Säufcrkrankheit
Säugen.
703
-er Magen n. der Blinddarm am meisten katarrha-'lisch afficirt zu sein; aus der verdickten, schiefergrangefärbten Schleimhaut des ersteren sieht man mei-stens eine Menge erhebliche Blntgefäßansdehnnngcnu. flache Geschwürchen. Bei Säufern in den höherenLebensjahrenentwickeltsichausdenebenbeschriebenenVeränderungen der Magenschleimhaut nicht seltenMagenkrebs. Nächst den Befunden im Verdanungs-kanal treten bes. die fettige Entartung des Herzens n.die Schrnmpfleber.diedeshalb auch den Namen Sän-ferleber, Ainärinstsr» livor der Engländer, specicllerhalten hat, hervor, doch ist letztere nicht constant.In der Hirnhöhle beobachtete man in zahlreichenFällen eine entzündliche Verdickung der harten Hirn-haut (Daoiiznnsniiigitis IraomorriruAiea.) und kannman dieselbe sogar experimentell bei Hunden durchAlkoholfütterung erzeugen. Die feineren Veränder-ungen der Hirnsnbstanz kennt man noch nicht, obwoldieselben den Erscheinungen der S. im Leben nachganz erheblicher Statur sein müssen; das Gehirn solltrocken, derb, die Ganglienzellen fettig entartet sein.Die Erscheinungen der S. im Leben werdendurch die eben beschriebenen Befunde nur znm klein-sten Theil erklärt n. sind so mannigfaltig, daß es sehrschwer hält, ein übersichtliches Krankheitsbild zu ge-ben. Im Beginn der Entwickelung der S. pflegt eszunächst anfznsallen, daß die betreffenden Personennicht mehr berauscht werden, trotzdem sie ansehnlicheMengen alkoholischer Getränke zu sich genommenhaben. Immer wird die Prodnctionskrast für kör-perliche n. geistige Arbeiten sehr bald geschwächt u.erst durch den erneuten Genuß gewisser Mengen al-koholischer Getränke ist der Sänser noch zu gewissenLeistungen fähig. Wegen des chronischen Magen-katarrhs widerstehen dem Säufer alle Speisen vongewöhnlicher Beschaffenheit n. nur etwas Pikantesvermag er noch zu sich zu nehmen. Allmählich bil-det sich immer mehr der charakteristische Typus desSäufers ans: das Gesicht wird fahl n. gedunsen, dieHaut schmierig, zu klebrigen Schweißen geneigt, diegespreizten Finger n. die herausgcstreckte Zunge zit-tern (Drsmor xotntornm) u. nicht selten kommt esmitten im chronischen Verlaufe zu jenem acutenSymptomenco mplex,d cr unter dem Namen voliriumbrsmens bekannt ist. Dasselbe bricht bes. dann leichtans, wenn durch irgendwelche Umstände dem Säu-fer der Genuß der alkoholischen Getränke versagt istod. wenn sich bei ihm eine innere Entzündung (z. B.Lungenentzündung) entwickelt. In anderen Fällentritt das Delirium tromsns sofort nach einer tüchti-gen Saufattaqne auf. Es beginnt mit großer Un-ruhe und völliger Schlaflosigkeit; dazu gesellen sichHallncinationen des Gehörs und Gesichtes mit demCharakter des Schreckhaften. Namentlich sind dieHallncinationen des Gesichtes sehr ausgeprägt undcharakteristisch. Der Kranke sieht sich von Polizei-beamten verfolgt, Ratten n. Mäuse laufen über seinBett. Dabei macht der Kranke unaufhörlich zupfendeBewegungen mit den Fingern, will aus dem Betteu. s. w. Das Bewußtsein ist mehr od. weniger ge-stört u. auf Fragen nach dem Befinden erfolgt stetsdie Antwort: „Es fehlt mir nichts". Bei Ansgangin Genesung erfolgt Schlaf n. Beruhigung der Mus-cnlatnr, die Hallncinationen verschwinden n. das Be-wußtsein wird wieder klar. Die Dauer des Dsiirinmtremens beträgt einige Tage. In anderen Fällen ist
