Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
669
Einzelbild herunterladen
 

Sanskrit.

669

über Poetik dcrKavjapraka^a des Mammata (Jena1875) und das Pra^astipraka^ika des Krishna Lala(Calcutta 1812). Die Anfänge der Philosophiegehen in ein sehr hohes Alterthnin zurück. Schonin der Riksanhita finden sich Hymnen, welche sich mitder Entstehung der Welt und ähnlichen Fragen be-schäftigen; »lehr noch tritt dies in den Brahmanasn. Aranjakas hervor, in denen einzelne Abtheilun-gen, die sog. Upanishaüs, vorzugsweise philoso-phischen Specnlationen gewidmet sind. Auch dieepische Poesie ist reich an größeren philosophischenAbschnitten, und einzelne derselben, wie die Bhaga-vadgita im Mahabharata, können geradezu als phi-losophische Lehrgedichte gelten. Über die Entwickel-ung der einzelnen philosophischen Systeme läßt sichbis jetzt noch wenig Bestimmtes sagen, da die Brah-manas u. Aranjakas, ans denen allein die Kennt-niß derselben geschöpft werden könnte, hierzu nochviel zu wenig bekannt sind. Die Sntras, in welchendie Systeme selbst uns vorliegen, sind von verhält-nißmäßig spätem Alter. Sechs Systeme sind es,welche im Lerlaufe der Zeit besondere Verbreitunggefunden haben. Das älteste ist die Sankhjalehredes Kapila, welche eine Urmaterie als Grund derWelt ansstcllt, ans der sich diese allmählich entwickelthabe. Eine weitere, mehr spiritualistische Entwickel-ung hat dieses System in der Jogalehre des Patau -dschali erhalten, die bes. anschaulich in der Bhagavad-giladargestellt wird. DiebeidenMimansa habenvor-zngsweise den Zweck, die in den Brahmanas ent-haltenen Lehren mit einander in Einklang zu brin-gen u. den wahren Sinn zu bestimmen, ».zwar hat diePurvamimansa des Dschainnni die Vorschriften überWerkthätigkeit, die Uttaramimansa des Badarajana(auch Vedanta genannt) die Lehren über das schaf-fende Princip zu ihrem Gegenstände. Das Vache-shikasystem des Kanada und das Njajasystem desGotama endlich gründen sich auf die Logik n. leitendie Entstehung der Welt ans Atomen her, welche sichdurch den Willen eines feststellenden Wesens ver-einigten. Bon den bis jetzt gedruckten philosophi-schen Schriften vertreten Las Sankhjasystem: dasSankhjapravatschana (mit dem Commentac desVidschnana Hrsg. Seramp. 1821 u. von Hall, Calc.1855 f.), die Sankhja-Karika des Jyvarakrishna(heransgeg. von Lassen, Bonn 1852, englisch vonEolebrooke, Land. 1837), die Tattvakaumndi desVaxaspatimchra (Calc. 1819); das Vedantasystem:die Vedanta-Sutra des Badarajana (mit dem Com-mentar des (lankara, Calc. 1818, franz. von Poley,1 Liefg., Paris, von Nöer, Calc. 1851), der Ve-dautasarades Sadananüa (Calc. 1829,1819,1850,mit deutscher Übersetzung von Frank, Münch. 1835,engl, von Röer, Calc. 1815), der Atmabodha (Calc.1819), die Jnauabodhini des (iankara (Ups. 1850,mit lateinischer Übersetzung von Windischmann, Bonn1833); das Njajasystem: der Bhashaparitjcheda mitdem Commentardes Viyvanatha(Calc. 1821,1827,1828, von Röer, ebd.), der Paribasha des Dharma-radschadhvarindra (ebd.1848)u. a. Vgl.Eolebrooke,0n Isis psiilosopsiz- ob bsis Hindus in seinen Lssaz-s,Lond. 1837; Frank, Vyasa, Münch. 1826,1 Bd.;M. Müller, Beiträge zur Kenntniß der indischenPhilosophie im 6. Bd. der Deutschen Morgenläud.Zeitschrift; vonBohlen, Das alteJndien, II. Th. 8 12,S. 303 ff. Ausgezeichnet sind die Leistungen der In-

