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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
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685
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Sardinische

bisher Prinz von Savoyen-Carignan. Der neneKönig begann seine Regierung wol mit einigen Ver-besserungen in den Finanzen, der Verwaltung unddem Heere, aber im Großen n. Ganzen änderte erin der bisherigen Regicrnngswcise Nichts, besondersda der Adel n. die Geistlichkeit einen großen Einflußin der Armee n. Regierung hatten, und er ging nurum so strenger in der angenommenen Richtung vornach Entdeckung der Verschwörung in Turin, Nov.1833, u. dem anfangs Febr. 1834 von der Schweizaus unter Mazzini und Ramorino unternommenenEinbruch deutscher, poln. n. Italien. Flüchtlinge, demsogen. Savoyerzng, der mit vollständiger Zer-streuung der Bande endete. Noch einige nachfolgendeVerschwörungen riefen neue Repressivmaßregelnhervor, wie z. B. den Schluß der Universität Turin18. Aug. 1834. Als strenger Anhänger des Legiti-mitätsprincips stand Karl Albert mit der Jnliby-nastie auf schlechtem Fuße, noch schlechter mit Spa-nien, wo er die Ansprüche des Don Carlos aner-kannte und sogar offen unterstützte. Das Heer brachteKarl Albert, indem er von einem jährlichen Budgetvon 75 Milt. Lire allein 27 Milt, auf die Armee ver-wandte n. eine Landwehr schuf, auf 60,000 Mann.Indessen ward durch Abschluß von Handelsverträgender Aufschwung des Verkehrs gefördert, im Innerndurch Straßen-, Brücken- u. Eisenbahnban für dessenHebung gesorgt; Ackerbau u. Industrie, sowie Volks-unterricht erfreuten sich regster Unterstützung und indie Finanzen ward Ordnung gebracht. Auch in po-litischer Beziehung ward mehr u. mehr der liberalenRichtung zugeneigt: einer wenn auch beschränktenAmnestie von 1842 für die Revolutionäre von 1821folgte eine Milderung der Censnr, EinräumungsreiererBewegnngfürdieWissenschaft, Reform in Ge-setzgebung, Justiz - n. Gefängnißwesen, Aufhebungder ans der Insel Sardinien noch bestehenden Fendal'-lasten rc. Als daher 1846 n. 1847 die ganze italien.Halbinsel von der Reformbewcgung ergriffen wurde,blieb es in Sardinien nur bei vertrauensvollen Bit-ten u. Demonstrationen, denen der König, nachdemer II. Oct. 1847 bereits ein volksthümliches Mi-i nisterinm berufen, durch Decret vom 30. Oct. 1847insofern nachkam, als er Einführung einer neuenGerichtsverfassung, mit Beseitigung der privilegirtenGerichtsstände, Beschränkung der Polizeigewalt,freiere Bewegung der Presse, versprach, auch den1843eingerichtetenProvinzialräthen in den Gemein-den ausgedehntere Rechte gewährte; auch wurden diePräliminarien für einen nationalen Zollverein zwi-schen Sardinien, Rom, Toscana n. Lncca eröffnet;8. Febr. 1848 wnrdeeine constitutivnelle Verfassung^ verheißen n. 4. März schon verkündet. Das Reform-werk krönte endlich die Bildung eines constitntionelleiiMinisteriums unter dem Grafen Balbo (8. März),das mit Erlaß eines freisinnigen Wahlgesetzes, Be-rufung des ersten sardinischen Parlaments und Ver-kündung allgemeiner Amnestie seine Thätigkeit be-gann. Vor Verkündung der Verfassung war auchder Jesuitenorden in der ganzen Monarchie ausqe-hoben worden.

