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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
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633
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Salzfluß — Salzgewinnung. 633

Salzflnß, volksthümlichc Bezeichnung für einennässenden, mit mehr od. weniger tiefer, die Haut mLas Unterhautzellgewebe zerstörender Verschwärungund starkem Jucken verbundenen Hautausschlag aneinem od. an beiden Unterschenkeln älterer Personen.Eine Heilung ist meist sehr schwierig, so daß dasÜbel meist das ganze künftige Leben getragen wird;erfolgt sie, so bildet sich ein dünnes, glänzendesHäutchen über dem Geschwüre, welches bei der ge-ringsten Gelegenheit wieder in ein Geschwür über-geht. Die Ursachen liegen bes. in Blutstauungen inden Unterschenkeln infolge von Leberkrankheiten oder(durch Fettentartnng oder andere Verhältnisse) ge-schwächter Herzkraft. Eine Heilung wird vielfachgefürchtet, weil man die Entstehung schwerer, tödt-licher innercrKrankheit, od. selbst schnellen Tod nachderselben angeblich beobachtet hat. Die letztere Be-hauptung beruht jedoch ans einer falschen Erklärungeiner Thatsache; nicht die Heilung des Unterschenkel-gcschwüres hat schnellen Tod oder innere Krankheitzur Folge, sondern das Geschwür ist geheilt, weilCongestionen nach inneren Organen oder allgemei-ner Sästemangel, je nachdem es sich um eine innereEntzündung oder Tod durch Erschöpfung handelt,einen vermehrten Sästezuflnß nach den Unterschen-keln aufhob. Es werden nimmer Versuche, durchsorgsältige Entwicklungen der Unterschenkel mit wol-lener Binde, durch erhöhte Lagerung u. Ruhe derUnterschenkel u. durch geeignete Salben u. Arznei-lösungen das Geschwür zur Vernarbung zu bringen,das Leben gefährden, wenn zugleich dafür gesorgtwird, daß statt der seit Langem gewohnten wässerigenAusscheidung am Unterschenkel vermehrte Ausscheid-ungen durch den Darm, d. h. vermehrte Stuhlgängeerfolgen. Nach Heilung des Fußgeschwllres verhütetein Gummistrnmpf am besten — doch keineswegssicher — den Wiederausbrnch des Geschwürs. Kunze.

Salzgärten, s. u. Salzgewinnung.

Salzgewinnung. Kochsalz wird bereitet I. ausSalzsoolen, II. aus Meerwasser und demWasser der Salzseen, welche im Grunde ge-nommen nur Salzsoolen sind, u. III. aus Stein-salz. I. Die Gewinnung aus Salzsoolen.Salzsoolen finden sich in der Natur in den Salz-quellen, welche nur selten frei zu Tage ausfließen(sogen, streichende Quellen), häufiger aus der Erdeu. dem Gestein sickern (Schwitzquellen), od. aus derTiefe aufsteigen (senkrechte oder Stoßquellcn). SieVerratheu sich dadurch, daß das im Sommer sichin Lachen ansainmelnde und verdunstende Wassereinen salzigen Geschmack annimmt, sich die darin lie-genden Theile der Erde mit einem weißen, glänzen-den Überzug von salzigem Geschmack überziehen, daßsich an solchen Stellen bes. folgende Pflanzen ein-finden: Lalsoia irrrli, Irmons stz'Zins, ^.stsr brixo-iimn, ^Iriplex llasbaba, Ollsnopockium maribimum,LIrsrwpoäium Alauoura, Eooirloaria oküoinalis,Klaux maritima, klantaZo maritima, kiantaAo«oronopus, Rnppia maritima, Laiioornia llsrba-oea, Leirpns maritimem, Orambs maritima, Arte-misia maritima, daß der Boden ziemlich unfrucht-bar ist, daß das Wasser im Winter schwer gefriert,u. daß Kalk, Gips, rother Sandstein u. Steinkohlenin der Nähe lagern, in welchen Gesteinen sich Stein-salzlager mit Thon, Gips n. Sandstein verwachsenVorsingen. Die Salzquellen werden in sogen. Salz-

