Savoyen. 717
in Gebrauch; er starb auf dem Krenzznge 1148 aufCypern. Humberl III., der Heilige, des VorigenSohn, 1148—88, verlor, da Kaiser Friedrich I. denBischöfen von Turin, Maurienne u. Tarautaise dieLehn über die Güter in ihren Diöcesen gab u. sie zuRcichsfürsten ernannte, die Oberhcrrschaft über diese.Thomas I. (gest. 1233) erhielt von Philipp vonSchwaben mehre Reichslchn imWaadtlande, erwarbdas Schloß Saillon und alles Gebiet von dein Lan-sanner See bis zum Bcrnhardsberge, ward 1224Neichsvicarius der Lombardei, brachte dis StadtChambery durch Kauf, Numilly, Val de Cles, Bor-nans und andere Gebiete durch Heirath an S. undbaute Villefrauche u. Pigucrol, gest. 1253. Ama-deus III., war eiu Treuer des Kaisers Friedrichll., welcher ihn 1241 znm Herzog von Chablais u.Aosta erhob und 1274 mit Rivoli beschenkte. Fürdessenunmündigen Sohu B o nifa ciu s führten seineMutter Cäcilie von Beaux u. sein Oheim Thomas,Gras von Piemont, die Regentschaft bis 1259. Bo-uisacius st. 1263 u. ihm folgte sein Oheim Peter,Graf von Naumont, der siebente Sohn des GrafenThomas I.; er gewann Turin wieder, wurde vonseinem Schwager, dem deutschen Könige Richard,mit beträchtlichen Gebieten belehnt u. znm Reichs-statthalter in Italien ernannt und brachte fast dasganze Waadtland unter seine Herrschaft; da er 1268kinderlos starb, so folgte ihm sein jüngerer BruderPhilipp I., welcher 1280 die Residenz von Cha-blais nach Turin verlegte. Da auch dieser bei seinemTode 1285 keine Nachkommenschaft hinterließ, sovererbte die Herrschaft von S. ans die Kinder seinesälteren Bruders Thomas, u. dieser wurde so Stamm-vater des jetzigen Hauses S. Der älteste Sohndesselben, Thomas, war aber bereits 1282 gestor-ben, und obgleich er Söhne hinterlassen hatte, vondenen der älteste, Philipp, ihm in Piemont gefolgtwar, so fiel doch S. nach dem Testamente Philippsauf den noch lebenden zweiten Sohn des älterenThomas, Amadeus IV., den Großen, welcher bis1323 regierte. Das Haus S. theilte sich nun inzwei Linien: Piemont u. S.
ä.) Linie Piemont. Der Stifter Thomas,zweiter Sohn des Grafen Thomas 1., bis 1282, be-herrschte seit dem Tode seines Vaters Maurienneunabhängig, brachte das Schloß von Piguerol unddas Thal Perouse an sein Haus. Sein ältester SohnPhilipp, noch minderjährig, setzte sich, 1294 mün-dig geworden, durch eine schiedsrichterliche Entscheid-ung wegen seiner Besitzung mit S. auseinander n.führte dann in Turin eine nene Stadtverfassung ein.1301 vermählte er sich mit Isabelle von Villehar-donin, welche ihm Achaia n. Morea als Brantschatzznbrachte, doch überließ er 1307 das FürstenthumAchaia an Karl II. von Neapel, welcher ihm dasllrdie Grafschaft Alba in den Abruzzen abtrat. DurchVerträge mit dem Dauphin von Vienne u. MatteoVisconti von Mailand brachte er ansehnliche Gebietean sein Land. Erst. 1324. Mit seinem Enkel Lud-wig, der 1405 die Hochschule in Turin gegründethatte, erlosch 1418 diese Linie n. Piemont fiel an S.
