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Rußland
LenMotivenzurMobil!nachungsordre;ecbethenerte,der Zar wolle den Krieg nicht, aber er sei entschlossen,nicht eher nachzulassen, als bis die Grundsätze ihrevollste Ausführung erlangt u. durch wirksame Ga-rantien bestätigt gesunden hätten, welche ganz Eu-ropa als gerecht, human und nothwendig anerkenne.Am 19 . Nov. in einer Depesche an Schnwalow legteGortschakow Übereinstimmung n. Unterschied zwischenEngland u. R. gegenüber der Orientfrage ausein-ander. Am 18. Nov. befahl eine kaiserl. Verordnungeine Anleihe von 100 Milt. Rbl. im Jnlande, amL5. November erschien ein kaiserlicher Ukas, wonachvom 23. Jan. 1877 an die Entrichtung der Zölle inGold oder in Coupons garantirter Obligationen,welche auf ausländische Valuta lauteten, zu erfolgenhabe, hierdurch wurden natürlich die Zölle sehr er-höht u. zumal in Deutschland berührte dies sehr em-pfindlich Handel n. Industrie. Am 27. Nov. warendie 6 Armeecorps mobil n. Großfürst Nikolaus Ni-kolajcwitsch zum Oberbefehlshaber mit dem Haupt-quartier in Kischinew ernannt. Bald zeigte sichbei diesem Heere eine große Masse von Schädenin der Militärverwaltung, im Proviantwesen, in derEquipage re., Schäden, die während des ganzenKrieges grell hervortreten sollten. Unterdessen mar-in Constantinopel die europäische Conferenz zusam-nrengetreten. Am 12. Dec. begannen unter Jgna-tiews Vorsitz die Vorconferenzen, die 20. Dec. en-deten. Alle Mächte suchten R-s Forderungen beider Pforte zu unterstützen, diese aber wollte hiervonnichts wissen und hoffte mit dein Scheinbilde elnerConstitntion die öffentliche Meinung für sich zu ge-winnen. Nachdem die Pforte beigszogen worden,begannen 23. Dec. unter dem Vorsitze Savfet Pa-schas die eigentlichen Conserenzen. Die Pforte nahmdie Beschlüsse der Vorconferenzen einfach entgegen,zeigte aber bald eine durchaus ablehnende Haltungund wollte sich nicht vor Europa demürhigen. DieConferenz milderte nach n. nach ihre Forderungenbeträchtlich, aber auch so wurden diese abgelehnt.Nun stellten die Bevollmächtigten die gemildertenForderungen zusammen, ließen sie durch den eng-lischen Bevollmächtigten Lord Salisbury 15. Jan.1877 in der Sitzung formell den Pfortenbevollmäch-tigten überreichen und erklärten alle, sie würdenConstantinopel verlassen, falls die Pforte die For-derungen nicht erfülle. Am 18. Januar lehnte dertürkische Große Rath einstimmig diese Vorschläge abals der Integrität, Unabhängigkeit und Würde desOsmanischen Reiches zuwider; die türkischen Gegen-vorschläge erklärten Salisbury u. Jgnatiew in derConferenzsitznng vom 20. Jan. für unannehmbar,
21. Jan. endeten die ergebnißlosen Conserenzen,
22. Jan. verließ Jgnatiew Constantinopel, die Ge-schäfte Nelidow übertragend. Da die anderen Mächtenicht gegen die Pforte Vorgehen wollten, sondern dasSchwert in der Scheide zu lassen wünschten, ging R.allein vor. Am 31. Jan. 1877 in einer Circnlar-depesche an die russischen Gesandten bei den fünf an-deren Großmächten legte Gortschakow alle Bemüh-ungen R-s zur Lösung der orientalischen Krisis klardar u. wünschte zu wissen, was die anderen CabincteZN thun gesonnen seien, nachdem die Pforte alle Vor-schläge abzelehnt. Die Mächte beantworteten dieDepesche nicht, da sie gesonnen waren (mit Aus-nahme Englands etwa), gar nichts weiter zu thun.
