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Sardinien.
dem Klima NAsrikas, das Bergland bis 500 m mitdem Klima des nördl.Mittelmeerbeckens n. die über500 gelegenen Regionen mit dem Klima Mitteleuro-pas , jede Zone mit der entsprechenden Fauna undFlora; etwa der 5. Thcil des Areals ist mit Waldbedeckt. Der Boden ist in den Niederungen äußerstfruchtbar; im Alterthum war S. eine der Kornkam-mern Roms, doch haben die über ein Jahrtausenddauernden Kämpfe um den Besitz der Insel (s. Ge-schichte) und der eine Reihe von Jahrhunderten aufdem Lande lastende feudale und hierarchische Druckeine arge Vernachlässigung der Bodencnitur herbei-geführt, und obwol in letzter Zeit, namentlich auchdurch Abschaffung der nachteiligen Agricnlturgesetze,viel für die Hebung derselben geschehen ist, liegennoch große Strecken des besten Bodens brach; indessenist der Ackerbau, dank der Eraibigkeit des Bodens,keineswegs bedeutungslos. Haupterwerbszweig istjedoch die Viehzucht, namentlich Schafzucht, die Zahlder Schafe wird auf stark 1 Will, geschätzt; außerdemgibt es an Hausthieren maulthierartige Pferde,Rindvieh von kleiner Rasse, Schweine (einhufig),Ziegen und Esel, letztere wegen ihrer Dienste beimGetreidemahlcn Molcnti genannt. In zweiter Liniesteht als Erwerbszweig der Bergbau, der jedoch zumgrößeren Theil in den Händen ausländischer Kapi-talisten liegt; bcs. findet sich Blei, dann auch Silber,Kupfer, Eisen, Mangan und von Fossilien Braun-kohlen. Nicht unbedeutend ist auch der Tabakbau,die Salzgewinnung, die Fischerei, der Weinbau (dasGewächs ähnelt dem spanischen) n. die Bienenzucht,doch liefern alle diese Zweige, mit Ausnahme desBergbaues u. der Salzgewinnung, nur wenig zumExport, der, Alles in Allem, 8 Mill. Lire kaum über-steigt. Der Mangel an Commnnicationcn im In-nern, der geringe Grad von Bedürfnissen der Ein-gebornen, deren niedere Bildungsstufe und auch einzur Trägheit neigender Charakterzng, läßt einstweilenkeine den Hilfsguellen der Insel auch nur im Ent-ferntesten entsprechende Haudelsthätigkcit aufkom«inen. Indessen sind auch hier schon bessere Verhält-nisse, bes. auch durch den seit 1871 begonnenen Banvon Eisenbahnen, deren (1878) 191 üm in Betriebstehen, und 150 im Ban begriffen sind, angebahnt.Von Industrie kann einstweilen noch kaum die Redesein und nur in einigen Städten werden einzelneZweige, wie Tabak-, Schnupftabak- und Cigarren-fabrikation, betrieben.