L) Linie Savoyen. Amadeus IV. (V.), derGroße, seit 1235, setzte sich mit seinem Bruder Lud-wig durch einen Schiedsspruch auseinander, er tratihm das Waadtland, doch ohne Landesherrlichkeit, ab,vermehrte thcils durch Ankauf, theilS durch Erober-
ungen n. Vermählungen sein Gebiet, durch die Graf-schaft Asti u.dieHerrschaften Presse, Jvrea n.Rener-mont. Er wurde znm Reichsfürsten u. Rcichsvicarin Italien erhoben, verordnete durch ein Testament1307 die Untheilbarkeit seiner Staaten und führtedas Erstgeonrtsrecht ein. Sein Sohn Eduard(1323—29) verlor 1325 gegenÄnignes VII., Dau-phin von Vienne beträchtlich an Land. Sein Bru-der u. ErbeAymon (1329—43) endigte die Fehdenmit dem Dauphin 1334 durch denFrieden von Lyon,verglich sich auch mit Saluzzo 1335 n. blieb im Besitzder Lehnsherrlichkeit. Durch seine Heirath erwarber die Anwartschaft ans Montferrat. Amadeus V.(VI.), der Grüne Graf (1343—83), ein kriegeri-scher Fürst, der bald in Italien, bald in Bulgarien,dann in Griechenland kämpste, kaufte von seiner Mut-ter, Katharina von S., die Herrschaft Waadtland u.mehrere Güter, brachte durch Eroberungen in Italienmehrere Gebiete an sich, ward Reichsstatthalter ineinein Theile der Schweiz, stiftete 1362 den Annnn-ciatenorden n. starb 1383 ans einem Feldzug gegenNeapel in Apulien. Amadeus VI. (VII.), derRothe Graf (gest. 1391) unterwarf sich die Graf-schaften Nizza n. Ventimiglia, dann Coni, Chivasso,Villafranca und Barcelonette. Sein Sohn Ama-deus VII. (VIII.), der Friedfertige, (1391 bis1434) machte große Ländererwerbnngen: er kaufte1400 die Grafschaft Genevois, erwarb 1402 dieSchlösser Villars, Loyes,Poncin, Cerdon,Montreal,Arbent, Matafilon, Beanvoir und alles was jenseitder Saone lag. Seit 1416 durch den Kaiser Sigis-mund zum Herzog erhoben n. 1418 Erbe der Be-sitzungen der Piemontesischen Linie, erwarb er nochals Entschädigung für den Kriegszng seines Vatersnach Neapel, Nizza,Villafranca u.das ganzeKüsten-land, von dem Erzbischof von Besanyon 1421 Cosson-nai. 1427 gewann er von Mailand Vercelli und
1433 durch den Vertrag von Tonon mit dem Mark-grafen vonMontferrat mehrere Schlösser u. alle Be-sitzungen desselben jenseit des Po. Dabei verbesserteer die Gesetze, stellte viele kirchliche Mißbräuche abn. war sehr thätig bei dem Concil in Konstanz, umeine Kirchenverbesserung zu Stande zu bringen.
1434 im Nov. übertrug er seinem ältesten ^ohneLudwig die Stelle eines Reichsverwesers und zogsich dann mit sechs Gefährten in die Einsiedelei zuRipaille bei Genf zurück, wo er den Orden des St.Mauritius stiftete. 1439 wurde er ans dem Concil zuBasel als Felix V. (s. d.) zum Papst erwählt n. tratnun seinem Sohne die Regierung von S. mit allenHoheitsrechten völlig ab. Dieser überließ Valenti-nois u. Diois an Frankreich, wogegen er Fancignyerhielt, darauf gab er 1445 ein Grundgesetz, nachwelchem alle Krongüter von S. unveräußerlich seinsollten. Er vermählte sich 1438 mit Anna von Ln-signan, der Tochter Johanns II. von Cypern, ohnejedoch zur Erbschaft desselben zu kommen. Ludwigstarb 1465. Amadeus VIII. (IX.), der Glück-selige, sein Sohn, mußte wegen Kränklichkeit schon1468 seine Gemahlin Jolantha, die Tochter des Kö-nigs Karl VII. von Frankreich, zur Regenlin er-nennen, wogegen sich seine Brüder, die Grafen vonGenevois, vonRomont n. Presse erhoben,das SchloßMontmelian eroberten, den Herzog nach Chamberyführten; die Herzogin entkam nach Äpremont, wurdeaber hier ebenfalls aufgehoben und nach Grenoble