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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gesch.).

strinten dagegen 16. Febr. Der Kaiser aber suchtesie zu beruhigen, daß sie keine Befürchtungen für ihreRechte hegen möchten. Die Provinzen waren hier-mit des letzten Scheines eigenartiger vd. selbständigerStellung entkleidet u. die Rnssificirung um ein Gro-ßes gefördert.

Am 1. Mai 1868 brachen von Neuem die Feind-seligkeiten mit dem Emir von Bokhara aus, schonS. Mai schlug der Gouverneur von Tnrkestan, Ge-neral Kaufmann, die Bokharen u. besetzte Samar-kand. Hier wurden die Russen 13. Juni angegriffen,vertheidigten sich aber tapfer und wurden 20. Junivon Kaufmann entsetzt. Am 30. Juli sah sich derEmir, da die Russen nur noch 12 Meilen von derHauptstadt standen, gezwungen, Frieden zu schließen:er trat an R. die Städte Samarkand, Katty-Knrganu. die dazu gehörigen Landschaften ab, verpflichtetesich eineContribntionznzahlen,gewährteallenRnssenfreienHandelsverkehrn. übernahm cs,innerhalb sei-nes Gebietes für die Sicherheit der russ. Kaufleute zusorgen. Ein Krieg im Hause des Emirs gab Kauf-mann bald wieder Gelegenheit, die Waffen zu er-greifen, der Emir rief die Russen zur Interventiongegen seinen rebellischen Sohn Katty-Tnrja ans u.General Abramow schlug diesen 21. Oct.bei Karschi,welche Stadt er 23. Oct. nahm, um sie dem altenEmir znrückzngeben. Den Kirgisen im Gebiete lkralsksollte wie in Turgutai eine strammere Organisationgegeben werden, doch erregte dies Juni 1869 einenAufstand, den die Kosaken bis Angnst überwältigten.In der Mitte Dec. 1869 besetzten russ. Truppen dieBucht von Krasnowodsk an der SOKüste des Kasp.Meeres, einen neuen trefflichen Stützpunkt für Ope-rationen gegen Khiwa. Immer weiter drangen dieRussen vor ».benutzten die gleichenMittelzurUnter-werfung wie bei den Bergvölkern im Kaukasus.Nachdem der Emir von Bokhara tributpflichtig ge-worden, wandten sie sich gegen den kleinen StaatScheriscbs. Die beiden Begs desselben wurden vonAbramow geschlagen n. ihr festester, für uneinnehm-bar geltender Ort, Kitab, 14. Ang. 1870 erstürmt.Um den Emir von Bokhara noch fester an R. zu bin-den, gab man ihm Scheriscbs. Ebenso wurden,als der kleine Fürst von Montenegro im Jan. 1869in Petersburg erschien, ihmdiedemonstrativstenAus-zeichnnngen erwiesen, weil man sich seiner für einenOrientkrieg vergewissern wollte.

Am 1. Juli 1869 bestätigte Alexander den wich-tigen RcichSrathsbeschtnß, der die Erblichkeit desgeistlichen Standes aufhob und es den Söhnen derWeltgeistlichenuntsrVerleihnngentsprechenderStan-desrechte u. Befreiung von der Militär- u. Steuer-Pflicht anheimgab, in den Militär-, resp. Civildiensteinzutreten oder ein Gewebe zu treiben. Am 2S.Januar 1870 wurde eine neue Anleihe von 12 Mil-lionen Pfd. Sterl. angeblich zur Vervollständigungdes Eisenbahnnetzes zu 80 °/g mit 5 °/ Interessenaufgelegt und in Westeuropa überzeichnet, währendkeine einzige russische Eisenbahn nur auf ihre Be-triebskosten kommen kann. Die Anleihe war imGrunde für militärischeZwccks gemacht worden, umunter Umständen großeTruppenmassen an die Gren-zendes Reiches werfen zu können. Doch erklärte sichR. und hierdurch wurde ein Weltbrand verhütet im Deutsch-französischen Kriege 23. Juli 1870neutral. Die höheren Stände in R. u. die russische

Presse waren hingegen für Frankreich. Um nichtumsonst neutral zu sein, sondern ans der Erschütter-ung Europas tüchtigenNutzen ohne Kriegsgefahr znziehen, erklärte Gortschakow 31. Oct. 1870 in einerCirculardepeschs den Großmächten, Rußland könnesich nicht mehr an die Bestimmungen des PariserFriedens betreffend das Schwarze Meer halten.

