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Scheffel, Joseph Victor von, deutscher Dich-ter, geb. 11. Febr. 1826 zu Karlsruhe, wo sein Va-ter Major u. Oberbanralh war, bezog trotz seltenerAnlage und Vorliebe für Malerei, nach vollendetemGymnasialcursus, 1843, die Universitäten München,Heidelberg u. Berlin, nm Jurisprudenz zu studiren.Dabei Pflegte er germanische Philologie, Literatur,K unstgeschichte, Alterthnmsknnde an der Hand einesThiersch, Kugler u. Waagen, n. ließ sich durch EmilRuth in Heidelberg in die Danteliteratur einsühren.1848 bestand er die juristische Staatsprüfung undsein juristisches Doctorexamen. Mit dem Neichs-commissär Welcher unternahm er alsdann im selbenJahre eine Reise nach Lauenbnrg, 1850—51 warer Referendar in Säckingen am Rhein, 1852 ver-folgte er seine juristische Laufbahn als Secretär amHofgcricht zu Bruchsal. Seine Vorliebe für dieDichtkunst veranlaßte ihn, seinen ihn wenig befrie-digenden Berns anfzugeben. Er eilte im Mai 1852ins Land der Kunst, Italien, wo sein schon in Säckin-gen entworfener,lebensfrischerTrompeter vonSäckin-gen entstand (Stuttg. 1854), dessen Erfolg erstaun-lich war (51. A. 1877). Nach der Rückkehr aus Ita-lien (1853), lebte S. zunächst behufs Vorbereitungfür die akademische Carriere in Heidelberg, wo ergern im „Verein der Engern" verkehrte, dessen SeeleLudwig Häußer und Pfarrer Schmctzer war, welchletzterer den S-schen humoristischen Liedern, die jetztdie Gesangswonne der akademischen Jugend bilden,Melodien anpaßte. Diese Lieder — ächte Volkslie.der — erschienen erst Stuttg. 1867 als Sammlungunter dem Titel: üancisainris, Lieder aus dem En-gern u. Weitern (1877 in 26. A.) und fanden ihresburschikosen Tones n. heiteren Scherzes wegen ge-waltigen Beifall. Seine Stndentenlieder haben ihngeradezu zum Liebling der akademischen Jugend ge-macht. JnHeidelberg faßteS. den Plan zum histor-ischen Roman Ekkehard, seinem Hauptwerke, ein ausden Quellen herausgearbeitetes, plastisches Culttir-bild (Franks. 1857, 22. A. 1877). Das Gebiet desculturhistorischen Romans hat S. nur noch in zweinovellenartig anziehenden Erzählungen betreten, inHugider (Westermanns Monatshefte, 1858, S. 22bis 26) und Juniperus, Geschichte eines Kreuzfah-rers (1866 mit Zeichnungen von Werner herans-gegeben). 1863 erschien Frau Aventiure, Lieder ansHeinrich von Ofterdingens Zeit, dem Großherzogvon Weimar gewidmet (Stuttg. 1863, 7. A.), derihn 1865 zum Hosrath ernannte. 1857 lebte er inMünchen, 1858 als Bibliothekar des Fürsten Egonin Donaueschingen. 1859 (Herbst) weilte er län-gere Zeit auf der Wartburg, ließ sich sodann in seinerGeburtsstadt Karlsruhe nieder, wo 16. Febr. 1876sein Geburtstag in einer einzig dastehenden, groß-artigen Weise gefeiert wurde. Auszeichnungen durchOrden, durch Erhebung in den erblichen Adelstand,Begrüßungen der hervorragendsten Männer, selbstBismarcks, Festgaben rc. zeigten reine Liebe u. Be-geisterung für den populär gewordenen Dichter.Seine letzten Dichtungen sind: Die Bergpsalmen,Stuttg. 1869, 2. A. 1874, eine im Qdenstil gehal-tene lyrische Dichtung: ferner das lyrische Festspiel:Brantmillkomm auf der Wartburg, mit Musik vonLiszt, Weimar 1873; endlich: Die Linde vonEtters-burg, ein lyrisch dramatisches Festspiel, das gelegent-lich des 25. Negierungsjubiläums des Großherzogs
- Schchrr.
