Saulgau -
welche zuerst am Titnsbogen anftritt u. in derBer-fallzeit häufig angewandt wurde. — Das Systemder S. wurde schon in der altchristlichen Kunst stark,nodificirt,inderkarolingischen u. romanischen Epocheerinnern nur noch einige Capitälformen u. Gesims-gliedernngen an die antike Abstammung und in derGothik schließlich ging der Begriff der S. gänzlichverloren. Ganz besonders tritt uns dieses in dennordischen Werken entgegen; in Italien dagegen be-wahrte man, angesichts der vielen antiken Bauwerkeimmer noch eine gewisse Vorliebe für die S. und sosind die italienischen Werke der romanischen u. goth.Kunst meistens von einem antiken Hauch durchdrun-gen, welcher sich namentlich in der Form n. Bear-beitung der Säule u. ihrem Capitäl in der Glieder-ung der Archivolten u. Gesimse, n. besonders in deinausgeprägten Horizontalismns der Gebäude docu-mcnlirtss. Bank., Taf. IX., Pisa).— Hier war dem-nach für die im 15. Jahrh. wieder anslebsnde An-tike (Renaissance) der Boden geebnet u. in ihr ge-langten auch die S. wieder zu ihrem Rechte. Beson-ders interessant ist die Zeit der Früh-Renaissance(1420—1500), in welcher die S. mit außerordent-licher Freiheit und Gewandtheit verwendet wurden.Je nach Zweck und Bedeutung erhält die Säuleeine architektonisch strenge Gliederung (selten jedochin direkter Nachahmung der Antike) oder eine spie-lend Lecorative Behandlung, wobei man häufig demSchaft derselben die Form eines antiken CanLela-bers mit reichem Blattschmuck gab (z. B. Säulen ander Fahade der Certosa zu Pavia). Besonders schöneWerke dieser Periode befinden sich in Ober-Italien,die meisten derselben sind dem Bramante od. dessenSchule zu danken. — Mit der etwa um 1500 be-ginnenden Hochrenaissance machte sich eine größereStrenge in der Auffassung der Architekturformen u.inder Verwendung der S. geltend (Palladio, Alberti,Serlio, Michel Angelo n. A.). Die reiche, frischeOrnamentation der Friih-Nenaissance wird mehr n.mehr unterdrückt und macht leider einer größerenSchablonenhastigkeit Platz. Den Meistern der Re-naissance ist übrigens ganz besonders die Anwend-ung des Systems der S. auf Gebäudefa^aden zuLanken, das Studium der Meisterwerke dieser Periodewird daher neben demjenigen der Antike auch fürunsere modernen Werke in den meisten Fällen alsGrundlage dienen müssen. Eiverbeck.
Saulga», Stadtu.Hauptort in dem 39l,5>Dkm(7,ir IHM) mit (1875) 26,108 Einw. umfassenden,gleichnamigen Oberamte des Württemberg. Donau-kreises, anderSchwarzach,StationderWürtiemberg.Staatseiseubahnen; Fabrikation von Woll- undStrnmpswaaren, Weißstickerei, Bleicherei,Getreide«,Gips- und Oelmühlen, Getreideschranne; 1875:3525 Einw. S. gehörte bis 1805 zu Oesterreich.
Sanlieu (im Alterthum Sidoleucus), Stadt imArr. Semnr des franz. Dep. Cvte d'Or, auf Hügelnschön gelegen; 2 bemerkenswerthe Kirchen, Commu-nal-Collegs, Bibliothek, Woll- u. Baunnvollmann-facturen, Gerberei, F-aßbinderei, Fabrikation vonAckerbaugeräthen, Holzschuhen rc., Handel mit Holzu. Getreide; 1876: 3750 Ew. Geburtsort Vanbans.
Sankt, Flecken im Arr. Carpentras des franz.Dep. Vauclnse, an der Nesque; Mnsenm, öffentlicheBibliothek, Schwefelquellen, Baumwollen-, Wollen-u.Leinenweberei; Schloßruine; 1434E-(Gem.2533).
— Sauppe. 711
Saumfarn, 1) ist ktsris aguilina; 2) so v. w.
Xäiantum.
