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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Schaf.

bücke. Das Mer des S-es erkennt man an den Zäh-nen. Das S. hat 32 Zähne, wovon 8 Schneidezähne,von denen bei der Geburt od. kurz darnach 2 Schneide-nnd 4 Backenzählte dnrchgebrochen sind. Der erstebleibende Backenzahn ist nach dem 6. Monat da. DieMilchschneidezähne werden im zweiten Jahre durchdie bleibenden ersetzt, auch tritt mit Ende des zwei-^ ten Jahres der letzte Backenzahn hervor. Der Wech-sel der vorderen Backenzähne erfolgt erst im fünftenLebensjahre. Damit ist die Zahnung beendet. Nachj der Zahnung unterscheidet man: Jungvieh, Zwei-schaufler (2jährig), Vierschaufler (Zjährig), Sechs-schaufler (4jährig), Achtschanfler (bjährig). UnterSchaufeln versteht man die Schneidezähne. Mit demAbschluß des Zahnwachsthnms hört das Wachsthuinder S-e auf. Die Zeugnngsfähigkeit stellt sich jedochbei dem weiblichen S. bereits nach einem Jahre,beim Bocke nach 18 Monaten ein; zur Paarung selbstwählt man meistens 2jährige S-e. Das gemeine S.ist meist 1, in lang u. 6V em hoch, hat ursprüng-lich wol Hörner, obschon jetzt die S-e ohne Hörnerweit häufiger Vorkommen. Bei Widdern werden siehäufiger gefunden als bei S-müttern. Die Schnauzerst gebogen, lang, dürr n. spitz, die obere Lippe hängtüber die untere herab, die Stirn ist breit. Die Farbeder sehr dicht den ganzen Körper bedeckenden Wolleist meist schmutzig weiß, doch gibt es auch braune,schwarze n. gefleckte, welche jedoch gröbere Wolle alsvie weißen haben. Die Wolle aus dem Rücken u. anden Seiten des Halses ist krauser u. kürzer, als andem übrigen Halse, an den Seiten des Leibes n. anden Schultern, die an den äußeren Schenkeln u. amSchwanz ist gröber, steifer n. fast glatt. Die HaareandennbrigenTheilen des Körpers sind kaum Wollezu nennen. Das S. ist mild u. folgsam, daher esdem Pfiffe des Schäfers, dem Bellen des Hundes u.dem Leithammel willig folgt u. letzterem alles nach-macht, dabei blöde n. furchtsam. Selten bedient sichdas S. seiner Waffen, der Hörner u. Füße, u. höch-stens kämpfen Widder um eine S-mutter, selten S-mütter für ihre Jungen. Es gilt daher sllr ein Sym-bol der Geduld u. Sanftmnth, aber auch für das derDummheit. Das S. liebt Licht u. Musik, bes. dieSchalmei. Sein Blöcken ertönt vorzüglich bei derTrennung einer Herde u. beim Wiedersehen bekann-ter S-e, auch von der S-mntter bei dem Verlusteeines Lammes. Das S. lebt 14 Jahre, ist aber höch-stens 7, die Merinos 10 Jahre nutzbar. Den mei-sten Nutzen leistet das S. durch die Wolle. DasFleisch wird als Schöpsenfleisch gegessen, die Milchist nahrhaft, u. das S. kann bis gegen Mitte Sept.gemolken werden, doch geschieht dies selten, indemmit dem Melken dem Fleisch u. der Wolle Nahrungentzogen wird u. die Lämmer auch weniger gedeihen.Deshalb ist die S-bntter u. der wohlschmeckende S-käse, nicht sehr gewöhnlich. Die S-felle werden mitder Wolle zu S-pelzen gegerbt, zu Handschuhen, Per-gament und anderen Lederarbeiten gebraucht; denTalg brauchen die Seifensieder, die Därme (Sait-linge) dienen zur Fertigung von Saiten, die KnochenLen Papiermüllern zum Kochen des Papierleims,der Mist zur Düngung.

Das S. ist über die ganze Erde verbreitet u. ge-deiht in allen Klimaten. Von den Nacen sind alsbes. hervorragend zu nennen: das deutsche S. ,inDeutschland u. dem mittleren Europa gehalten, bes.