Indessen waren auch die Kriegsrüstungen eifrigstbetrieben worden u. als infolge der Februarrevolu-tion in Frankreich das öftere. Obcritalien zur sörm-) lichen Revolution überging, ergriff Karl Albert, be--s reits als das Schwert Italiens (1a spacla ä'Itatia)

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begrüßt, für dieselbe Partei, verhieß in einer Pro-clamation vom 24. März den lombardischen Brü-dern Hilfe, nachdem er Tags zuvor die Kriegser-klärung an Oesterreich erlassen hatte, und rückte mit60,000 Mann in die Lombardei ein, um den von dersardinischen Bevölkerung von Ansang der Bewegungausgesprochenen Gedanken der Einheit Italiens un-ter seiner Führung zur That zu machen. Aber dieKrone Italiens war nicht so rasch zu erlangen. Am26. Marz zogen die Piemontcscn in Mailand ein n.uiigehindertdrangKarlAlbertbisznmMincio,zwangbei Goito 8. April die Oesterreicher znni Rückzügen. ging 9. April über den Mincio. Wie glücklich aberder Krieg für den König begonnen hatte u, wie gün-stigen Fortgang er durch die Verstärkung durch Tos-caner, Neapolitaner und Römer nehmen zu wollenschien, so unglücklich für Sardinien endigte er. In sei-ner Stellung müssig verharrend grollte der König aufVenedig, welches sich unterdessen als Republik con-stitnirt hatte, n. auf Mailand, wo sich die lombard-ische Regierung geweigert hatte, die Nationalver-sammlung vor Beendigung des Krieges einzuberu-fcn. Dann siegtenzwar seine Truppen 30. AprilbciPastrcngo n. S. Ginstina, mußten aber schon bei S.Lucia weichen, n. durch die Ztirückberufnng der päpst-lichen n. neapolitanischen Truppen seitens ihrer Re-gierungen erhieltdieSacheKarlAlberts eincschlimmeWendung, lind als nun Radetzky Verstärkungen ansich gezogen hatte, ergriff er 27. Mai die Offensiven. schlug den König 29. Mai bei Cnrtatone. Gabauch der Sieg bei Goito n. die ttebergabe von Pes-chiera (30. Mai) den Sardiniern einige neue Hoff-nung, so verschwand dochdiese wieder, da KarlAlbertgar nichts that, um seinen Sieg zu benutzen, u. dieÖesterreicher 11. Juni Vicenza, 14. Treviso n. 15.Padua cinnahmen. Inzwischen meldete 11. Junidem König eine Deputation ans Mailand den An-schluß der ganzen Lombardei an Sardinien undGleiches erklärte seinerseits Venedig 4. Juli. DerKönig stand während beinahe 4 Wochen nnthätigmit seinem Heere zwischen dem Gardasee und demPo. Am 23. Juli griffRadetzky dis weit ausgedehnteStellung der Piemontesen an und nach zweitägigenGefechten erlitten die Letzteren bei Custozza 25. Juliim Entscheidiingskainpf eine völlige Niederlage, sodaß an ein längeres Standhalten nicht mehr zu den-ken war. Der König langte mit seinem erschöpftenHeere 3. August in Mailand an. Inzwischen war8. Mai in Turin das erste Parlamentdnrch den Gc-neralstatthalter Prinzen Engen eröffnet n. dabei vonder Regierung als Ziel aller Bestrebungen die Ein-heit Italiens ausgesprochen worden. Nachdem dievenetianische Versammlung, dem Beispiele der Lom-bardei folgend, 4. Juli den Anschluß an Piemont be-schlossen hatte, erließ die sardinische Regierung unterdem 16. Juli über diese Vereinigung ein besonderesDecret u. 27. Juli proclamirten Senat n. Deputir-tenkammer in Turin die Annahme der Vereinigungder Stadt n. Provinz Venedig mit Sardinien zu EinemKönigreiche, worauf 7. Ang. in Venedig selbst noch dieÜbergabe sämmtlicher Staatsgewalten an die königl.sardinischen Bevollmächtigten Colli u. Cilvario er-folgte. Jndeß wurde sowol von Len Lombarden alsvon den Piemontesen Alles aufgeboten, um die Nie-derlage bei Custozza wieder gut zu machen; während28. Juli die lombardische Regierung in Mailand