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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
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Schaf.

Mick mit der Einführung, indem die Wolle seinerZucht-Merinos schon bald die der spanischen Meri-nos an Weichheit n. Feinheit übertraf n. sich späterden Ruf der feinsten Wolle unter dem Namen Elec-toralwolle erwarb. Die in Österreich vorwiegend ge-züchtete Jnfantado- od. Negreti-Race besitzt breitereKörperformu.stärkeresKnochengerüst,kürzereBeine,liefert zwar mehr u. längere, aber nicht so feine Wolle.Eine Spielart der sächsischen Merinos ist wieder dasAngora-S. ans dein königlich sächs. KammerguteDöhlen, durch Naturspiel entstanden, mit schlichten,glänzenden Haaren, welche aber, da sie keine Walk-fähigkeit besitzen, weder zum Krempeln noch znmKämmen taugen. Durch künstliche Pflege, unter Be-folgung gewisser Züchtnngsgrundsätze sind in Eng-land mehrere Racen entstanden. Von diesen hat dieSonthdown-Race inder neuerenZeit eine weite Ver-breitung gefunden. Diese kräftig gebauten S-e sindziemlich gute Mast-S-e n. liefern eine feine, 78 omlange, glänzende Wolle, die sich zu Strickgarn undFlanell besonders eignet. Andere vorzügliche eng-lische Zuchtracen gehen unter dem Namen: Lincoln,Leicester, Cheviot. Das fettschwänzige S. Mittel-asrikas trägt haarigen Pelz, keine Wolle, die Hörnersind klein u. kurz, unter dem Stummelschwanz hän-gen zwei große nackte Fettklnmpcn, am Halse mehrereFleischtroddeln. Das breitschwänzige S. hat einenlangen Fettschwanz, der häufig so groß ».schwer wird,daß er ans ein kleines Wägelchen, den das S. selbstzieht, gelegt wird, um ihn n. das Thier zu schützen.Man züchtet die s-e erstens auf Fleisch u. zweitensaus Wollprodnction u. spricht so von Fleisch- u. Woll-S-en. Als Woll-S-e sind bes. zu vermerken die span.Merinos, das Electoral- od. Escorial-S-, bis 1Z IcAWolle, die Jnfantados od. Negretis, 12 L§ Wolle.Flcisch-S-e sind das ungehörnte Bergamasker Wan-der- od. Niesen-S. in der Schweiz u. Oberitalien,bis 125 L§ schwer, das niederländische Marsch-S.,dann ganz vorzüglich die englischen Racen South-down, bis 150 Lg schwer, Cheviot, Leicester, Rom-neymarschraceu.Liucolnshire. GnteFleisch-u. Woll-S-e sind Charmoise u. Rambouillet.

Die Zucht derS-e bildet einen wichtigen Zweigder landwirthschaftlichen Thierzncht u. kann je nachAbsatz- u.wirthschaftlichen Verhältnissen alsstamm-schäferei, Wollschäferei oder Fleischschafzucht betrie-ben werden. Zu diesen Zwecken wählt man die ge-eignete Race. Für feine Tuchwolle eignen sich dieMerinos, für grobe Tuchwolle verschiedene Land-S-e; für Kammwolle die Kammwoll-Merino, dasRambouillet-u.Sonthdown-S.; alsFleisch-S-e dieenglischen Racen, wie Sonthdown-Leicester-Shrop-shire-S-e und deren Krenzungsprodncte mit Land-S-en. Bei der Auswahl der Znchtthierc hat manaußer den gewünschten Eigenschaften auf deren Ver-erbnngsfähigkeit Gewicht zu legen, besonders bei denBöcken, weil deren Eigenschaften auf die ganze Nach-zucht übertragen werden. Das Begattungsgeschäftgeschieht entweder durch den wildenSprnng,Klassen-sprung oder den Sprung aus der Hand. Beim wil-den Sprunge befinden sich die Böcke in der Herdeu. bespringen die stährigen S-e nach Willkür; beimKlassenspruuge sind die S-e nach ihren Eigenschaf-ten in Klassen getheilt u. in Abtheilungen gebracht,in welche der entsprechende Bock geführt wird. BeimSprunge ans der Hand führt man die durch einen

