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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
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Scharr — Scherte'! (Schertlin, Schürtlin) von Burtcnbach.

als Literar- n. Cnlturhistoriker aus. Er schrieb alssolcher seiuenBildersaalderWeltliteratnr, ferner seinHauptwerk: Deutsche Cultur- und Sittengeschichte,Lpz. 1852, von der die bedenkend vermehrte 7. Ausl.1878 im Erscheinen begriffen ist; Schiller und seineZeit, ebd. 1859,4. A. 1865; Geschichte der deutschenLiteratur, ebd. 2. A. 1854; Geschichte der englischenLiteratur, ebd. 1854, 2. A. 1874; Allgemeine Ge-schichte der Literatur, Stuttg. 1851, 5. A. 1876;Geschichte der Religion, Lpz. 1855—57, 2. A. 1859,3 Bde.; Dichterkönige, ebd. 1855, 2. A. 1861, 2Bde.; Geschichte der deutschen Frauenwelt, ebd. 3.A. 1873, 2 Bde.; Die Nibelungen, in Prosa über-setzt u. erläutert, ebd. 1860; Blücher, seine Zeit undsein Leben, ebd. 1862 3Bde., 2.A. 1865; Studien,ebd. 1865,3Bde.; Aus der Sündflntzeit, ebd.1867;Das Trauerspiel in Mexico, ebd. 1868; Sommer-tagebuch des weiland vr. Jeremia Sauerampfer,Zürich 1873; 1848—51, Lpz. 1868—70, 2 Bde.,2. A. unter dem Titel: 1848, ein weltgeschichtlichesDrama, ebd. 1875. Seine historischen, literar- u. kul-turhistorischen Essays sind unter dem Titel: Mensch-liche Tragikomödie, in 3 Bdn. 1874 gesammelt er-schienen, nachdem einzelne Theile dieser Studien,wie die Drei Hofgeschichten n. die Dämonen mehr-mals aufgelegt worden. Die Hammerschläge undHistorien sind vor kurzem (1878) in 3., beträchtlichvermehrter Ausl, in 2 Bdn. erschienen. Für Jemand,der sich biographisch für S. iuteressirt, sind die bei-den Borrcden zu den Dämonen n. das Vorwort zuseinem Buche Größenwahn (1876) von Werth; dasletztgenannte Buch enthält 4 Kapitel: Aus der Ge-schichte der menschlichen Narrheit, mit humoristischenZwischensätzen, die vier historischen, cultur- u. sitten-geschichtlichenDarstclluugeusind: MuttcrEva— Kö-nig Jan der Gerechte — Die Gekreuzigte, GeschichteeinerHcilandin — u. DasrotheQuartal (Geschichteder Pariser Commune). Die Blätter im Winde,1875, enthalten cineReihevcuEssays, welche in derMenschlichen Tragikomödie nicht stehen. Die bio-graphische Skizze Goethes Jugend (1874) dürfte derErwähnung wol werth sein. Seine novellistischenArbeiten (Schiller, eine culturgcschichtliche Novelle— Nemesis — Die Tochter der Luft — Rost Zur-flüh — Weither—Graubart — Die rothe Dame —Rafael Sprnhz — Die Pilger der Wilduiß) sind ge-sammelt im Novellenbuch, 1873—77, 10 Bde. DieBände 9 —10 enthalten die 4. Aust, vom Michel,dieser berühmt gewordenen Geschichte eines Deut-schen, worin der Verfasser, wie es heißt, Erinner-ungen ans seinem Leben verarbeitet hat. Großarti-gen Erfolg errang seine Germania, zwei Jahrtau-sende deutschen Lebens, 1876—78. Gegenwärtigarbeitet S. an einem Buche: 1870—71. Drei Bü-cher deutscher Geschichte. Der l.Baud wird zu An-sang von 1879 erscheinen. S-s Schreibweise ist scharfu. iudividnalisirend, farbenreich, voll der kräftigste»,wie Alpenluft erfrischenden, fesselnden, an Jean Paulerinnernden, oft bizarren, blitzenden Bildern, durch-tränkt mit tragischemHumor u.jnvenalischcrSatire,rückhaltlos in Entfaltung der rücksichtslosen Wahr-heit, scharf bis zur Schroffheit, drastisch in seinenGestalten, dramatisch belebt in der Gruppirung, cha-rakteristisch keck in der Zeichnung und Wortbildung.Viele von S-s Werken sind in verschiedene europä-ische Sprachen übertragen. U Sitz. 2 ) Beyer.

