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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Sachsen

feuerte auf die Masse u. es fielen mehrere Todte u.Verwundete. Das zur Herstellung der Ordnunganrückeude Bataillon der Biirgerwehr gerieth selbstin das Feuer des Militärs; dadurch steigerte sich dieErbitterung. Doch wurde auch ein zweiter Sturmdes Volkes von den Truppen abgeschlagen. Als ge-gen 6 Uhr wiederholt an den König wegen Gewähr-ung abgesendete Deputationen mit abschlägiger Ant-wort znrückkehrtcn, war die Stadt bereits allenthal-ben mit Barrikaden bedeckt u. das Volk bewaffnet.Die oberste Leitung des Aufstandes hatte seit demNachmittag der Sicherhcitsausschuß, Tzschirner auder Spitze, an sich gerissen, Heiuze war zum Ober-befehlshaber der Communalgarde mit unumschränk-ter Vollmacht gewählt. Signale u. Boten gingen indas Land, um Zuzug auszubicten; auch die von derRegierung herbeigerufcuen Trnppcntheile, sowie dieregnirirle prenß. Hilfe waren noch nicht eingetroffen.Am 4. Mai früh begab sich der König mit seinerFamilie u. sännntlichcn Ministern nach der FestungKönigstcin. Der Gouverneur von Dresden aberschloß mit den Aufständischen, welche im Besitze derAltstadt mit Ausnahme des Schlosses n. des Zeug-hauses waren, zur Rettung des letzter» einen Waffen-stillstand. Da nun auch bekannt wurde, daß derKönig n. die Minister sich entfernt, ließ der Sicher-heitsausschnß durch ehemalige Kammermitgliedereine provisorische Regierung, bestehend ans Heubner,Todt n. Tzschirner, erwählen; die L>eele des Auf-standes würbe aber seit dein 5. Mai Bakunin anTodts Stelle. Versuche, das Militär für den nuneinen rcpnblikanisch-socialistischen Charakter anneh-menden u. wie ans dem Barrikadenbau ersichtlich,nach bestimmten Plane vorbereiteten Aufstand zugewinnen, hatten keinen Erfolg, auch der Bürger-stand u. herbeigekommene Bürgerwehren zogen sichangesichts des Standes der Dinge bereits zurück.Am 5. Mai wurde schon in der Frühe von den Auf-ständischen das Feuer gegen das königl. Schloß wie-der eröffnet. Die schon 4.Mai abends znrückgekehr-ten Minister von Beust u. Rabenhorst veröffentlich-ten eine versöhnliche Ansprache des Königs und eineandere in ihrem eigenen Namen, um das Fortbeste-hen der königl. Regierung ausdrücklich zu erklären,sie ließen sich selbst ans eine Friedensverhandlungmit dem Magistrate ein, welche aber kein Resultatlieferte. Um 10 Uhr Vormittags begannen die nun4000 Mann zählenden Truppen unter Geuerallieu-tenant von Schircding denAngriff gegen die Altstadt,u. am Abend rückte das erste Bataillon der prenß.Hilfstrnppen ein, ohne daß jedoch an diesem Tageein Erfolg erzielt wurde. Am Morgen des 6. Maisetzten die Aufständischen das alte Opernhaus inBrand, welcher sich auch einem Theile der Zwinger-gebäude mittheilte u. die kostbaren Natnraliensamm-lungen vernichtete. Der nun auf beiden Seiten andiesem n. den beiden folgenden Tagen, an welchennoch zwei Bataillone Preußen einrückten, um dieBarrikaden geführte Kampf erreichte 9. mit einerNiederlage der Aufständischen sein Ende, nachdemTags zuvor schon Dresden u. 3 Meilen im Umkreisdurch das Ministerium in Belagerungszustand er-klärt war. Zuerst verließ die provisorische RegierungDresden, dann begann seit 8 Uhr der Abzug derAufständischen, welche nach allen Seiten hin zerstreutu. verfolgt wurden. Tzschirner entfloh in die Schweiz,

(Gcsch.).

