeben. Die Zusammensetzung der S. wirdverschieden angegeben und ist wahrscheinlich auch jenach der verschiedenen Bereitungsweise verschieden.Man betrachtet sie meist als Trinilrocellnlose,

, d. h. als Cellulose, , in

welcher 3 Atome Wasserstoff durch 3 NitrogrnppenMO 2 ) vertreten sind. Bei ihrer Entzündung liefertdie S. als Zersetznngsproduct im luftleeren RaumeKohlenoxydgas, Wassergas n. Stickstoff, im luster-füllten Raume nach Kärolyi Kohlenoxyd, Kohlen-säure, Sumpfgas, Stickoxyd, Stickstoff u. Wasser-dampf. Nebenbei treten immer geringe Mengenvon salpetriger Säure auf. 1IcZ S. gibt bei derVerbrennung 8011 Gas. Ein Gewichtstheil S. hatdieselbe Wirkung wie 4,x5 Theile Schießpulver.Beim Sprengen hat sie sich ganz vorzüglich bewährt.Mit demselben Erfolg hat man sie in comprimirterForm zum Füllen von Torpedos benutzt. Nicht sogute Resultate ergaben sich bei den Versuchen, sic fürGeschütze u. Gewehre zu verwenden. Ihr großesVolumen erschwerte zunächst den Transport u. diesich bei der Entzündung entwickelnden Wasscrdämpfe,sowie die salpetrige Säure, griffen das Geschützrohrweit mehr an n. waren weit lästiger, als die Pulver-rückstände. Da sie in stark comprimirtcm Zustandenicht wirkt, so läßt sie sich auch nicht zur Anfertigungvon Raketen, Zündern rc. verwenden. In neuererZeit verspinnt man sie, um sie dem Pulver in derWirkung ähnlicher zu machen, zu Garn, fertigt dar-aus Flechten u. Bänder u. verarbeitet diese zu Pa-tronen, od. man körnt sie direct wie Schießpulver.Zu dem Zweck wird das aus Baumwolle durch Be-handeln mit Salpetersäure erhaltene Product mitWasser gewaschen, dann mit sehr verdünnter Alkali-lösnng gereinigt, darauf mittels einer Maschine,welche dem Holländer der Papierfabriken ähnlich ist,in einen Brei verwandelt, n. dieser durch ähnlicheMaschinen, wie diejenigen, mit denen Papier erzeugtwird, in Bogen gebracht. Diese Bogen werden nochfeucht unter hydraulischen Pressen verdichtet, dannzum Körnen in Stückchen von der erforderlichenGröße zerschnitten u. in ein Gefäß gebracht, welchessich in schwingender Bewegung befindet, wodurch dasKörnen bewirkt wird. Anstatt die ganze Masse in Breizu verwandeln, läßt man wol auch einen Theil in ihremursprünglichem Zustande und mengt dcmseben einenTheildes Breies in solchem Maßebei, daß das Gemischnach dem Pressen einen festen Stoff bildet. Unter-Umständen wird die so erhaltene S. noch mit Collo-dium imprägnirt, od. damit überzogen. Neuerdingshat Nötiger die S. zum Filtriren starker Säuren,sowie mit einer Lösung von übermangansaurem Kalivermischt zur Desinficirung übelriechender Wundenempfohlen. Vohl schlägt vor, sie zur Bekleidung vonGasflächen mit einem Silberspiegel zu verwenden.Zu dem Zweck ist die S. in Kali unter Erwärmenzu lösen, zu der braunen Lösung einige Tropsen sal-petersaures Silberoxyd zu setzen u. im Wasserbadezu erhitzen, wo bei einem gewissen Zeitpunkte dasGemisch sich schwarzbrann färbt, anfbraust u. allesSilber auf die Gefäßwandungen als einen Spiegelabsetzt , welcher schöner sein soll, als der mittels ätheri-scher Öle erzeugte. Auch durch Behandeln von Holz,Papier, Zucker, Stroh, Werg mit Salpetersäureallein, od. mit Schwefelsäure gemischt, entstehen derS. ähnliche explosive Körper. Glatz-l.

Schießen (Feuern) ist das Forttreiben der Ge-schosse znmZwecke, einen entfernten Gegenstand (Zielzu treffen. Die Bahn, welche das Geschoß im Raumezurücklegt, heißt Flugbahn, ihr höchster Punkt Schei-