Scherr, Gregor von, Erzbischof von München,geb. 22. Juni 1804 zu Neueburg v. W.; stndirtein LaudShut, trat nach 3jähriger Wirksamkeit in derSeelsorge 1832 in das neu errichtete Bencdictiner-kloster in Metten, dessen Abt er wurde. Am 6. Jan.1856 wurde er vom König Max wegen seiner im-ponirenden äußeren Erscheinung zum Erzbischof vonMünchen ernannt. Seine Amtsführung war fried-liebend. Auf dem VaticanischenConcil stand er an-fangs auf Seiten der Opposition, bald aber unter-warf er sich u. kam in der Dölliuger-FriedrichschenAngelegenheit mehrfach mit der Staatsregieruug inDifferenzen. Er st. 24. Oct. 1877. Löffler.

Scherrmans(Schermaus), s. Wühlmäuse.

Scherschel, Stadt in der frauz. Pro». Algier inAlgerien, steht auf der Stelle des alten llutia 6as-sarvn, der Hauptstadt von Mauretanien; hat vielerömische Alterthllmer, in der Nähe Kupfer-u. Eisen«gruben, einen seichten Hafen, welcher durch ein Castellverthcidigt wird; 1872: 3074 Ew. (ohne Garnison).

Scheitel (Schertlin, Schiirtlin) von Bur-tenbach , eine freiherrliche Familie in Bayern undWürttemberg, deren Stammherr (Schertlin) Se-bastian, geb. 12. Februar 1496 in Schorndorfim Württembergischen; er stndirte seit 1512 in Tü-bingen und Wien Theologie, wendete sich aber demKriegerstande zu, kämpfte im kaiserlichen Heere 1518zuerst glücklich gegen Frauz von Sickingen, dann1519 im Heere des Schwäbischen Bundes gegenHerzog Ulrich von Württemberg und wurde nachder Schlacht bei Pavia 12. Februar 1525 gegenFranz I. von Frankreich vomViceköuig von Neapelzum Ritter geschlagen. Er war neben Frundsbergder tapferste Rottenführer, der sich 1527 bei der Er-stürmung Roms unter dem Counetable von Bour-bon hcrvorthat. Seine Dienste, die erKarl V. 1532gegen die Türken leistete, wo er Duleimans Rückzugfür diesen verderblich gemacht hatte, erwarben ihmauch von diesem die Ritterwürbe. Schon vorher, seitMitre des Jahres 1530, hatte er sich von der StadtAugsburg alsFeldhanptmaunanwerbenlassen. Alssolcher erwarb er 1532 dieHerrschaftBurtenbach imW. von Augsburg und führte dort die lutherischeLehre ein, zu der er selbst übertrat. Er betheiligtesich, mit Erlanbniß der Reichsstadt Augsburg, erfolg-reich an den Kriegszügen Karls V. gegen Frankreich1536 u. 1544. Als der Schmalkaldische Krieg ans-brach, suchte ihn der Kaiser vergeblich durch die vor-theilhaftcstenBedingungen in seine Dienste zu ziehen,doch wurde er durch den schwäbischen Bundesrath,unter dem er stand, an jedem kühnen Unternehmengehindert. Er wollte durch einen raschen Zug aufRegeuSburg, wo sich der Kaiser mit wenigen Trup-pen befand, eine schnelle Entscheidung herbeifllhren,mau untersagte es ihm, um Bayern nicht zu ver-letzen. Hierauf wandte er sich gegen Tirol, bemäch-tigte sich der Klause bei Füssen u. war im Begriff,in Tirol cinzudriugeu, um den Zugang der italieni-schen Truppen abznschneiden, oder das Coucil vonTrident zu zersprengen, aber auch das wurde nichtgestattet, damit Ferdinand, der Bruder Karls, nichtgekränkt würde. Als die Städte Süddeutschlanüssich dem Kaiser unterwarfen, bot S. dem Magistratvon Augsburg an, dis wohlgerüstete Stadt so langezu halten, bis sich das protestantische Deutschlanderholt und neu gerüstet hätte, aber der kleinmüthige