brunnen gefaßt, deren Weite sich nach der Mäch-tigkeit der Quelle selbst richtet. Bei Schwitzquellengibt man denselben etwa einen Durchmesser von 5bis 6 m. Oft legt man Nebenbrunnen an u. leitetdie Soole ans riesen nach einem Hauptbrunnen.Bei wildem Wasser, d. h. bei Wasser, welches keinSalz gelöst enthält, stößt mau hinter der äußerenSeite der Bruunenmaucr fetten Lehm ov.Thon ein(Damm), hinter welchem man denselben meist durchBretter vorVorfall erhält (Dammblendung). Quilltdas wilde Wasser zu stark, so wird es durch besondereSchachte mit Pumpwerken oder durch Stollen ent-fernt. Znm Schutz der Quelle errichtet man überderselben ein Brunnenhaus, welches auch die zumHeben der Soole ans dem Brunnen und auf dieGradirwcrke nöthigen Dampfmaschinen enthält, anderen Stelle man auch eine etwa in der Nähe be-findliche Wasserkraft benutzen kann. Da die meistennatürlichen Soolen, wozu auch das Mcerwasscr zurechnen ist, zu arm sind, um sofort verjotien werdenzu können, so ist es nothwendig, die Soole zuvoranznreichern. Dies geschieht entweder dadurch, a)daß man in derselben Steinsalz löst, welches, wieunter HI. bemerkt, der Verunreinigung wegen imnatürlichen Zustande als Kochsalz oft nicht verwend-bar ist, oder d) durch das sog. Gradiren, welchesin der Anreicherung der Soole durch Verminderungdes Wassergehaltes besteht. Die Gradirung der Sooleist entweder a) Sonnen-, I>) Tafel-, e) Dach-oder Pritschen-und ck) Tröpfelgradirung.a) Die Sonnengradirung wird beider Darstell-ung des Kochsalzes aus Meerwasser benützt, wo-bei, wie unter II. angegeben ist, verfahren wird.Sonnensalz ist Salz, welches man dadurch er-hält, daß man die Gradirung des Meerwassersbis zur vollkommenen Ausscheidung fortsetzt, b) Beider Tafelgradirung, von der ma» in Reichen-hall theilweise Gebrauch macht, wird in der Weiseverfahren, daß man die zu gradirende Soole ausstaffelsörmig unter einander gestellten Reihen vonKasten herabflicßen läßt, wobei Luft u. Sonne dieConcentration der Soole herbciführcn. o) Bei derDach- od. Pritschengradirnug werden die Dächerder Soolenbehälter nebenbei dazu verwendet, die inein Reservoir zu transportirende Soole über dasDachhinweglangsamniederfließenznlassen. ä) Beider Tröpfelgradirung endlich,derwichligstenvonallen, fällt die Soole tropfenweise von einer gewissenHöhe über Dorubündel herab, wobei durch die hiu-durchströmeudeLuft eineBerdnnstungderSoole her-beigeführt wird. Man führt dieselbe in Gradirhäu-fern od. Leckwerken aus, welche Wände (Dormvand,Gradirwand) von 33—66mLänge, 10—13 mHöhen. 2—3 m Breite bilden und deren ansrechtstehendeSäulen durch Strebebänder, Querlatten (Dornlat-ten) und durch schräge Spannriegel (Kropsstreben)verbunden sind. Die durch die Balken entstehendenFächer werden mit Schichten (Dornlager) vonSchwarz- u. Weißdorn (Dorn- oder Gradirbunden)angesllllt. Gewöhnlich sind drei Gradirwänve so ver-einigt, daß unten zwei Wände neben einander gestelltwerden u. die dritte oben ans beiden steht (Gradir-ban). Durch Pumpwerke (Gradirmaschinen, Aus-gießunggetriebe, Ausgießungmaschinen, Aufförder-ung) wird die Soole aus die obere Seite der Gra-dirwand gehoben. Bisweilen hebt mau auch die