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Rußland (Ewsch.).
land hingegen war die Verstimmung groß — bes, sahman mit Entsetzen, wie die alten Erbfeinde sich näher-ten, die Pforte der Bevormundung Englands über-drüssig schien n. sich beiR. geborgener glaubte: Groß-fürst Nikolaus Mkolajewitschn.ÄbdnlHamidll. wech-selten wiederholt Besuche n. ein russ.-türk. Ofsensiv-und Defensivbündniß schwebte in der Lust. Am 17.März wurde der Friede ratificirt n. durch Special-conriere den Großmächten mitgetheilt, England abererklärte sofort, es Härten sämmtliche Punkte der Frie-densbedingungen ans dem in Petersburg projectir-tcn europäischen Congresse anfznlicgen, umdortdis-cntirt, revidirt oder abgeändert zu werden. DerFriede von San Stefano (s. das Nähere: Türkei,Geschichte), welcher in dem projectirtcn neuen StaateBulgarien, dessen Gebiet sich weit über den Balkandis an das Ägäische Meer ansdehncn sollte, demrussischen Einfluß eine vollständig dominirende Stell-ung in der Europäischen Türkei gegeben hätte, ver-pflichtete diese außerdem an R. 310 Milt. Rubel baarund Gebiete im Werthe von 1100 Mitl. Rubelabzn-treten, diese waren das Sandschat Tnltscha, welchesgegen den 1856 abgetretenen Gebictsstrich in Bessa-rabien mit Rumänien nmzntanschen R. sich vorbc-h ielt, ferner in Asien Ardahan, Kars, Bajesid, Batnmn. das Land bis zur Kette des Soghanly-Dagh. DieDardanellen sollten im Kriege und im Frieden denHandclsfahrzengen neutraler Staaten ofsensein. DieRussen versprachen, die Europäische Türkei außerBulgarien binnen 3 Monaten, die in Asien besetztenGebiete binnen 6 Monaten nach dem definitivenFriedensschlüsse zu räumen re. England blieb ent-schieden bei seiner Weigerung, den Vertrag von SanStefano on bloo anznnehmen n. lehnte auch die Be-schickung eines europäischen Congrcsscs ab, auf demnicht alle Punkte des Vertrages discutirt würden,sondern dem Gortschakow nur einen beschränktenTheildcrselbenzur Begutachtung vorznlegen gedenke.Zugleich deuteten große Rüstungen dieses Staateszu Lande u. zur See, Mobilisirung der Panzerflottc,Einziehung der Reserven, das Heranziehen einge-borener indischer Truppen nach Malta in die Nähedes Kriegsschauplatzes auf die Absicht, seinen Wider-spruch gegen den Präliminarfrieden Lurch Waffen-gewalt ansrecht zu erhalten, wie schon Anfang Märzdie englische Panzerflotte in die Dardanellen einge-laufen war. Daraus gestützt, begann die Türkei dieErfüllung der Friedensbedingungcn, bes. die Räum-ung von Varna, Schumla und Batnm, hinznhaltenu. gegenüber der dominirenden Stellung der Russenvor Constantinopel sich dort möglichst zu befestigenn. in Vertheidignngszustand zu setzen. Dem gegen-über war die Lage der ohnehin von Krankheiten starkmitgenommenen Armee in Rumclien, über welcheseit April General Totleben den Oberbefehl führte,eine schwierige, wobei noch ein schwer zu bekämpfen-der Ausstand der Pomaken (s. d.) im Rhodope-Ge-birge einen Thcil der Truppen in Anspruch nahm.Diese Verhältnisse, die zweifelhafte Stellung Öster-reichs u. die Rücksicht auf die finanzielle Erschöpfungdes Landes gaben der Friedenspartei in R. , welchehauptsächlich durch den Reichskanzler Gortschakown. den Grafen Schuwalow, Gesandten am englischenHofe, vertreten war n. am Kaiser selbst einen starkenRückhalt hatte, das Uberger-icht über die vornehmlichin der Presse vertretenen Parteigänger des Krieges.