der Verlauf der S. anders. Der Sänser macht mitdem Saufen wochenlang Panse n. trinkt in dieser Zeitwenig od. gar nichts. Auf einmal aber bekommt erden Sanfraptns und im wüstesten Saufen geht csmehrere Tage fort (Perioden-Sänfer, Dipsomanie),bis eine Erschöpfung des Körpers eintritt u. nachSchlaf wieder ein mehrwöchentliches annähernd ver-nünftiges Verhalten. Endlich gibt es Personen, dienie an Delirium gelitten haben n. auch keine Perio-densänfer, sonderndem„stillen Soff" ergeben sind,d.h. unbemerkt vertilgenfolcheSäufer großeMengenalkoholischer Getränke n. erst an dem oben beschrie-benen äußeren Ansehen derselben erkennt man dasLaster. In allen Fällen leidet schließlich das geistigeVermögen noch, der Potator wird stumpfsinnig, ver-sinkt moralisch und selbst die heiligsten Gitter (seineFamilie, seine Ehre rc.) werden ihm gleichgilrig. Ja,nicht selten entwickelt sich wirkliche'Geisteskrankheitmit Anfällen von Raserei und vollständigen Wahn-ideen (Säuferwahnsinn) n. der Kranke gehört insIrrenhaus. Eine Behandlung kann nur in den frü-hesten Stadien der S. von Erfolg sein. Man hatnamentlich früher öfter wissenschaftliche Versuche ge-macht, den Säufern das Saufen abzugewöhnen, hatsie eingesperrt und ihnen alle Nahrungsmittel mitSchnaps versetzt gegeben. In einigen Fällen wurdeallerdings es erreicht, daß die Säufer dadurch einengewaltigen Widerwillen gegen die alkoholischen Ge-tränke bekamen. Meist aber ging nach einiger Zeitdieser Widerwillen verloren n. das Laster kehrte wie-der. Was sich aber namentlich herausstellte, war,daß solche Kuren nicht selten mit dem Tode endetenu. nicht vertragen wurden. Ans diesem Grunde istman ärztlicherseits von dieser Methode abgegangenund beschränkt sich darauf, den Willen des Krankenanznspornen, dem so verderblichen Laster Valet zusagen n. läßt allmählich die Portion des täglich ge-nossenen Alkoholqnantnms vermindern. Bei Säu-fern freilich, die schon alle moralische Kraft verlorenhaben , ist durch diese Methode nichts zu erreichen;tiefe sind rettungslos verloren n. keine Heilmethodenützt bei ihnen. Die in den Tageszeitungen so viel-fach angspriesenen Geheimmittel von Laien verdie-nen nicht das mindeste Vertrauen. Kunze.
Sänferkrankheit, s. Säuferdyskrasie.
Säuferwahnsinn, s. Säuferdyskrasie.
Sanfindcr (Sanbeller), Hunde, meist Schäfer-hunde, die znm Aufznsnchen, Verbellen u. Stellender Sauen abgerichtet sind.
Sangadcrn, die ersten Anfänge der Lymphge-fäße; s. Lymphatisches System.
Sangen, die geringe Znsammenziehnng einesWebestoffes nach der Breite durch das Biegen desEiuschlagfadcus zwischen den Kettfäden; man sagt:Der Stoff saugt.
Sängen (Stillen, Imotabio), Ernährung desKindeS (Säuglings) durch Einsangen der Milch ausder Brnst der leiblichen Mutter, od. einer Srellver-treterin, einer Frau (Sängamme), od. eines weib-lichen Thieres, z. B. der Ziege. Die Muttermilch istdie geeignetste Nahrung des neugeborenen Kindes;daher soll jede Mutter, wenn nicht besondere Gründe! dagegen sprechen, ihr Kind stillen. Zn Widerrathenist das Stillen bei Krankheiten derMutter (Lungen-schwindsucht, Epilepsie, Syphilis, Gichtrc.s, oder zusgroßer Schwäche derselben; unmöglich kann es ge-