Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
634
Einzelbild herunterladen
 

634

"Salzgewinnung.

Soole in ein hohes Gebäude, nahe beim Wasserradeu. vertheilt sie aus dem aus dem Gradirhanse ange-brachten Sammelkasten durch eiu System von Rin-nen u. Träufelröhrcn mit Hähnen über die ganzenGradirwände. Bei starkem Winde öffnet man dieHähne nur ans der Seite, von welcher der Windkommt; dasDrehen od.ÖffnenderHähne wird durchdie Geschwindstellung vd. Windhahiistellung erleich-tert, indem eine Dachmühle die nöthigen Hähne öff-net u. die übrigen verschließt. Jede Dornwand stehtin einem großen Behälter (Sumpf, Dornkasten),welcher bei der oberen Wand als Dachwasserleitnngder unteren Wände dient. Aus dem Sumpf der nn-teren Wände wird die Soole, wenn sie stark genugist, in die Pfannen geleitet; ist sie nicht stark genug,so wird sie ans einen niedriger stehenden Gradirbangeleitet, oder durch Pumpen wieder ans die obereWand gehoben. Bei dem Herabtropfen der Soole(Gradirfall) führt der Wind einen kleinen Theil der-selben fort. Die in der Soole enthaltenen erdigenTheile, größtentheils Gips, kohlensaurer Kalk, Talk-crde, Eisenoxyd, wornnteranch ctwasKochsalzbleibt,bilden einen Überzug an den Dornen, welcher in 3bis 6 Jahren 4—8 mm dick wird. Ist auf die eineod. die andere Weise die Soole genügend concentrirtworden, so erfolgt das Bersieden derselben.Dies geschah in den ältesten Zeiten in kesselartigcnGefäßen, jetzt in Sicdepfannen, die 10 m lang und0,o m tief sind, ans Eisenblechplatten bestehen undthcils auf gemauerten Pfeilern, theils aus Mauernruhen. Sie stehen in demPfannenhanse u. wer-den von unten geheizt. Die Heizkanäle sind so an-gelegt, daß die Fenergase gezwungen sind, mehrfachunter der Pfanne hin- u. herzngehen, ehe sie in dieEsse gelangen. Ein hölzerner Brodempfang(Dampfklappe) mit einer 2—3 m hohen u. 1—2 mweiten Esse, welcher überder Siedepfanne angebrachtist, beschleunigt das Eindampfen durch Hinwegführender sich entwickelnden Wasscrdämpfe. Die in dieSiedcpfanne geleitete Soole enthält 18—26"/o Salz.Die Pfannen werden damit bis zu 0,g m Höhe ge-füllt. Bei dem Sieden, welches mehrere Wochenununterbrochen fortdauert, scheidet sich Gips undGlaubersalz, sowie eine MengeSchanm ab, der miteiner Krücke heransgeschafft wird. Sobald sich eineSalzhaut zu bilden beginnt, hat das Salz die Gareerreicht, und es beginnt nunmehr das Soggen(Soogen, auch Sachen) des Salzes. Die Tempera-tur wird hierbei möglichst konstant auf 50° erhalten.Die erste Salzhant fällt bald zu Boden und machteiner neuen Platz rc. Sobald die Hantbildung nurnoch schwach anstritt, nimmt man das gesoggte Salzmit Schaufeln heraus (wirkt es ans), bringt es inkonisch gestaltete Körbe ans Wcidengeflecht (Salz-körbe) u. läßt sie auf einem am Brodempfang ange-brachten Gerüste abtropfen. Sobald nichts mehrabläust, transportirt man dasSalzindieTrocken-kammer (Darrstube), welche sich auf dem Boden-raum des Siedehanses befindet. Bei gutem Wetterwird das Salz auch wol auf die Salzstätte, eineErhöhung von Erde, in Körbe gestellt und dort ge-trocknet. Das getrocknete Salz wirb in Fässer oderTsnnen verpackt und im Salzmagazin aufbewahrr.In neuerer Zeit findet das Trocknen des Salzes, soin Schönebeck, in einem cigenthümlich construirtenApparate statt, bei welchem das ausderSiedepfanne

herausgezogene Salz nach n. nach ans eine Anzahlüber einander stehender, an einer Achse angebrachterTrommeln fallt, die im Innern durch heiße Wasser-dämpfe erwärmt sind. Es gelingt mit Hilfe desselbenbed.größereQnantitätenSalz in kürzererZcit zu trock-nen, als dies nach dem alten Verfahren möglich war.