In England und Österreich-Ungarn erweckte dieserBruch des Pariser Friedens ein ungeheueres Auf- !sehen, man befürchtete, R. hege geheime Wünschenach den Donanmündnngen u. wolle sich an der In-tegrität der Türkei vergreifen. Die öffentliche Mein-ung in beiden Staaten sprach sich geradezu entrüstetans und war augenblicklich ganz kriegerisch. VonEngland u. Oesterreich liefen Proteste ein gegen deneinseitigen Rücktritt R-s von einer völkerrechtlichenStipulation, doch wurde zugleich angedentet, sie seiennicht abgeneigt, unter Umständen u. in angemesse-ner Form R-s Verlangen materiell zu entsprechen.Durch Vermittlung Bismarcks sand man diese Formund im Protokoll der Londoner Conferenz vom 13. ,März 1871 erkannten die Mächte R-s Wünsche als 'berechtigt an. R. wurde frei von den Beschränkun-gen des 14. Artikels des Pariser Friedens, konntefortan im Schwarzen Meere so viel Kriegsschiffe hal-ten u. an den Küsten so viel Festungen bauen, wieihm gefiel.

R-s Politik ging immer darauf aus, eintretcndegünstige Augenblicke sofort zu erfassen n. mußte esdarum stets ein großes und gewandtes Heer haben.Am 16. Nov. 1870 befahl Alexander II., Einleitun-gen zur Einführung einer allgemeinen WehrpflichtinR.zntreffen,während erfür1871beideral!gemei-nen Recrutirnng von je 1000 Mann der Bevölker-ung 6 anstatt 4 Manu bestimmte. Am 6. Jan. 1871legte der Kriegsminister Milintin dem Reichsrathedie vom Kaiser genehmigten Grundzüge der Militär-reform vor, welche auf der allgemeinen, für R-s Be-dürfnisse modificirten Wehrpflicht beruhte; schon 20.Jan. wurde letztere in Finnland eingesührt. Das Ver-hältnis zu Preußen, resp. dem neuen Reiche, Seitensder russ. Regierung gestaltete sich immer herzlicher.Auch mit Österreich fand 1872 eine bemerkenswertheAnnäherung statt. Im Juli 1872 erschien ErzherzogWilhelm in Petersburg und ging mit dem Zarennach Moskau u. in Berlin trafen Alexander, FranzJoseph und Kaiser Wilhelm im September zusam-men. Am 3. November 1872 verfügte der Kriegsmi-uister die sofortige Einthcilnng der Kosakencorps inden Stand der regulären Cavalerie u. ließ die neuen fÜbungen alsbald beginnen, nur die Donischen Kosaken !blieben einstweilen noch in der alten Stellung. Ge- !gen Khiwa wurde schon lange eine neue Expeditiongeplant. Im Oct. 1872 machten Oberst Marknsolvvon Krasnowodsk aus und Oberst Lomakin vomKaspischen Meere auS einen Zug in die kirgisischenSteppen zwischen dem Kaspischen Meere u. dem Aral-see, um sie wegen des Zuges nach Khiwa zu recog-nosciren. Nachdem der gewandte Graf Schuwalowdas englische Cabinet wegen R-s Absichten in Cen-tralasien beruhigt hatte, gingGeneralKansmann alsdesignirterOberbefehlshabergegenKhiwaEndeJan.1873 ab. Da beidiesen asiatischen Plänen die Freund-schaft Persiens für R. unendlich wichtig ist, so wurdeder Schah bei seinen Besuchen in R. im Mai 1873u. 1878 mit der äußersten Auszeichnung behandelt,