Während beiderseits die Rüstungen fortgesetzt wurden,kam es, »ach langen diplomatischen Verhandlungenn. vorzüglich infolge der Vermittelung Deutschlands,zn einer vorläufigen Einigung zwischen R. u. Eng.land, auf einem Congreß der europäischen Groß.Mächte zn Berlin die Streitpunkte entscheiden zu las-sen. Ans diesem, der 13. Juni eröffnet wurde n. andem rnssischcrseitsGortschakow, Schuwalow n.Oubriltheilnahmen, erhielt N. als direkten GebietszuwachsBatnm (unter dem Versprechen, es zum Freihafenzn machen), Kars und Ardahan in Asien (mit Ver-zichtleistung auf Bajesid) n. Bessarabien bis zumDonaudelta (als Tausch gegen die an Rumänienfallende Dobrndscha) und erreichte seinen Zweck, dieStiftung eines antonomenFllrstenlhnms Bulgarien,wenngleich dieses auf das Gebiet nördlich des Bal-kan mit Sofia beschränkt wurde (die übrigen Beding-ungen s. u. Türkisches Reich, Gesch.). Damit ist vor-läufig der Friede gewährleistet u. der Abzug der rnss.Garde von Constantinopel Ende August begonnen,während vertragsmäßig 60,000 Mann noch 9 Mo-nate in Bulgarien und Nnmclien zur vollständigenOrdnung der Verhältnisse verbleiben; eine definitiveLösung der Orientalischen Frage ist aber noch nichterreicht (vgl. auch n. Türkei).
Die inneren Verhältnisse des russischen Volkeshaben seit der Regierung des Kaisers Alexander II.eine große Wandlung erfahren. Die ausgedehntenu. znm Theil mit großer Hast eingefllhrten Refor-men (Aufhebung der Leibeigenschaft, Einfnhrmizder Geschwornengerichte u. anderer Reformen nacheuropäischem Muster, Vermehrung der Unterrichts-mittel, größere Freiheit der Presse), dazu das Ein-dringen der Industrie hatten das Eindringen vielerbis dahin politisch bedentnngsloser Volksangehöri-gen in das öffentliche Leben zur Folge und konntennicht ohne Reibungen mit dem bestehenden absolut-bnreankratischen Regiernngssystem sich vollziehen.Wie die Bauerncmancipation dem Einfluß u. denfinanziellen Interessen des Adels einen empfindlichenStoß gab, so gab sie anderseits großen Massen plötz-lich eins Freiheit, die sie nicht verwerthen konnte u.die sie in Len Dienst des Kapitals u. zn rücksichts-loser Ausbeutung des Bodens führte; erst der Zeitu. den neu eingefnhrten Verhältnissen (vgl. u. Sem-stwo) wird es gelingen, diese Schäden zu heilen. Beider Jnstizrcform haben die Geschwornengerichte in-folge der sittlichen Indolenz vieler Geschwornen dieErwartungen nicht erfüllt n. ist ihr Bestand wegenverkehrter Urtheilssprüche mehrmals bedroht gewe-sen (in neuester Zeit ist es wieder projectirt, die po-litischen Verbrechen ihrem Urtheilzn entziehen); besserhat sich das Institut der Friedensrichter durch seineschnelle Justiz bewährt. Bei der höheren Unter-richtsverwaltnng ist, bei den fortwährend wechseln-den Unterrichtsministern und Systemen, eine festeGrundlage nur angestrebt u. der Mangel dieser dieUrsache vieler Halbbildung; während früher öfterdie Neigung vorherrschte, mit Hintenansetznng desklassischen Unterrichts auf naturwissenschaftlicherGrundlage die höhere Bildung anfznbanen, hat diejetzige Verwaltung des Grafen Tolstoi den Zweck,Las elastische Alterthnm zur Unterlage einer natio-nal-russischen orthodoxen Erziehung zn machen, wo-bei sich aber der Mangel an Lehrern empsindlich be-f merkbar machte. Endlich hat die größere Freiheit
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