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Sandwich-Inseln.
Sandwich-Jnseln(SandwichsArchipel, GruppeHawaii), Inselgruppe des nordöstlichen Polynesiens,u. 19. bis 23.° n.Br. u. 138 bis 143° w. Länge (vonFerro), besteht aus 11 Inseln (darunter 8 bewohnte),360 umfassend, welche sich in einer Reihe vonSO. nach NW. ausdehnen; Hawaii, die größteund östlichste, Mani, Kahulaui, Lanai, Molokai,Owahu (Oahu), Kauai, Niihan; im Ganzen 19,250festem. Die Inseln sind hoch, gebirgig u. durchausvulkanisch; der Manna Kea (4252 ni> u. Mauna loa(4194 m) gehören zu den größten thätigsten Vulka-nen der Erde; bemerkenswerth ist der KraterKilanea,dessen elliptisches Becken stets von siedender Lavamehr od. minder gefüllt ist (s. Hawaii); die Bewäs-serung ist reichlich (mehrere Heilquellen), das Klimawarm, auf den Gebirgen mild u. gemäßigt, der Bo-den sehr fruchtbar. Products: Zuckerrohr, Reis,Kaffe, Brodpalmen, Pisang, Arum, Dam, Wasser-melonen,Tanmelpfeffer,Papiermanlbeerbaum,Kür-bisse mehrerer Art u. viele heilsame u. seltene Pflan-zen; die Hansthiere, vor der Ankunft der Europäergänzlich unbekannt (einheimisch sind nur eine Fle-Lermausart, das zahme Schwein n. der Hund), ge-deihen vortrefflich; Papageien-, Raben-, Drosseln-,Würger- und Finkenarten, mehrere Colibris, vieleSeevögel kommen in Menge vor. Salz wird ausder See gewonnen. Die Bevölkerung ist sehr im Ab-nehmen; zur Zeit der Entdeckung durch Cook (1778)wurde die Bevölkerung auf 400,000 geschätzt; 1832betrug sie noch 130,313 1872 nur noch 56,897 Ew.Die Eingeborenen (Kanälen, 49,044 an der Zahl)gehören dem hellfarbigen Stamme der Südsee-Jn-julaner an, sind nicht groß, von einnehmender Ge-sichtsbildung; das Haar ist schwarz, nicht kraus, Haut-farbe nußbraun; sie zeichnen sich jetzt durch Fleiß u.Kunstgeschicklichkeit vor allen Insulanern Australiensaus, betreiben Plantagen-, Ackerbau u. Landwirth-schast, verstehen die Fischerei sehr gut, verfertigenkunstreiche Zeuge aus dem Bast verschiedener Bäume,feste Kähne. Ihre ursprünglichen Waffen (Spieße,Schleudern, Bogen u. Pseile) haben sie mit Feuer-gewehren vertauscht. Kleidung: ein um die Hüftengewundenes Tuch aus Fasern des Papiermaulbeer-baums , bei Festen noch ein Mantel aus Bast, aucheine aus Federn zusammengebundene Mutze; dasweibliche Geschlecht trägt Hemden. Der Putz bestehtin Schuüren von Muscheln, Knochen, Zähnen undFedern, womit sie ihre Mäntel bei festlichen Tagenbesetzen, bei Frauen in Halsbändern rc. Die Wohn-ungen haben Wände aus Flechtwerk von Rohr undBlättern, das Dach geht spitzig zu, die Hütte ist rund,sie stehen in Gassen, sind aber unreinlich u. voll Un-geziefer. Neuerer Zeit haben sich die Gebäude nacheuropäischer Art vermehrt n. die Vornehmen habensteinerne Häuser. Man baut neben den heimischenPflanzen hauptsächlich Zuckerrohr, dann auch Reis,Getreide u. Gartenfrüchte und bereitet die Speisenmehr aus europäische Art; Tabak wird stark geraucht.Tanz u. Spiel wissen sie mit Geschicklichkeit auszu«führen. Die Religion dieser Insulaner war früherpolytheistisch; die Abbilder der Dämonen schrecken-erregend. Der Oberpriester war der Priester desKriegsgottes, welcher an Ansehen nächst dem Königestand u. auch auf denselben großen Einfluß übte; auchdieübrige Priesterschast hatte bedeutende Macht. Seitdem Jahre 1820 besteht eine evangelische Mission
