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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

bezeichnetenReformen zu gewähren. Unter derHandaber fanden diese Insurgenten rege Unterstützungdurch R., auch nach Serbien gingen eine Masse Rus-sen, die Slavencomitcs wühlten sür den Krieg u. derRusse Tschernajcw wurde Ende Mai Obercomman-dant Serbiens gegen die Türkei. Der Cousuluuwrdin Salonichi 6. Mai 1876 erregte in ganz Europagerechtes Entsetzen. Der russische Botschafter Jgna-tiew erhob ein bes.wildes Geschrei, R. schickte Kriegs-schiffe in den Hafen von Salonichi, Jgnatiew berief12. Mai die Vertreter aller Mächte zu einer Coufe-renz, um Maßnahmen zum eigenen Schutze wie zudem der Christen in Coustantinopel zu berathen, setzteseinen Palast in Belagerungszustand n. umgab sichmit bewaffneten Montenegrinern. Der Sturz Mah-mud Paschas und die Absetzung Abdul Azizs warenein Schlag sürR., dessen Einflug nnterBeiden mäch-tig gewesen und ein Sieg Englands, welches unterMnrad V. und dem Groszvezier Mehemed RnschdiPascha die leitende Nolle überkam.

Am 11.13.Mai weilten der Zar u. Gortschakowin Berlin, wo Letzterer sich mit Bismarck und An-drassy besprach; Österreich legte die Führung desDreikaiserbundes in der Orientalischen Frage in R-sHand nieder. Man vereinbarte einen neuen gemein-samen Schritt gegenüber der Pforte, das BerlinerMemorandum, welches Gortschakow redigirt hatte.Frankreich u. Italien stimmten dem Memorandumbei, England lehnte es ab. Nach der Palastrevolu-tion in Constantinopel unterließen die Mächte dieAbgabe des Memorandums u. der türkische Minister-rath erklärte 23. Mai, die Forderungen desselbenseien gänzlich unannehmbar. In der Absendnngeiner englischen Flotte in die türkischen Gewässer sahR. wie alle Welt einen Schachzug zu Gunsten derTürkei gegen R. u. die anderen Großmächte, u. R-sStellung wurde von nun an eine ganz prononcirte.

Nachdem Serbien den Krieg an die Pforte erklärtu. auch R-s alter Schützling, Montenegro, denselbenausgenommen hatte, verständigten sich die Kaiser vonR. u. Österreich mit ihren Kanzlern 8. Juli inReich-stadt über gemeinsame Schritte in der Orientsrage.In N. wurde von den Slavencomites ganz offen-kundig für die Serben gesammelt, ihnen Proviantu. saiiitätliche Gegenstände Übermacht u. der Erzbi-schof von Moskau erflehte 13.Juli in der Kathedralefür Serbien u. Montenegro den Sieg. Die Haltungder Negierung gegenüber der Pforte wurde drohen-der und Anfang September forderte Jgnatiew mitden anderen großmächtlichen Gesandten vom Di-van die Einstellung der Feindseligkeiten gegen Ser-bien. Die Pforte stellte Friedensbedingnngen fürdiesen Fall auf, R. aber verwarf diese 4. Sept. alsunannehmbar und undiscutirbar. Hingegen miß-billigte R. sehr die voreilige Erhebung Milans zumKönige von Serbien u. ertheilte Tschernajew bitterenTadel. Am 27. Sept. überbrachte der kaiserl. Gene-raladjntant General Samarokow dem österreichischenHerrscher nach Wien ein Handschreiben, worinAlexander Österreich eine Occupation Bulgariensdurch russische, Bosniens durch österreichische Trup-pen und eine Flottendemonstration Englands vor-schlug , um die Pforte nachgiebig zu machen, aberÖsterreich wie England lehnten den Vorschlag ab.Indessen die Zuzüge nach Serbien sortdauerten undganze Sotnien Kosaken mit ihren Offizieren den

(Gcsch.).