Heubner u Bakunin nach Chemnitz, wo sie von derBürgerwehr ergriffen und nach Dresden abgeführtwurden. Ein fernerer Widerstand fand nach Dres-dens Fall nirgends statt. In Leipzig, wo sich seitdem 2. Mai die Aufregung steigerte, erklärte sich derStadtrath insofern für neutral, als er 6. Mai dieGemeinde Leipzig bis zum Anstrag der Conflictezwischen Krone u. Volk unter den Schutz der deut-schen Centralgewalt stellte. Die aufgeregten Massenbegannen zwar am Abend des 6. Mai Barrika-den zu bauen und wurden durch Zuzüge von: Landverstärkt, doch wurde der Aufstand rasch durch dieCoinmunalgardeniedergeschlagen. Das Ministeriumhatte sich noch während des Aufstandes durch denEintritt von Friescns als Minister des Innern undBehrs als Finanzminister ergänzt. Die Verhaftun-gen u. Untersuchungen, welche dem Aufstande folg-ten, trafen bald mehrere Tausende u. schlossen mitschweren Freiheitsstrafen ab, die jedoch meist durchdie Gnade des Königs abgekürzt wurden. Bei demAuftreten des Reichsministerinms u. der National- >Versammlung gegenüber den Negierungen, welche !die Anerkennung der Reichsverfassnng verweigerten, ,u. bes. nachdem die Nationalversammlung 10. Mai >das Einschreiten Preußens in S. als schweren Bruch >des Rcichsfriedcns bezeichnet hatte, war ein längeresZusammengehen mit Frankfurt für unmöglich er-achtet u. wurden auch von der Regierung die sächs.Abgeordneten zur Nationalversammlung 19. Maiabgernfen mit der Erklärung die Versammlung nichtweiter anerkennen zu können. Dagegen trat derKönig dem Dreikönigsbündnisse vom 28. Mai bei,jedoch unter dem Vorbehalte einer späteren Zustim-mung Österreichs u. Bayerns, u. als Österreich nachder Unterwerfung Ungarns wieder freier auftreteukonnte, zog sich S. im engern Anschluß an Bayernmehr und mehr von jenen: Bündnisse zurück.

Unterdessen waren durch Verfügung vom 20. Sept.die Landtagswahlen nach dem bisherigen Wahlgesetzangeordnet worden: der 26. Nov. eröfsnete Landtagzeigte sich der Regierung etwas willfähriger, aberals die demokratische Mehrheit in der Zweiten Kam-mer die deutsche Frage u. die beabsichtigte Reactivir-ung des Bundestags 31. Mai in einer gegen letzteresich aussprechenden Adresse zur Verhandlung kam,wurde der Landtag, bevor noch ein Beschluß in derSache gefaßt war, 1. Juni aufgelöst und eine Ver-fügung vom 3. Juni berief, weil mit den: aufgelöstenLandtag noch kein definitives Wahlgesetz vereinbartworden war, zur Berathnng desselben und andererdringender Maßregeln auf den 1. Juli die früheren,nach der Verfassnngsnrkunde von 1831 bestehendenStände in der Zusammensetzung, wie sie zu demaußerordentlichen Landtage des Jahres 1848 ver-sammelt gewesen waren. Zugleich erschienen nochzwei Verordnungen, welche die Presse u. das Ber-einsrecht in engere Schranken wiesen. Nachdem nichtohne Schwierigkeiten eine hinreichende Anzahl vonAbgeordneten (sämmtlich der Rechten angehörig) er-schienen war, erfolgte 22. Juli die Eröffnung desLandtages. Derselbe erklärte zunächst seine mehrfachangezweifelte u. bekämpfte Competenz n. nahm so-dann den Gesetzentwurf an, wodurch die provisori-schen Gesetze von: 15. Nov. 1848 wegen einigerAb-ändermngen der Verfassnngsnrkunde von 1831 unddie Wahlen der Landtagsabgeordneten betreffend.