(Gcsch.).
Nun trat Jgnatiew, um sie zur Meinungsäußer-ung zu drängen, seine Rundreise bei den Höfen derGroßmächte Europas an u. legte ihnen ein von R.entworfenes Protokoll als einmüthige ForderungEuropas an die Pforte zur Zustimmung vor. 3.März befahl der Kaiser die Mobilmachung von 8weiteren Armeecorps u. einem Grenadiercorps, dieaber vorerst noch in ihren Militärbezirken bleibensollten. Am 31. März Unterzeichneten alle Groß-mächte das durch Englands Einfluß modificirte Pro-tokoll in London, aber dasselbe blieb gleich den Con-serenzvorschlägen erfolglos. Die Pforte lehnte aber-mals alle Forderungen im April ab. Jetzt konntedas ganze Odium des Krieges von R. auf ihrenStarrsinn geschoben werden. Am 5. April stellte derGeschäftsträger Nelidow der Pforte das LondonerProtokoll als Ultimatum zu, auf abermalige Weiger-ung verließ er 23. April mit dem ganzen Botschafts-personale Constantinopel, worauf 26. April die türk.Gesandtschaft Petersburg räumte; die rnss. Unter-thanen in der Türkei wurden unter den deutschenSchutz gestellt. Am 13. April fand bei dem Zarenein großer Kriegsrath statt, hier beschloß man, dieganze Armee zu mobilisiren u. im N. u. S. R-s Ne-serveheere anfznstellen, um gegen jede Eventualitätgerüstet zu sein; man befürchtete besonders, Englandkönne mit einer Flotte der Türkei zu Hilfe kommen.Am 20. April verließenZar u. Zarewitsch die Resi-denz, um im Hauptquartiere in Kischinew eine Trup-penrevne abzunehmen. Von Kischinew aus erließ derKaiser 24. April das Kriegsmanisest, in dem er analle gescheiterten Bemühungen R-s erinnerte n. sichbereit erklärte, mit Waffengewalt für seine leidendenGlaubensgenossen auf türk. Boden die Garantien zuertrotzen, die für ihr künftiges Heil unerläßlich seien.An demselben Tage gingen von Petersburg die Te-legramme ab, welche LieGroßmächtevon der Kriegs-erklärung an die Pforte und ihren Motiven unter-richteten u. die Heere überschritten sowol den Pruthwie die armen. Grenze — in Asien führte den Ober-befehl des Kaisers jüngster Bruder, der thätige Groß-fürst Michael Nikolajewitsch. Nach den ersten Erfolgender russ. Waffen trat bald eine ungeheure Selbstüber-hebung indem ebenso schlecht geführten wie versorgtenHeere auf, während man den Feind gewaltig unter-schätzte. Die Hilfe Rumäniens, die da? russ. Cabineterst hochmllthig bei Seite setzte, mußte nachgesuchtwerden, um den Ereignissen bei Plewna die Stirnezu bieten n. die anfänglichen Erfolge entsprachen denüberspannten Erwartungen durchaus nicht, was da-heim in R. die Erbitterung der Malcontenten gegendas autokratische Regiment wesentlich nährte (lieberden ganzen Krieg s. Russisch-Türkischer Krieg von1877—78). Nachdem der Krieg schließlich auch inEuropa eine bessere Wendung genommen hatte —das schon in den Kriegen mit Napoleon so schädlichanftretende Stockrussenthnm war von Neuem in derFührung der Operationen störend empfunden wor-den — schloß die Türkei mit R. 3. März 1878 denPräliminarfrieden von San Stefano ab. R. hatteden Krieg allein geführt, folglich fcug es nicht bei LenGroßmächten um Erlaubnis; an, Frieden zu schließenn. gewährte denselben gerne seinem ebenso erschöpf-ten Heere wie Schatze, Jgnatiew u. sein Attache Ne-! lidow Unterzeichneten für R., in Petersburg herrschtes im Volke großer Jubel, ebenso in ganz R. In Enz-