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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Sand.

gebracht. Vor dem Gericht bereute er seine That kei-neswegs, gestand zu, sie während 6 Monaten über-legt zu haben, läuguete aber fortwährend, daß erMitwisser derselben habe; er wurde 5. Mai 1820von dem Hofgericht zu Mannheim zum Tode ver-nrtheilt u. 20. Mai mit dem Schwerte in Mannheimhingerichtet. Vgl. Übersicht der gegen S. geführtenUntersuchung, Stuttg.1820; Actenauszllge ausdemUntersuchungsproceß über S., Lpz. 1821; Noch achtBeiträge zur Geschichte Kotzebnes und S-s, cbend.1821; K. L. S., dargcstellt durch seine Tagebücheru. Briefe von einigen seiner Freunde, Altenb. 1821.Infolge dieser Mordthat erhielt de Wette 1819 seineEntlassung als Professor in Berlin, weil man inseinem Trostschreiben an S-s Mutter eine Entschul-digung der That finden wollte, sowie die deutschenUniversitäten aus Anregen der BundesversammlunginFrankfurtstreng überwacht wurden. 3 ) George,Pseudonym der Amantine Aurore Dudevant,berühmte franz. Dichterin, die genialste u. hervor-ragendste aller weiblichen Schriftsteller, geb. 5. Juli1804 in Paris, indirect von königl. Blute abstam-mend, da ihr Vater der Sohn einer natürlichen Toch-ter des Marschalls Moritz von Sachsen und dieserwieder ein natürlicher Sohn des Königs August desStarken war. Ihre Mutter, eine Pariserin aus denniederen Ständen, lebte mit ihrer Großmutter, eineraristokratisch gebildeten Dame, in fortwährendemUn-frieden, ein Verhältniß, welches bei dem frühen Todedes Vaters die Jugend des äußerst empfänglichenKindes in nachhaltigster Weise trübte. 181720verbrachte sie in einem Kloster der Augustinerinnenin Paris. Nach ihrer Heimkehr warf sie sich miteinem durch innere Qual verschärften Wissensdurstaus das Studium der Literatur und Philosophie.Rousseau wurde ihr Lieblingsschriftsteller u. gab dieEntscheidung für ihre ganze Geistesrichtung. 1822heirathete sie einen Offizier, Baron Casimir Dude-vant (geb. 1795, gest. 8. März 1871 in Barleste beiNerac) und lebte mit ihm auf ihrem Gute Nohant.Die Frucht dieser Ehe waren ein Sohn, Maurice(s. u.) u. eine Tochter, die den Bildhauer Clefingerheirathete. Aber bei der exceutrischen Natur, demüberspannten Wesen u. der weit überlegenen geisti-gen Begabung Auroreus gestaltete sich dies ehelicheVerhältniß von Jahr zu Jahr mißlicher. Mit demPlan, durch Schriftstellerei ein ungebundeneres Lebenzu erringen, ging sie 1831 in gutein Einvernehmenmit Dudevant, ihre Tochter mit sich nehmend, nachParis. Dort suchte sie, um das Leben um so unge-nirter u. leichter studiren zu können, in Männerklei-dern die Öffentlichkeit u. knüpfte zahlreiche Bekannt-schaften in literarischen Kreisen an, u. A. mit JulesSandeau, den sie veranlaßte, ihren Roman Ross stLianeüsüberzuarbeitenu.heranszngeben. Derselbeerschien 1832 in 5 Bdn. unter dem Namen JulesS. Bei ihren späteren Arbeiten vertauschte sie Ju-les durch George, behielt aber jeneu Bestandtheildes Namens Sandeau als Pseudonym bei. ImVerkehr mit den angesehensten Schriftstellern, na-mentlich unter dem Einfluß Balzacs u. G.Planches,welcher ihr die Spalten der Nevuo riss cksux ülon-äos öffnete, entwickelte sich ihr Talent rasch zu stau-nenswerther Höhe. Auf einer Reise nach Italien1833 lernte sie Beyle kennen u. in Venedig Alfredde Muffet (s. d.), dem sie sich aufs Engste anschloß,