14. Die Gewinnung aus Mecrwasser. Siefindet statt a) in Salzgärten. Diese werden in fla-chen, am Meeresnfec gelegenen, gegen die Flnth ge-schützten Gegenden angelegt n. sind in Frankreich u.Spanien, sowie in Italien, in Istrien ».Dalmatienin Betrieb. Sie bestehen aus mehrere«, im Niveauunter einander liegenden Beeten, welche von einemgrößeren Reservoir (einem den Salzgarten von au-ßen umgebenden Graben) umgeben sind. Der Bo-den der Beete ist nivellirt u. besteht aus zubereitetem,gestampften Thon. Die Beets sind durch kleineDämme mit den nöthigen Einlaßöffnungen von ein-ander geschieden. Nachdem im Frühjahr alle Theiledes Salzgartens gereinigt, geebnet, gewalzt, die Ab-theilungsdämme gut hergestellt u. das Ganze gehöriggetrocknet worden ist, fängt die Salzerzeugnng mitdem Einlassen des frischen Meerwassers durch die 2bis 3 in breite Answerksschlense in den Vorraths-graben an. Hat sich dieses Wasser nach einigen Ta-gen erwärmt, so wird es in das erste Beet mit derWnrsschaufel zu einer Höhe von 10 ein eingeworfen.Hier bleibt es 1—3 Tage der Sonne u. den Windenansgesetzt, bis es durch Öffnung der kleinen Schleu-sen des Abtheilnngsdammes in Las zweite Beet, iudie zweite Abdünstnngstafel 8 orn hoch, von dieserin die dritte Tafel 8 em hoch, in die vierte nur2,z ein u. die fünfte nur mit 1 ,o 0 in, in welcher letz-teren die Soole schon vollkommen gesättigt ist, abge-lassen wird. Auf der sechsten u. letzten Tafel bleibtdiese gesättigte Soole selten über 4 Tag stehen, ohnein Krystallen anznschießen. Hierauf ziehen die Ar-beiter das niedergeschlagene Salz mit hölzernenKrücken an die Ränder der Beete u. sammeln es inHaufen. Das auf diese Art gewonnene Seesalz istum so weißer, jeweniger esvondemThone, welcherdie Soole der Salzgärten ansmacht, verunreinigt ist,meist aber doch grau. Um das so erhaltene Salz vonden zerfließlichsn Salzen, welche es noch enthält, zureinigen, läßt man es, mit einer Strohhaube gedeckt,einige Monate im Freien stehen, wobei jene Salztzerfließen n. ablausen. Die Mutterlauge, welche iuden Salzgärten zurückbleibt, wird auf Glaubersalz,Bittersalz».Chlorkalium verarbeitet; d) mitHilsevon Frost. Dieser Methode liegt das Verhalteneiner Kochsalzlösung zu Grunde, sich bei einer einigeGrade unter 0° liegenden Temperatur in Wasser u,eine reichhaltigere Soole zu scheiden. Durch Ent-fernen des Eises u. Wiederholen des Processes ge-lingt es, sehr concentrirte Laugen zu erhalten, dienur wenig eingedampft zu werden brauchen, umKochsalzkrystalle zu erzielen. Vor dem Eindampsenreinigt man die Soole durch einen Kalkzusatz, wel-cher die Magncsiumsalze zersetzt; c) mit Hilfevon Brennmaterialien. Diese Methode, derenman sich in der Normandie bedient, wird in derWeise gehandhabt, daß man den an der Meeresküstebefindlichen, salzreichcn Sand mit Seewasser sättigt,das erhaltene salzreichere Wasser vom spec. Gewicht1,ii—1„7 >n flachen, viereckigen Blcipfanuen eüi-dampst, oft abschäumt ».so lange von Neuem frisches