hier, durch welche die Lebensart, Sitte u. Religioneine durchgreifende Veränderung erlitten hat. DerKönig hat den christlichen Glauben angenommen, dieMorais zerstört, Menschenopfer u. Kindermorde ab-geschafft, Kirchen u. Schulen und eine Buchdruckereierrichtet. Die S.-J. bilden jetzt ein Königreich, zuwelchem noch mehrere nahe gelegene, kleine, meistunbewohnte, wegen des Guanos aber wichtige In-seln gehören. Die sehr freisinnige Verfassung datirtvon 1852; an der Spitze des Staates steht der Kö-nig, gegenwärtig Kamehameha VI., ans jeder Inselist ein Gouverneur mit ziemlich ausgedehnter Machtund der Pflicht, für die Vertheidigung der Insel zusorgen; sie sind Ehrenmitglieder des königl. Privat-rathes. Der König hat zur Ausübung der Regier-ungsgeschäfte ein Ministerium (Ministerium des In-nern, des Auswärtigen, der Finanzen, des Culmsu. des Unterrichts u. der Justiz). Der Premier, zu-gleich Minister des Innern, ist der Erste des Reichesnach dem König. Das Parlament besteht aus einemHause der Edelu und einem der Repräsentanten.Staatsreligion ist die christlich-protestantische, anderechristliche Culten werden geduldet, das Heidenthumist verboten. Dankfeste, sowie Fast- u. Bettage fürbesondere Fälle schreibt der König ans. Für den Un-terricht ist umfassend gesorgt; es gibt Schulen fürdie Kinder der kgl. Familie u. der Abkömmlinge derfrüheren Häuptlinge, andere für die Kinder der höhe-ren Stände, beide werden von der Regierung unter-halten und die Schüler derselben tragen Uniform; dieElementarschulen werden von den Gemeinden unter-halten, die Lehrer werden von den Superintenden-ten angestellt; unter deren Aufsicht stehen auch diegeduldeten Privatschulen. Das Rechtsweseu wirdvon besonderen Justizbeamten besorgt, die vornehm-sten derselben sind der Attorney General, der Mar-schall u. die Sheriffs. Das Strafgesetzbuch ist von1850. Die Finanzen wiesen für die Periode 1874bis 1876 Einnahme von 10081S1
eine Ausgabe
also einen üeberschuh von 88884 Doll,auf. Das Bürgermilitär besteht aus Constablern(ca. 400), die unter den Sheriffs stehen. Das steh-ende Heer umfaßt 75 Mann, doch ist jeder Unter-than vom 16.—40. Lebensjahre militärpflichtig u.muß aufgefordert sich stellen. Der Handel auf denInseln ist blühend, wird durch die günstige Lage aufdem Wege von San Francisco nach Japan, China,Australien sehr gefördert; namentlich stationiren inHonolulu stets zahlreiche Walfischsahrer; der Werthder Einfuhr betrug 1875 1,682,000, derjenige derAusfuhr 2,090,000 Doll. Der bei Weitem überwie-gende Ausfuhrartikel ist Zucker, dessen Anbau vonJahr zu Jahr steigt. Im August 1878 wurde dieerste Eisenbahn in Betrieb gesetzt, eine zweite Linieist vermessen.
Nach einer einheimischen Sage war Wadea, derSohn des ersten Menschenpaares, der Stammvaterder Hawaiianer; seine Kinder herrschten als Fürstenüber die einzelnen Inseln, unabhängig von einanderu. unumschränkt. Der König mit seiner Familie u.seinen Räthen machte den ersten Stand der Bewoh-nerschaft aus; den zweiten die Statthalter der Di-stricte; den dritten die Priester, Häuptlinge der Ort-schaften u. Grundbesitzer; den vierten das besitzlosedienende Volk (Kanaken). Der zweite u. dritte Stand