in Weimar 9. Juli 1878 mit zündendem Erfolg zurAufführung gelangte n. von Neuem S-s Bedeutungals eines durch Gestaltungskraft, Originalität, Far-benfrischs u. köstlichen Humor ausgezeichneten Dich-ters illnstrirte. 1876 besorgte S. die streng philo-logische und literatnrgeschichtliche Herausgabe desWaltharius, lat. Gedicht des 10. Jahrh. (Smttg.),unter Mitwirkung von Alfred Holder. Seine Nibel-nngenverse — nach den Gesetzen der accentnirendenMetrik gebaut — stehen auf gleicher Stufe mit denGcibelschen in Sigurds Brautfahrt od. den Rückert-schen in Kind Horn. Übersetzungen seiner Werke infremde Sprachen haben vielfach stattgesunden. DerTrompeter ist englisch von Mrs. Lloyd Brünnow,holländisch, französisch, italienisch vorhanden; Ekke-hard englisch von S. Delffs, holländisch von Maaßen;Oauäsamus englisch von Blanck; Die Bergpsalmenslowenisch von Bajanski rc. Zur Darstellung leben-der Bilder hat S. verfaßt: Die Mär vom Rokkert-weibchen (in der Deutschen Rundschau 1874 oder1875). Eine größere Dichtung von ihm: Waldein-samkeit zu 12 Bildern des Wiener Malers JuliusMarak, gestochen von Ed. Willmann, ist in Wien1877 erschienen. Vgl. Klar, Victor S.u. seine Stell-ung in der deutschen Literatur, Prag 1876. Beyer.
Schcffer, 1) Ary, berühmterfranz.Maler, geb.12. Febr. 1795 in Dordrecht,. Sohn israelitischer El-tern aus Mannheim, st. 17. Juli 1858 in Argen-teuil bei Paris. Sein Vater war zuletzt Hofmalerdes Königs Ludwig Napoleon von Holland, u. er-theilte seinem Sohne den ersten Kunstnnterricht, 1809trat S. in die Schule Guerins und folgte in seinenersten Arbeiten noch der Davidischen Richtung, wäh-rend später das Pathetische zum Durchbruch kam,dessen Grund wenigstens zum Theil in der Lectüreder deutschen Romantiker zu suchen ist. Zu jenengehören: Die Engel bei Abraham, 1816; Der TodLudwigsdesHciligen, 1817; Sokrates inder Schlachivon Potidäa den Alkibiades vertheidigsnd; Die No-tabsln von Calais, 1819; Ludwig der Heilige, pest-kranke Soldaten besuchend, 1822. Ans der zweitensentimentalen Periode datiren u. A. Die Witttve desSoldaten; Die Familie des Matrosen; Der abge-brannte Pachthof; Der genesenden Mutter Kirchgangzwischen ihren sie stützenden Kindern; Die Waisenauf dem Kirchhof; Der alte Sergeant u. die barm-herzige Schwester; Die Abreise; Die Überschwemm-ung; Die verwüstete Hütte. Sein Thomas vonAquino (1824) kann als Absagebrief an die klassischeRichtung betrachtet werden. Ihm folgten: Gastonvon Foix auf dem Schlachtfeld von Ravenna unterden Todten gefunden (Versailler Museum), eineReihe von Bildern aus dem griechischen Befreiungs-kampf u. ein Seestnrm. Eine 1829 nach Hollandunternommene Reise lehrte S. namentlich Rem-brandt kennen, wie bes. seine schöne Leonore nachBürger ersehen läßt. Vom nächsten Jahre an zeigtsich der hervorragende Einfluß Dantes, Schillers,Goethes, auch Byrons. Es entstanden: Faust imStudierzimmer; Gretchen am Spinnrad; Gretchen,Martha Len Schmuck zeigend, und Gretchen in derKirche; Der Giaur; Medora; Graf Eberhard derGreiner; Dante u. Virgil, die Schatten Francescasund Paolos erblickend. Zn Ende der 30er Jahreeignete sich S. auch von den alten italienischenMeistern Manches an, so namentlich sein Lstiistns