Die Sardinier oder Salden, ein im Lauf der Ge-schichte vielfach gemischtes Volk, scheinenderselbenVöl-kerfamilie anzugchören wie die Corsen, mit denen sieso viele Charaktercigenthümlichkeiten und Gewohn-heiten gemein haben. Vor Allem den kriegerisch-trotzigen Frciheitssinn, der sich ebenso wie der corsischeso glänzend in fortdauernden Freiheitskämpfen be-kundete u. wegen dessen sie schon im Altcrthum denRömern bekannt und verhaßt waren. Sie eignetensich daher auch, ebensowenig wie die Corsen, zumSklavendienst n. standen auf dem Markt niedrig imPreise, daher das römische Sprichwort: spottwol-feil wie ein Sarde. Ferner haben sie mit ihnen ge-meinsam den patriotischen und ritterlich-gastfreund-lichen Sinn, die Rachsucht mit der Gewohnheit derBlutrache, letztere ein ferneres Hinderniß zum Em-porkommen des Landes (dieZahl der Opfer soll jähr-lich an 1000 betragen). Wesentlich verschieden von
den Corfen sind sie indessen durch ihre Gemessenheitund einen specifisch-fchwermüthigen Charakterzng.Beides prägt sich ans sowvl in ihrer einförmigenTracht (vorwiegende Farben schwarz u. weiß), alsauch in ihrer Volkspoesic. Dazu kommt das Eigen-artige der vorhistorischenAltcrthümer der Insel, bes.die so häufig auftrctendcn Nnraghen (s. d.), die sichsonst nnr noch auf den Balearen finden, sowie dieals Ricscnbetten und Dolmen, obwol weit seltenervorkommenden rohen Steindcnkmälcr. Die Landes-sprache im Grundstock italienisch, zerfällt in drei, zumTheil stark von einander abweichende Dialekte, vondenen der von Logudoro am meisten alterthümlichesGepräge zeigt. Sehr traurig ist es ans S. um diegeistige Bildung bestellt. JmJahre 1872 waren von100 Personen 88 des Schreibens n. Lesens unkundig.Die beiden Universitäten (Cagliari n. Sassari) waren1876—77 nur von 124 Studenten besucht. Eintheil-nng in die Prov. Cagliari n. Sassari, in kirchlicherHinsicht in 3 Erzbisthümer und 11 Bisthümer. ZuS. gehören viele umliegende, meist kleineJnscln: imN.Asinara n. die Bncinarischen Inseln, im S.SanAntioco, S. Pietro rc.
Geschichtliches. Unter der im Alterthum wegenihrer Raubsncht verrufenen Bevölkerung wurden dreiStämme, die Jolaer, Corsen (aus Corsica einge-wandert) n. Balaren (worunter man die Abkömm-linge der karthagischen Söldner versteht) unterschie-den; später gehen ihre Namen in den gemeinschaft-lichen der Sarden ans. Von Culturvölkern scheinenzuerst Phöniker auf der Insel Niederlassungen ge-gründet zu haben; Spuren davon sind die zahlreichgefundenen bronzenen Götzenbilder und sonstige denCnltns betreffende Gegenstände von specifisch semiti-schenGcpräge. Die Phöniker wurden um 500V.Chr.von den Karthagern verdrängt u. diese verloren dieInsel 238 an die Römer, die sie mit Corsica in eineProvinz vereinigten. Die Römer beuteten dis Frucht-barkeit und den Metallreichthnm der Insel möglichstaus, wurden aber trotz verheerender Züge erst spätder wilden Gebirgsbevölkerung Herr (177 v. Chr.ließ der Consul Scmpronius Gracchus 70,000 alsSklaven verkaufen). In der späteren Zeit benutz-ten sie sie auch als Verbannnngsort und währendder Bürgerkriege war sie Gegenstand der Partei-kämpse. Im Jahre 458 n. Chr. bemächtigten sichdie Vandalen von Afrika aus dcrJnsel. Diesen ent-riß sie der oströmische Feldherr Marcellinus 533,worauf sie der Präfectnr Afrika zngefügt wurde.Die anfangs siegreichen Kämpfe mit den seit dem 8.Jahrh. die Insel angrcifenden Saracenen n. Mau-ren , sowie die Schwachheit der oström. Regierungbegünstigten das Emporkommen selbständiger Für-sten,diesich 820 unterdieLehnsherrlichkeitdes Fränki-schen Reiches begaben. Nachdem die SaracenenEnde des 9. Jahrh. sich dennoch der Insel bemäch-tigt hatten, predigte der Papst Johann XVIII. 1004einen Kreuzzug gegen sie u. es gelang den Pisaner»1007 dort festen Fuß zu fassen; aber erst mit Hilfeder durch Benedict VIII. aufgebotenen Genuesenkonnte um 1050 die Insel erobert werden. Die Pi-saner belehnten vier Edle unter dem Titel Richter(in Cagliari, Torre, Gallura und Arborea) mit derHerrschaft der Insel, welche bei ihrem Streben nachSelbständigkeit n. unterstützt von den Genuesen siebald zum Schauplatz blutiger Kämpfe machten. 1164