der auf dem Gebiete der Mathematik n. Astro-nomie. Zwar läßt sich hier der Einfluß griechischerBildung nicht verkennen; doch ist die weitere Ent-wickelung dieser Wissenschaften den Indern ganzeigenthnmlich n. überragt die von den Griechen er-reichte Stufe bei Weitem. Unbestritten gehört denIndern das durch die Araber nach dem Occident ver-pflanzte, in der civilisirten Welt jetzt allgemein ge-bräuchliche Bezeichnnngssystem der Zahlen, sowiedie ebenfalls durch die Araber nach Europa gebrachteAlgebra. In der Astronomie zeichnen sich die Inderdurch genaue Beobachtung der Umlanfsperioden derErde n. des Mondes-, durch richtige Bestimmung desUmfanges der Erde rc. aus. Die ausgezeichnetstenMathematiker und Astronomen sind; Ärjabhata im3. Jahrh. n. Ehr., der eigentliche Begründer dieserWissenschaften; Varahamihira im 6. Jahrh., welcherauch der Astrologie Eingang in Indien verschaffte;Brahmagnpta im 7. Jahrh., der Verfasser des Brah-masiddhanta; Lata, wahrscheinlich der Verfasser desSurjasiddhanta, welches die Inder selbst jedoch demAsuramaja zuschreiben (heransgeg. von Hall, Calc.1859, englisch von Bnrgeß, 1858),n.Bhaskaratscharjaim 12. Jahrh., welcher ein Lehrbuch der Mathema-tik unter dem Titel Siddhantaxiromani verfaßte.Bon den einzelnen Theilen dieses Werkes handelndie Lilavati (Calc. 1832) über Arithmetik u. Geo-metrie, der Bidschaganita (heransgeg. Calc. 1831,vonMoore, ebend. 1815, englisch ebend. 1827) überAlgebra, der Goladhjaja (mit dem Commentar be-titelt Mitakshara heransgegeben von Wilkinson,Calc.1812) über Astronomie. Besondere Werke über dieNaturwissenschaften sind uns zwar nicht bekannt,Loch zeigen dahin einschlagende Bemerkungen in an-deren Schriften, daß die Inder sich auch in ihnen alssinnige u. scharfe Beobachter bewährt haben. Einesehr reiche Literatur hat dagegen die Mcdicin äns-znweisen, welche man bei den Indern ans einerhohen, ganz eigenthümlich entwickelten Stufe findet;Anatomie, Chirurgie, Therapie, Pharmakologie rc.sind der Gegenstand zahlreicher Darstellungen. Bes.geschickt waren die Inder in chirurgischen Operatio-nen; sie kannten das Staarstechen, die Rhinoplastik,Len Steinschnitt, den Kaiserschnitt rc., ja, selbst dieBlatternimpfung scheinen sie schon im Alterthumansgellbt zu haben. Das berühmteste medicinischeWerk ist das des Su^ruta (Calc. 1835, latein. vonHehler, Erlang. 1811), daraus: Altindische Geburts-hilfe von Vullers (in der Zeitschr. Janus von Hen-schel I, S. 225 ff.). Bergl. Wise, Oommonbarz- oktsio Hindu s^stsm ok msdioins, Calc. 1815. DieKriegskunst, die Musik und die bildendenKünste sind von den Indern ebenfalls wissenschaft-lich dehandelt worden, dock) ist von den dahin ein-schlagendcn Schriften noch keine herausgegeben. DieRechtswissenschaft wurde von den Indern schonfrüh mit Vorliebe gepflegt. Ihre Gesetzbücher (Dhar-ma^astra) unterscheiden sich dadurch von denen an-derer Völker, daß sie nicht nur das eigentliche Recht,sondern überhaupt die ganze Lebensordnnng berück-sichtigen n. demnach außer Vorschriften über Rechts-pflege auch solche über häusliche n. bürgerliche Pflich-ten n. über Reinigung n. Buße enthalten. Das ältesteGesetzbuch istdas desMann, dasManavadharma^a-stra (s. u. Mann); seine jetzige Gestalt erhielt es erstdurch mehrfache ümarbeitnngen. Außer diesem gibt es