Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
732
Einzelbild herunterladen
 

732

Schacht

lind den ersten Preis im großen Wiener Turnier1873, wo Blackburns Zweiter, Andersten Dritter u.der Pole Roscnthal (zu Paris aufhältlich) Vierterwurde. Steinitz lebt seit langen Jahren in Londonund gilt gegenwärtig nach glänzendem Erfolge inWettkämpfen gegen den als Analytiker verdientenZnkertort und gegen Blackburns gewissermaßen alsprimus intor pures unter den Schachmeistern. Dieamerikanischen Spieler nach Morphy haben bisherwenig Gelegenheit gehabt, mit den Europäern sichzu messen. Als beste Spieler New Jorks sind Capi-tän Mackenzie n. JamesMason zu nennen. Nebenden Turnieren ist neuerdings auch die Sitte, daßverschiedene Städte Correspondenzpartien miteinander spielen, allgemein geworden. Ein großerWettkampf dieser Art fand vor wenigen Jahrenzwischen den Clubs von London u.Wien statt. Lon-don gewann (unter Führung vdn Steinitz, der alsosein Vaterland bekämpfte) die eine Partie u. machtedie andere unentschieden. Weit schneller als daspraktische Spiel ist die sogen. Problemkunst (d. h.die Kunst, Positionen aufznstcllen, welche ein schönesu. schwer aufznfindendes Matt in bestimmter Zuge-zahl gestatten) ansgebant u. der Vollendung znge-slihrt worden. Während noch die Probleme (oderAufgaben, künstliche Endspiele) der ersten fünfzigerJahre fast sämmtlich sich im Kreise solcher Kombi-nationen bewegen, welche im praktischen Spiel vor-znkommenpflegen, ist man jetzt beiJdeen angelangt,die eine Feinheit u. Tiefe zeigen, wie sie nie in derPartie gefunden werden kann. ZusolchemAnfschwnngderPoesiedes S-s", wie man die Problemkunst zunennen Pflegt, haben Turniere nicht wenig beigc-tragen. Es würde zu weit sichren, dieselben alleaufznzählen ».möge deshalb die Notiz genügen, daßsich ans diesem Gebiete die Deutschen unstreitig denmeisten Ruhm erworben haben. DieAnfgabcn einesBayer, Berger, Klett, Kohtz u.Kockelkorn,Plachuttaund vieler Anderer verdunkeln die Leistungen derEngländer, Franzosen rc. vollständig. Überhauptsind von Problemistcn des Auslandes nur der genialeAmerikaner Loyd u. der Engländer Hcaley bes.zu nen-nen. Demjenigen, welcher das S. erlernen, od. sich indemselben weiter ausbilden will, seien folgende Bü-cherempfohlen. FürersteAnfänger:Portius,Schach-katcchismus, Lpz., J.J. Weber, 7. A. Für Fortge-schrittene: Lasa, Leitfaden, Lpz., Veit u. Co., 4. A.;Suhle n. Neumann, Theorie u. Praxis, Berl., I.Springer: M. Lange, Lehrbuch. Für gebildete Spie-ler zum Nachschlagen: Bilgner, Handbuch, Leipz.,Veit n. Co., 5. A. Was Aufgaben betrifft, so ist dasStudium der Schachzeitungcn am meisten zu em-pfehlen. Für Geschichte des S-s ist jetzt allein maß-gebend: v. d. Linde, Geschichte u. Literatur des S-s,Berl. 1874, 2 Bde.

Das moderne Vierschach, eine mit dem eigent-lichen Geiste des Spiels unverträgliche Abart desZweischach, verschwindet mehr und mehr. Es wirdvon vier Personen aus einem Schachbrett gespielt,welches entweder die Gestalt von zwei neben einan-der geschobenen gewöhnlichen Schachbrettern hat (n.dann spielen die zwei Personen der einenSeite gegendie beiden der anderen Seite), oder welches an jederSeite eines gewöhnlichen Schachbrettes noch zweibis drei Reihen Felder besitzt (dann spielen diejeni-gcnzusammen, welche sich gegenübersitzen). Alles-

Schachtofen.