Saninur, Stadt n.Hanptort in dem 7 Cantoneu. 84Gem. mit 92,726Ew. umfassenden, gleichnam.Arr. des franz. Dep. Maine-et-Loire, am Fuße einesmit einem festen Schlosse gekrönten Hügels, an derLoire n. am Thonet, Station der Orleans- n. derPvitiers-S.-Eisenbahn, mit der Borstadt Croix-Verteam rechten llfer der Loire, Kriegsplatz dritter Klaffe;Gerichtshof erster Instanz, Commnnal-College, öf-fentliche Bibliothek, Antiquitäten-, Statuen- u. Na-turhistorisches Mnsenm, Botanischer Garten, Cavale-rieschnle, Weinbanschule, Ackerbau- u. Gewerbekam-mer, mehrere Kirchen (darunter die Kirchen St.Pierre, Notrc-Dame-de-Nantilly u. Notre-Dame-des-Ardilliers), altes Stadthaus mit einem in glei-chem Stile ansgeführten neuen Anbau, Theater,Cavaleriekaserne, Arsenal n. Pulverkammer (in demim 11. Jahrh. begonnenen und im 13. vollendetenL>chlosse); prächtige, 248 m lange steinerne Brücke,welcheS. mit der mitten in der Loire gelegenenJnselverbindet, n. eine andere, 204 in lange (eine Fort-setzung der crsteren), zwischen der Insel u. der Vor-stadt Croix-Verte; Brücke über den Thonet; Fabri-ken in Emaille, Perlen, Rosenkränzen, Leder, Lein-wand, Liquenr rc.; Handel mit Wein, Getreide, Lein,Hanf, getrockneten Früchten und Gemüsen, Nüssen,Branntwein rc.; (1876) 13,822 Ew. S.istGeburts-ort der Anna Dacier. In der Umgegend finden sichviele römische u. keltische Mterthümer. Hier 9. Juni1793 Schlacht zwischen den Republikanern n. Roya-listen , siegreich für letztere. Vgl. d'Espinay, 8. ob8ss snvirons, Angers 1875. H- Berns.
Sanmzecke, s. Zecken.
Saupe, Ernst Julius, Literarhistoriker, geb.
2. Febr. 1809 zu Gera, wo er nach vollendeten Stu-dien 1835 Stellung als Gymnasiallehrer erhielt n.bis zu seinem Tode (6.Febr. 1871) lebte. Er sehr.:Schiller und sein väterliches Haus, Lpz. 1851; Dieschiller-Goetheschen ikenien, ebd. 1852; Goethes u.Schillers Balladen u. Romanzen, ebd. 1853; Goethesu. Schillers Leben u. Werke in chronologischen Ta-feln, Gera 1854U.1855; Goethes Faust, ebd. 1856;Handbuch der poetischen Literatur seit Haller, 3. A.Lpz. 1856; Bilder aus Luthers Leben, Zwick. 1861;Die Gattungen der dentschenDichtknnst, Gera 1863;Der altdeutsche Heldensang in 3 Proben, ebd. 1866;Shakespeares Leben rc., ebd. 1867, rc. Beyer.
Sauppe, Hermann, bsdeutenderPhilolog, geh.9. Dec. 1809 in Wesenstein bei Dresden, Schülervon Ä.Hermann in Leipzig; 1833 Lehrer am Gym-nasium u.Privatdocent an der Universität znZürich,später außerordentlicher Professor u. Oberbibliothe-kar der Kantonalbibliothek; 1845 Director des Gym«nasinms in Weimar, bald darauf Hofrath; 1856 ord.Professorder elastischen Philologie inGöttingen, 1877auch Geh.Regiernngsrath. Er gab heraus: Orato-rss Xtüioi rso. Laitsr sb 8., Zür. 1839—50, 2 Bde.;Lp. orit. aci 6. Ilsrnnurnnm, 1841; Leake, Topo-graphie von Athen, übers, von Baiter u. S., 1844;Ösmosbirsnss or. ssk. I., 1, 1845; Plrilockomi clsvitiis I. X., 1853; Platos Protagoras erkl., 1857,
3. A. 1873; Hyperides Grabrede, 1858; Schulrs-den, 1855; seine zahlreichen kleinerenAbhandlnngenu.Recenfionen (in Programmen, den Abh. der Gott.Societät den Gott. Gel. Anz., Abh. d. Philol.-Vcrs.