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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Schachspiel.

durch Matt, Pat oder Figurcnübergewicht einge-fiihrt wurde. Vou Persieu aus gelaugte das S. nachGriechenland und die Saraceueu brachten es nachItalien u. Spanien, von liier aus endlich kam es indas übrige Abendland. Eine Literatur, welche sichmit Eröffnungen n. Endspielen beschäftigte, hat dasS. in Persien und Arabien wol gehabt. Die Eröff-nungen mögen aber der Schwäche vonM n.k?LrÄuwegen sehr einförmig gewesen sein, so daß die Spie-ler Len Kamps häufig erst von gewissen entwickeltenStellungen (la/bJmt) aus begannen. In Europa,wo Las S. jedenfalls vor den Kreuzzngen, ja schonvor800 bekannt war (einBriefdes BischofsP.Dami-ania» Papst Alexander II. erwähnt es 1061), wurdenalsbald Schritte zurFortentwickelungdesSpielesge-than. Jene durchgreifenden Änderungen aber, welcheaus dem S. unser modernes Schach machten, schei-nen erst um 1500 (zuerst wol in Spanien) aufgekom-menzn sein. Dasso vervollkommneteS. entfaltetemit größter Schnelligkeit eine üppige Literatur. Derälteste uns bekannteAntor ist einAnonymns(Göttiu-ger Handschrift, um 1490); die Druckwerke beginnenmitVicent n.Lncena(1497), zwei Spaniern. Es fol-gen der Portugiese Damiano (1512) u. der SpanierRuy Lopez (1561). Die Arbeit des Italieners GinlioCesare Polerio (ca. 1590) ist Mannscript geblieben.Die Autoren bis auf Lopez beschäftigen sich nochüberwiegend mit Endspielen, weshalb Lopez mitRecht der BegründerderSchachtheorie (Eröffnungs-lehre) genannt werden darf. Polerio ist die Haupt-quelle aller späteren Italiener, also des Gianutio(1597), Alessandro Salvio (1604 u. 2. verm. A.1634), Pietro Carrera (1617) n. Gioachino Greco(1619). Zur Zeit, als die Schachliteratnr ans derpyrenäischen Halbinsel u. in Italien solche Blütchentrieb, florirte natürlich auch das praktische Spiel.Zuerst galten die Spanier für die besten Spieler; alsaber Leonardo da Cntri (genannt il Pnttino) undPaolo Boi aus Syrakus den Rny Lopez besiegt hat-ten, ging dieser Ruhm aus die Italiener über. Aufdie spanisch-italienische Blüthezeit des S-s folgt einePeriode, in welcher die theoretische Forschung bei-nahe vollständig ruhte. Von Greco bis ans Philidordürften nur der Iraits cks Iwnsanns von DavidGentil (1698) u. die 100 künstlichen Endspiele de»Syriers Philipp Stamma (1737 und 2. A. 1745)erwähnenswert!) sein. Durch den großen französischenMeister Francois Andre Danican, gen. Philidor, u.den Italiener Ercole del Rio wurden die Untersuch-ungen wieder ausgenommen. Philidor, dessen Werk

1749 u. in 2.A. 1777 zu London erschien, entwickelteeine eigenartigeTheorie.Obwoldieselbelängst als ein-seitig u. in vielen Punkten unrichtig erkannt ist, kannseinem Buche doch eine große Bedeutung nicht ab-gesprochen werden. Philidor war weitaus der stärksteSpieler seiner Zeit u. fand 50 Jahre lang beinahekeiuenGegner, den er nicht blindlings (L. h. ohneAnsicht des Brettes, aus dem Gedächtnis; spielend)hätte besiegen können. Der SchulePhilidors stracksentgegenlaufend ist die des Rio, dessen Schachwerk

1750 erschien. Rio betont die schnelle Osfiziersent-wickelung (offenes Spiel). Nachfolger Rios sind G.Lolli (ans dem W. Heinse in dem Roman Anastasiau. das Schachspiel einen Auszug gibt) , C. Cozio u.Ponziani. Ein deutsches Originalwerk über Schach-theorie schus erst Johann Allgaier in Wien 1795.