Pterers llniversal-Couversatwiis-kepton. ß. Aufl. XV

in den Ackerbaugegenden vertreten. Es trägt schlichtelange, grobe Wolle. Das Fleisch ist sehr schmackhaft,auch mästet sich diese Nace sehr gut. Mitdem deutschenS. nahe verwandt ist das Zaupel- od. Land-S., inMoorgegenden gehalten. Es besitzt weniger grobeu. etwas gewellte Wolle, steht aber in der Ertrags-fähigkeit sowie im Fleischansatz dem deutschen S. 'be-deutend nach. In den südlichen Gebirgsgegendentrifft man das sog.Zackel-S. an, welches eine lange,grobe, einfache, mit feinem Flaum untermischte Wolleträgt u. schwerer und auch fetter als die genanntenwird. Die Heidschnucke (Heide-S., Heidschmacke,Schnncke) lebt in den Heidegegenden NDentschlands,besonders zwischen Ems u. Elbe, in der LüneburgerHeide, Ostfriesland u. auch in Frankreich (Lisoniu,,Loe-iAsa). Es ist das Fleisch sehr schmackhaft, dochder Gesammtertrag ein geringer. Das NiederländerMarsch-S. in NDcntschland, hochbeinig und unge-hörnt, trägt lange, weiche Wolle u. erreicht bei gu-ter, fetter Weide ein Gewicht von 50 ic. Das But-jadinger S. aus der Bremer Marschgcgcnd steht die-sem sehr nahe. Es wird auch im Oldenbnrgischen(Bntjadinger Lande) gezüchtet. Genannte Racen än-dern je nach der Gegend wiederum ab u. ergeben soverschiedene Schläge. Die M e r i n o s od. E d e l - S - e,ursprünglich in Spanien heimisch, aber schon vorlanger Zeit in Deutschland eingeführt n. vielfach ge-halten, unterscheiden sich von dem gemeinen S. durchedle gekräuselte Wolle, schöne, imponirende Gestalt,dichtes Vließ von grauweißer Farbe. Die Widdersind in der Regel gehörnt, die Hörner dick, gegen dieinnere Seite znsammengedrückt, nach der Quere ge-furcht, nach Außen od. nach der Seite spiral- oderschneckenförmig gewunden; das Mntter-S. dagegenhat keine Hörner od. ausnahmsweise sehr kleine vonunregelmäßigem Wuchs. Das Edel-S. ist zarter alsdas gemeine S., daher von geringerer Kraft u. Aus-dauer. Natur u. Kunst haben mehrere Varietätender Edel-S-e hervorgebracht. Die verschiedenen Ar-ten, Schläge u. Stämme unterscheiden sich nach ihrenKörperformen und hauptsächlich nach der Qualitätihrer Wolle. Die edelsten S-e sind die Merinos ausSpanien, durch arabische Pflege gebildete, im 14.Jahrh. ans Afrika nach Spanien gebrachte Race;sie zeichnen sich durch kurze, gekräuselte Wolle ans,welche sich bes. zu feinen Tüchern eignet; sind schwergebaut, kurzbeinig, plattstirnig und kleinäugig; dieOhren mittellang n. schmal zugespitzt; der Hals istkurz und dichtwammig. Man unterscheidet hinsicht-lich derZucht in Spanien: wanderndeMerinos,deren Besitzer sonst das Recht hatten, weidend meh-rere Provinzen Spaniens zu durchziehen und stetsunter freiem Himmel blieben, indem sie währenddes Winters die südlichen Provinzen aufsuchten. Zudiesem Behufe mar eine 40 Ruthen breite Straßesreigegebeu, deren Benutzung anfangs nur der Krone,später nur dem Adel und den Klöstern gestattetwurde. In der Spanischen Revolution 1822 wurdedieses Vorrecht der Merinobesitzer abgeschafft. Diestehenden Merinos werden im Stalle überwin-tert und sind länger, höher von Beinen und grö-ßer; Kopf und Beine sind mit Wolle bewachsen,allein ihre Wolle ist nicht sein. Die deutschen Me-rinos werden in die Electoral- und Jnfantad»-oder Negreti - Race getrennt. Kursachsen führte be-reits 1765 Merinos ans Spanien ein und hatte viel

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