Probirbock (dem man eine Schürze sstährschllrzejvorgcbnnden hat) ausgesuchten stährigen Mütter demfür sie bestimmten Bocke zu. Localität, Futter rc.entscheiden, in welche Zeit man die Lammnng resp.den Sprung zu verlegen hat; im Allgemeinen hatdie Sommerlammnng (resp. Sprung im Jan. undFebr.) die meisten Vorzüge. Hauptregel ist, dieLammnng so einznrichten, daß die Mütter währendihres Trächtigseins u. bei der Lammnng die meisteund beste Nahrung haben. Ein Mutterschaf tragt 5Monate; es ist dann zarter als sonst, muß aufmerk-sam behandelt u. darf nicht gejagt od. erschreckt wer-den. Sobald die Mutter geboren hat, wird sie mitdem Lamm in die Kaue (kleine Einzäunung imStalle) gestellt, damit sie sich beide an einander ge-wöhnen. Verliert ein Lamm seine Mutter, so gibtman ihm eine Amme od. zieht es mit Kuhmilch auf.Das Lamm wird durch Tättowiren in die innereOhrenfläche od. durch Kerben n. Löcher in den Ohrengezeichnet u. in das Stammregister eingetragen. DasAbsetzen der Lämmer geschieht in einem Alter von3 Monaten. Vorher sind noch die Operationen desVerhammelnS, Coupirens und Jmpfens vorznneh-men. Die Lämmer müssen nun eine gesunde u. nahr-hafteWeide erhalten u. mit reinem Getränk reichlichversorgt werden. Wachsen dieLäinmerheran, so wer-den die Geschlechter getrennt, später auch sämmtlicheThiere nach Alter, Geschlecht u. Stärke gesondert u.znsammengcstellt. Die Ernährung des S-es zerfälltin Weide- und Stallsütterung und ist außerdem dieFütterung der Woll-S-e verschieden von der derFleisch-S-e. Gute S-weiden sollen knrzgrasig, dichtbewachsen, nicht zu trocken u. nicht zu naß gelegensein. Auf weit vom Stalle entfernten Weiden wer-den offene Schuppen angebracht zur Ruhe währendder heißen Mittagszeit u. als Zufluchtsstätte bei Re-gen. So lange Thau liegt, sollen die S-e nicht aufder Weide sein. Die Stallsütterung findet fast nurim Winter statt u. wird hauptsächlich mitHeu, Stroh,Wurzelwerk, Körnern, Preßlingen, Branntwein-schlempe, Ölkuchen rc. nebst Salzzugaben durchge-führt. Ein s. bedarf täglich 1 , 2 s LZ gutes Wiesen-heu od. dessen Äquivalent. Hauptsache ist regelmä-ßige Fütterungszeit u. eine sich stets gleich bleibendeFuttermeuge. Stets muß für ein gutes, reinlichesStrohlager, genügende Ventilation u. mäßigeTem-peratur gesorgt werden. Die Schur geschieht bei deneinschllrigen S-eu Mitte bis Ende Mai, bei den zwei-schürigen S-en im April u.Sept. Vor der Schur isteine sorgsame S-wäsche nöthig, die aber nur beiwarmerLnft geschehen darf. Die einfachste u. zweck-mäßigste Reinigung der Wolle ist das Schwemmender S-e in Fluß-, oder besser in weichem, warmemTeichwasser, das so tief ist, daß die S-e eine Streckeschwimmen müssen. Andere Methoden des Waschenssind: die Sturzwäsche, die Spritzwäsche, die Kunst-wäsche (in Bottichen bei erwärmtem Wasser, auchunter Zusatz von Soda, grüner Seife, Seifenwur-zel rc.). In Spanien wird die Wolle erst nach derSchur in Vließen gewaschen. Dieses Verfahren hatman, da die S-e durch die Wüsche leiden, auch inÖsterreich ».Deutschland eingeführt, jedoch ohne daßdasselbe großeVerbreitung gefunden hätte. DieSchurgeschieht mittels der S-schere, einer aus 2 messer-artigen, durch eine Feder verbundenen Schenkelnbestehenden Schere. Die Schur wird im S-stalle,