Serben halfen, mißlang der Versuch eines zweitenserbischen Änlehens in R. im Sept. (das erste war31. Aug. geglückt). Seit 2. October weilte Alexan-der in Livadia, wo eine außerordentliche Conferenz(Zar, Zarewitsch, Jgnatiew, Milintiu, Reutern,Gortschakowrc.)stattfand, in der über die orientalischeFrage berathen wurde. Bon nun an rüstete R. ge-radezu zum Krieg, traf seine Verabredungen mitRumänien (s. d.), forderte entschieden von der Pforteeinen kürzeren als den von ihr vorgeschlagenen Waf-fenstillstand mit Serbien und zeigte sich der Pfortefeindlich. Am 17. Oct. traf Jgnatiew wieder inConstantinopel ein, einigte sich mit den Gesandtender anderen Großmächte über ihre Forderungen andie Pforte, überreichte dem Großherrn 24. Oct. seineCreditive, wurde 29. Oct. von ihm privatim em-pfangen u. verhandelte 30. Oct. mit dem Großvezierüber den serbischen Waffenstillstand. Jetzt aber er-lag Serbien den türkischen Waffen 29. Oct. bei Tru-barewo, die öffentliche Meinung in R. sah hierin aucheine Niederlage R-s und auf Milans von SerbienFlehen beschloß Alexander 30. Oct., sich Serbiensanzunehmen; er befahl Jgnatiew, der Pforte zu er-klären, falls sie nicht binnen 2 Tagen einen Waffen-stillstand von 6 Wochen od. 2 Monaten annehme u.sofort die militärischen Operationen einstelle, werdeJgnatiew mit seinem Botschaftspersonale Constan-tinopel verlassen. Noch ehe Jgnatiew dies Ultima-tum überreichte, entsprach jedoch die Pforte demDrängen der Mächte u. gewährte Serbien einen fastbedingungslosen Waffenstillstand von 2 Monaten 31.Oct. Europa sah nun klar, R. wolle den Krieg mitder Pforte u. au der Londoner Börse sanken die rus-sischen Papiere tiefer als während des Krimkrieges,was bei dem schlechten Finanzstande sich bald äußerstgeltend machte. Am 2. Nov. fand in Livadia die be-kannte Audienz des Lord Loflus, britischen Botschaf-ters in Petersburg, bei dem Zaren statt: es sei mög-lich (erklärte hier der Zar), daß er sich genöthigtfände, Bulgarien vorläufig zu besetzen, aber er ver-pfände sein Ehrenwort, Laß er nicht Constantinopelan sich bringen wolle, dessen Erwerbung sür R. einUnglück sein würde; ebenso sei die Befürchtung ab-surd, N. wolle Indien erobern. Dieselben Gedankenführte eine Depesche Gortschakows an Schuwalowin London vom 7. Nov. aus. Indessen in den Zeit-ungen von enormen russischen Rüstungen gesprochenwurde u. Lord Derby zur Beschickung einer europä-ischen Conferenz inCoustantinopel einlud, welchenVorschlagN.9.Nov.annahm, hielt LordBeaconsfield(Disraeli), 9. Nov. in Guildhall zu London einen ge-gen R.mit dem Säbel klirrenden Toast. Tags daraussprach Alexander auf der Durchreise in Moskau zuder Deputation des Adels und des Gemeinderathsebenfalls kriegerisch und versicherte, es sei seine festeAbsicht, selbständig zu handeln, falls man nicht vonder Pforte solche Garantien erlange, die die Aus-führung dessen, was er von ihr fordern könne, sicher-ten. Am 11. Nov. verordnete ein kaiserlicher Ukaseine neue Organisation der Landwehr u. 13. Nov-befahl der Kaiser, 6 Armeecorps in SR. mobil zumachen (195,291 Mann zu Fuß, 26,788 zu Pseroeu. 624 Geschütze); 15. Nov. wurde die Pferdeaus-fuhr über die südl. n. westl. Grenzen R-s verboten.Die Vertreter N-s im Auslände unterrichtete Gort-schakow Lurch die Circulardepesche vom 13. Nov. vou