Dasselbe erlebte sieben Auflagen u. war seiner Zeitentschieden das vorzüglichste. Von Allgaier rührtn. a. die Ausführung des nach ihm benanntenGam-bits (vom ital. (iaro il Minbotts, ein Bein stellen,her. Im ersten Drittel des 19.Jahrh. traten haupt-sächlich Deutsche und Engländer als Schachantorenauf: Koch (1801), Sarratt (1808, 1821), Cochrane(1822), Lewis (1817), Silberschmidt (1826), Wal-ker(1831); gleich darnach erschien der große sran-zösische Matador Charles de la Bonrdonnais, dessenWettkampfe mit dem genialen Irländer AlexanderMac Donnell der ganzen Schachwelt einen mächtigenImpuls gaben. Im Jahre 1836 gründete la Bour«Louuais in Gemeinschaft mit Mery die erste Schach-zeitung: Iw kalamöstg, doch gerietst das Unterneh-men bald ins Stocken. 1837 erschien AlexandresEncyklopädie, eine Übersicht der ganzen bis dahinvorhandenen Schachliteratur. Nach Labourdonnais'Tode (1840) ging die Führerschaft in Bezug aufSchach mehr n. mehr auf England (Stannton) undDeutschland (BerlinerSchnle, begründet vonL.Ble-dow) über. Stannton gab von 1841 an eine eng-lische Schachzcitnng heraus, Bledow von 1846 aueine deutsche. Die letztere besteht noch heute (Leipzig,Beit n. Co., Redacteur vr. Schwede) n. ist zur Zendas älteste Organ des Spieles. Ein Schüler Ble-dows, P. R. v. Bilguer, legte 1839 den Grund zueinem Handbuch des Schachspiels, welches seinFreund, Herr v. d. Lasa (gegenwärtig kaiserl. deut-scher Botschafter inKopenhageu), vollendete. Diesesgroße Werk, ein hervorragendes Denkmal deutschenFleißes, hat bis jetzt 5 Ausl, erlebt. 1843 erschienin Petersburg Jaenischs großes Werk: ^.naiz-sononvsiis cis8 ouvortnrüZ ckn zou äss öoirocs.

Die Zeit seit etwa 1850 ist dem Schach außer-ordentlich hold gewesen. Allenthalben haben sich(bes. in England und Deutschland) Schachclnbs ge-bildet, die Clubs sind wieder znAssociationen zusam-mengetreten, und fast jedes civilisirte Land hat seinSchachorgan erhalten. Wir haben außer der deut-schen Schachzeitung die engl. Journale TRs IVost-minstor Lapsrs u. Urs Ollsso kluxsrs Ollroniels,die franz. Ltratö^io, die ital. Huova Livists, cksKiiLeaoeiii, die dän. Horckwk Lkaicbiilsnäs, die russ.Lelraoiimatnni listolc, das amerikan. Olross lonr-nui rc., ganz abgesehen von den zahlreichen perio-dischen Blättern, welche dem Schach eine Spalte ein-ränmen. Am meisten aber wird unsere Zeit charak-terisirt durch die Congresse u. Schachturuiere. Daserste internationale Schachturnier fand 1851 zuLon-donstatt. DamalswnrdeH.Stannton, welchernacheinem gewonnenen Wettkampf (Match) gegen denFranzosen St. Amant auf dem Gipfel seines Ruh-mes stand, von dem berühmten Schlesier Adolf An-dersten (z. Z. Professor der Mathematik in Breslau,s. d.) besiegt. Andersten fand bald einen Rivalenin Louis Paulsen (s. d.) aus Nassengrund in Lipps-Detmold. Am internationalen Turnier zu Paris1867 betheiligte sich keiner der beiden größten deut-schen Meister; die Preise fielen daselbst an Kolisch,Winawer, Steinitz u. Nenmann. Wilhelm Steinitz,ein Österreicher, hatte sich bereits im Jahre 1866durch einen siegreich dnrchgefochtenen Match mit An-dersten einen Namen gemacht. Er gewann nachhernoch den zweiten Preis in Baden-Baden (der Eng-länder Blackburns u. Neumann theilten den dritten)