ein Verhältniß, welches jedoch in gereizter Feindschaftu. mit grellen Mißtönen seinen Ausgang nahm. Inihrer Lebensanschanung hatte sie sich schon gleich zuAnfang den destrnctiven Tendenzen genähert, welchevon den damaligen Socialisten zur Vernichtung her-gebrachter Formen und Einrichtungen mit Erfolgverbreitet wurden. Indessen blieb ihr Socialismusdurchaus frei von Plumpheit u. Rohheit; er zeigt sichvielmehr überall durchdrungen von der edelsten Be-geisterung. Nachdem sie sich mit ihrem ersten selb-ständigen Roman Inciinng, (1832, 2 Bde.) in durch-schlagendster Weise Bahn gebrochen, schritt sie ausder Bahn des Erfolges unaufhaltsam vorwärts, ob-wol(n. vielleicht auch weil) ihre Romane oft Dingeverherrlichten, welche mit dem Hergebrachten imgrellsten Widerspruch standen u. nicht frei waren anphilosophischen Abirrungen u. phantastischenJdeen.Ueberall aber zeigt sie sich (was in Frankreich eineSeltenheit) von wahrhaft dichterischem Geist durch-drungen u. es ist, wenn auch nicht unbestritten, an-erkannt, daß sie in dieser Hinsicht, ebenso, was Kraft,Lebendigkeit, Frische und harmonische Durchbildungdes Stils betrifft, mit in erster Linie steht. Da sieauch m ihrer Lebensart die Grundsätze der Emanci-pation beobachtete, so gerietst sie zu ihrem Gemahlineine immer schiefere Stellung, zumal derselbe siedurch falsche Spccnlatiouen um einen großen Theilihres Vermögens gebracht hatte. Sie machte des-halb 1835 gegen rhu einen Scheidungsproceß an-hängig, gewann denselben 1836 und lebte nun ab-wechselnd in Nohant u. in Paris, wo sie mit FranzLiszt, Madame Dorval, Lamennais u. a. hervorra-genden Persönlichkeiten der Künstler- u. Schriftstel-lerwelt verkehrte. In ein intimes Verhältniß tratsie 1837 zu Chopin, mit welchem sie nach Majorcareiste u. später in Paris u. Nohant zusammenlebte.Dies Verhältniß löste sich 1847 infolge eines Zwisteszwischen ihm u. ihrem Sohne. Den 1848er Ereig-nissen folgte sie mit Begeisterung u. aus ihrer Federflossenmehrereder leidenschaftlichen Manifeste, welchevon der revolutionären Regierung in der ersten Zeitder Republik ausgingen. Selbst bis in ihr höchstesAlter bekundete sie ihr lebhaftes, wenn auch nichtimmer glücklich angewandtes Interesse an den Zeit-fragen u. den politischen Verhältnissen. Am glän-zendsten offenbart sich ihre poetische Begabung inden kleinen Erzählungen, welche, freier von tenden-ziöser Beimischung, sich strenger an die Wiedergabedes wirklichen Lebens, namentlich der ländlichen Be-völkerung halten. Diese fallen in die spätere Zeitihrer schriftstellerischen Thätigkeit. Hier liegt auchzum Theil ihr größtes Verdienst, indem sie erfolg-reich die Kluft ausfiillen half, welche sich zwischen derLiteratur u. dem Volksleben geöffnet. Ihr erhaben-stesVerdienst findet aber ein großer Theil ihrerVer«ehrer in jener mannhaften u. hochherzigen Vertret-ung der höchsten u. edelsten Interessen des Menschen-geschlechtes, welche sich wie ein flammender Glnth-strom durch ihre ganze geistige Thätigkeit hinzieht.Mit ihren dramatischen Versuchen war sie wenigerglücklich, nur ihr Marquis de Villemer hatte durch-schlagenden Erfolg (1864). Fast alle ihre Schriftensind mehrfach ins Deutsche u. a. Sprachen übersetzt;sie schr.: Romane: Valentins, 1832, 2 Bde.; I-süa,1833, 2 Bde.; Iw ssorstairs intime, 1833, 2 Bde.;laegnss, 1834, 2 Bde.; Iwonelwoni, 1835; Lnärö,