Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
683
Einzelbild herunterladen
 

Sardinische Monarchie.

683

ernannte Kaiser FriedrichI. denBariso vvnArborcazum König von S.; aber ohne dauernden Bestand,1239 Friedrich II. seinen natürl. Sohn Enzio, deraber bald von den Bolognesen gefangen wurde. DieInsel blieb das Object des Kampfes zwischen Pisa n.Genua, ohne daß einer der beiden Republiken eindauernder Besitz möglich wurde. Iui J. 1296 belehntePapst Bonifacius VIII. den König Jakob von Ara-gonien mit S., doch erst 1323 gelang es den Spaniern,die Pisaner zur Abtretung zu zwingen, während dieGenuesen damals u. auch später sich bemühten, dieGarden gegen die Spanier anfzuwiegeln. 1355 er-hielt S. ein Parlament, dessen Hauptaufgabe jedochnur in der Bewilligung von Steuern "bestand. Die1421 erfolgte allgemeine Einführung des von einereinheimischen Fürstin, Eleonore von Arborea (starb1404) verfaßten Gesetzbuches u. auch die Einsetzungspanischer Bicekönige leit 1479 waren von guterWirkung, obwol die Ruhe des Landes noch öfterdurch die von den Pisanern u. Genuesen angestiftetenEmpörungen gestört wurde. 1708 wurde die Inselvon den Engländern für Österreich erobert, dem sieim Frieden von Utrecht auch zugcsprochcn wurde; estauschte sie jedoch 1720 mit Bictor Amadeus I. vonSavoyen gegen Sinken ein, worauf ihr die Ehre zuthcil ward, der Sardinischen Monarchie den Namenzu geben. Im stanz. Nevolutionskrieg fand der Kö-nig von S. hier sein Asyl, aus dem er erst 1814 nachdem Sturze Napoleons I. wieder in seine Erblandezurückkehrtc. Bgl. Hörschclmann, Geschichte, Geo-graphie n. Statistik der Insel S., Berl. 1828 ; Alb.Le La Marmora, Voz'UAg sn 8aräai§ns, äs 1819s, 1825, 2. A., Par. 183940, 2 Bde. mit 2Bdn.Atlas; Ders.,I)ö8oriptiorr Aöo1o^rgnö et palsonto-loArcino äs Uris äo LaräaiAuo, Turin 1857, 2 Bde.mit Atlas; Ders., Itünoraira äs 1'Us äs LaräaiZiis,ebd. 1860, 2 Bde.; vondemselben auch eine vorzüg-liche Karte der Insel; v.Maltzan, Reise auf der InselS., Lpz. 1869; Bädekers Unteritalien, 5. A. Lpz.1876; Corbetta, Laräo^ira s Oorsioa, Mail. 1877;Gorringe u. Schröder, Ooasts anä Island!? ol tkrsZlsäitsrranoan ssa, Wash. 1878; Marino,8toria äi8aräo§na, Turin 1825-^33, 3 Bde. (bis 1773,Fortsetzung bis 1799), ebd. 1842 u. Florenz 1858,Spans, im Lrälskino arokroolo§roo 8aräc>. Schroot.

Sardinischc Mounrchic (Gesch.). Die S. M.oder das Königreich Sardinien war bis 1860dieBezcichnnng cinesnnterKöuigBictorAmadens I.(s. Savoyen, Gesch.) durch den Vertrag vom 24.Aug. 1720 ans der Insel Sardinien u. dem frühe-ren Herzogthum Savoyen (seit 1713 Königreich) zueinem Staatswcsen vereinigten Ländergebietes mitder Residenz Turin. Die S.M.nmsaßtc demnach außerder genannten Insel das Herzogthum Savoyen,das Fürstenthnm Piemont, die HerzogthümerMontfcrrat n. Aosta, die Grafschaft Nizza unddas Herzogthum Genna und war von Frankreich,derSchwcrz, demLombardisch-VenetianischenKönig-reich, den Herzogthümern resp.GroßherzogthümernParma, Modena n. Toscana und dem Mittelmeerbegrenzt, mit einem Flächeninhalt von 1377,Z, HWu. (1857) 5,167,542 Ew. Es bildet die vormaligeS. M. im jetzigen Italien, nachdem die Wiege Sa-voyen mit Nizza an Frankreich verhandelt worden,außer der Insel die Pro». Alessandria, Cnneo, Ge-nna, Novara, Turin n.den größten Thcil von Pavia.