Here ist in Enderleins Buch überVierschach zu ersehen.Auch die Eigenthümlichkeiten, welche die StröbeckerBauern beim S. noch beobachten, sind nicht beach-tenswerth u. werden sich kaum mehr lange halten.Von verschiedenen Versuchen, das S. zu potenziren,erwähnen wir das sogen. Kriegsspiel. Dieseswird auf einem Brett von 121 Feldern gespielt undhat jeder Spieler 27 Figuren. Zweck des Spiels istderselbe wie beim Schach. Schwede.

Schacht 1) ein senkrecht oder schräg niederge-brachtcr Grubenbau von eckigem, rundem oder ellip-tischem Querschnitt. Je nach dem Zweck unterscheidetman Wetter-, Förder-, Pumpen- n. Fahrschächte;alle diese Zwecke kann man auch durch die verschie-denen Abteilungen (Trümmer) eines einzigen S-serreichen. Die schräg niedergebrachten Schächte hei-ßen donlägige. S. Bergbau S. 203 n. 2056. Dertiefste S. ist der des Blei- n. Silberbergwerkes Bir-kenberg bei Pribram in Böhmen, der im Mai 1875schon 1000merreicht hatte. Es folgt derS.derStein-kohlengrnbs Chilly in Belgien mit 863 in, der S.einer Steinkohlengrnbe bei Zwickau mit 804 m, derS. von S. Andrcasberg im Harz mit 772 w, derS. der Steinkohlengrnbe Wigan in England mit745 in, der S. der Steinkohlengrnbe S. Chanmontin Frankreich mit 683 m, der S. des Silberberg-werkes bei Kongsberg in Norwegen mit 570 m, derS. des Gold- und Silberbergwerkes in Schemnitzmit 540 m rc. 2 ) (Hüttenk.) der innere hohle Raumeines S-ofens; vgl. Hohosen. Schroot.

Schacht, Hermann, Botaniker, geb.znOchsen-wcrdcr 15. Juli 1814, wurde 1851 Privatdocentin Berlin, durchforschte 1856 u. 1857 Madeira bo-tanisch, wurde 1860 Professor in Bonn, wo er20. Ang. 1864 st. Seine Forschungen bewegten sichvorwiegend anfdemnükroskopischenGebiete n. warendurchschlagend. Er schr.: Das Mikroskop n. seineAnwendung, Berl. 1851,3.A. 1862; Entwicklungs-geschichte des Pflanzen-Embryos, Amsterdam 1850;Pflanzenzelle, Berl. 1852, n. Bearb. als Lehrb. d.Anatomie u. Physiologie der Gewächse, ebd. 1856bis 59, 2 Bde.; Der Baum, ebd. 1853, 2. A. 1860;Madeira n. Tenerrfa, ebd. 1859; Spermatozoidenim Pflanzenreiche, Brschw. 1864. r.

Schachtelhalm, s. Lguisstnm.

Schächten, bei den Juden, so v. w. ein Thierschlachten; sie haben besondere Schächter (Schochet),welche von einem Rabbiner autorisirt werden u.dabei besondere Regeln beobachten.

Schachtofen, OfenzuhüttenmännischenZwecken,welcher eine im Verhältnis) zu seiner Weite beträcht-liche Höhe besitzt. Schachtöfen von mehr als 14,5 mheißen im Metallhllttenbetriebe Hohosen, Schacht-öfen zwischen 2,14,5 in mittlere Schachtöfen od.Halbhohö fen noch kleinere Krummöfe n. Im Ei-senhllttenbetriebesinddie betr.Maßc wesentlich höher,vgl. Hohosen. Je nachdem dieZnführung der Ver-brennnngslnft in den Schachtöfen durch natürlichenZug oder Lurch Gebläse bewirkt wird, unterscheidetman Zug- und Gebläse - Schachtöfen. DieHinterwand des S-s heißt auch wohl Brand-mauer, dis Vorderwand Stirnwand und ihrunteres Ende die Brust. Die Seitenwände füh-ren den Namen Backen, Wangen oder Fntter-manern. Der Boden der Gebläse-Schachtöfen wirddurch einen oder mehrere feuerfeste Steine (Sohl-