König Victor Amadeus I. (II.), der unterallerdings schwerer Benachtheiligung des Adels 1724die Krone durch eine Reduction der Krondomänenbereicherte, die Volkswohlfahrt namentlich durchSorge für bessern Unterricht rc. hob, trat Sepibr.1730 die Regierung an seinen Sohn Karl Ema-nuel I. (III.) ab, endete aber, da er den Entschlußbereute u. sich 1731 wieder der Regierung bemäch-tigen wollte, als Staatsgefangener October 1732.Karl Emanuel I. (173073) erwarb als Bundes-genosse Frankreichs unb Spaniens gegen Österreichim Wiener Frieden, geschlossen 18. Nov. 1738, diemailandischen Provinzen Novara u. Tortona u. dieHerrschaften San Fidcle, Torre di Torti, Graveton. Campo maggiore. Im Österreichischen Erbfolge-krieg verbündete er sich durch den Wormser Vertragvom 17. Sept. 1743 mit England n. Österreich underhielt gegen Stellung von 45,000 Mann von Eng-land jährlich 200,000 Psd. Sterl. Snbsidien, vonÖsterreich aber das Versprechen auf die GrafschaftAnghiera mit Vigo Vanasco, einen Thcil des Für-steiuhums Pavia, die Herrschaft Bobbio n. Piaccuza.Der Aachener Friede 18. Öct. 1748 bestätigte diesenneuen von Österreich bewilligten Zuwachs, mit Aus-nahme des Antheils an Piacenza, für welchen S.mit einer Summe Geldes entschädigt wurde. 1754traten die Genfer an die S. M. ein Gebiet ab, umden Streit mit der sardinischen Krone wegen derLandeshoheit über Genf zu endigen. Die Zeit desFriedens benützte der König zur Ordnung des Reichesim Innern. Zur Hebung des Handels wurden Nizzau. Villafranca zu Freihäfen erklärt, Kanäle u. großeStraßen angelegt; 1770 gab er ein neues Gesetz-buch, das Lorpns 6arolinnm (revidirte Sammlungder früheren Gesetze für Civil- und Criminalrecht),besteuerte, seine Autorität dem Papste gegenüber be-hauptend, die Güter der Geistlichen, besetzte die geist-lichen Stellen im Lande selbst, unterwarf die päpst-lichen Bullen vor ihrer Veröffentlichung seiner Ge-nehmigung; ohne das Heer zu schwächen, erleichterteer Lurch kluge Sparsamkeit die Mililärlast u. sonstden Steuerdruck. Umer seinem, mit wenigen Herr-schertngenden ausgerüsteten Sohne Victor Ama-deus II. (III.), verlor das Heer seine moralischeStärke und die Finanzen verfielen. Als Schwieger-vater der Brüder des Königs Ludwig XVI. vonFrankreich, trat er in die Coalition gegen Frankreichn. schon im Oct. 1792 brach ein srauz. Heer in Sa-voyen u. Nizza ein: Savoyen n. Nizza wurden alszwei neue Departements der Französischen Republikeinverleibt. Der König schloß nun 25. April 1793einen Vertrag mit England, wonach er gegen jährlich200,000 Psd. Sterl. Snbsidien ein Heer von 50,000M. zu stellen hatte. Ungeachtet dieser Hilfsgclder u.obgleich der Papst die Einziehung einiger Klöster ge-stattete, wurde doch das Volk mit schweren Abgabenbelastet und daher die Unzufriedenheit allgemein.Wohl wichen 1793 die Franzosen zurück, aber 1794drangen sie in größerer Zahl wieder in Savoyenein. Der Kampf schwankte, bis 1796 Bonaparte denOberbefehl über das franz. Heer übernahm; nachdessen Siegen 12. u. 14. April bei Montenotte undMillesimo mußte Amadeus 28. April einen Waffen-stillstand schließen u. im Turnier Frieden 18. Mai1796 Savoyen, Nizza, Tenda u. Breglio an Frank-reich abtreten. Ans Kummer hierüber st. der König