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Rußland
A. sei» Haus freiwillig alle Souveränetätsrechte füreine Million Rubel an Alexander ab. Die Aufheb-ung der Leibeigenschaft wurde durch Ukas v. 3. März1867 auch iiber Miugrelien u. den Kaukasus ausge-dehnt. Unablässig arbeitete R. an dcrUuterwühluugder Türkei und drängte sich mit seinem nsurpirtenSchutzrechte über die Griechen in die inneren Ange-legenheiten der Pforte. Seine Gesandten an dersel-ben, bes. Jgnatiew, handelten in diesem Sinne n.mitunvergleichlicher Rücksichtslosigkeit. Während Po-lens Sonderregierung anfhörte und das Land durchUkas vom 26. März 1867 völlig einverleibt wurde,wogegen kein einziges europäisches Cabinet zu pro-testiren wagte, legte R. den Großmächten 24. März
u. 18.April 1867Memoires vor, in denen es die inder Türkei bisher unternommenen Reformen alsganz ungenügend schilderte und positive Vorschlägefür die Reconstruction der Türkei machte.
Die infolge der Aushebung der Leibeigenschaftnothwendiae Anseinandersetznnq zwischen Gntsbe-sltzern n. Bauern hatte bei beiden übertriebene Hoff"nunqen erregt ; in vielen Fällen mutzten dieBauernmit Gewalt angehalten werden, die ihren alten Her-ren zuständigen Entschädigungen zu leisten, indessenein Thsil des Adels für seine materielle Einbußenoch immer ans politische Rechte hoffte, die er beieiner Reichsverfassnng erlangen würde. Durch dieneue Freiheit von Person und Eigenthum wurdenProduction n. öffentlicher Neichthum inR. ungemeingefördert, wenn dieser Segen auch erst mit der Zeitzu Tage trat. Auch hier bewährte sich mit den Jah-ren das seltene Talent des Russen für praktische Ver-hältnisse. 1866 waren noch im Pflichtverhältnisseverblieben 3,965,410 Bauern, hingegen 5,810,607waren von allen Verpflichtungen losgelöst; von denkleinen Gütern mit nicht 20 Seelen pro Gut waren6757 mit 52,433 Seelen an den Staat übergegan-gen, der den Besitzerndasllr 7,141,181 Rubel zahlte;durchschnittlich wurden etwas über 11 Rubel für denMorgen gezahlt. Die russ. Finanzen zeigten schonlange kein rechtes Verhältniß zwischen Einnahmenund Ausgaben; zu einer radicalen Reform war dieZeit noch nicht gekommen und der Finanzminister
v. Reutern konnte hier wenig ausrichten. Im Bud-get für 1867 belief sich das Gesammteinkommen R-saus 397,043,187 Rubel, die Gesammtausgabe auf443,670,171 Rubel, somit blieb ein Deficit von fast47 Millionen. Während dem Kriegswesen mehr als121 Mill. zngewiesen wurden, war der öffentlicheUnterricht (die Volksanfklärnng) nur mit 7,255,814Rubel angeschlagen. Die seit lange in R. gährendeund bedrohlich gewordene Unzufriedenheit mit denMitteln ».Werkzeugen derRegiernng begann abzu-nehmen, das Attentat des Polen Berezowski ans denZaren in Paris, 6. Juni 1867, erregte in ganz R.die größte Entrüstung n. die Zeitung Herzens, derin Genf erscheinende Lololrol, ging Juli 1867 völligein. Auss Augenfälligste liebäugelte die Regierungmit dem Panslavismns, in Österreich wurde er vonihr genährt, um dieses Reich innerlich zu brechen u.so den wichtigsten Gegner in der Oriental. Frage zuentkräften. Am 4. Mai 1867 wurde die ethnograph.Ausstellung in Moskau eröffnet: sie war eigentlichein Slavencongreß, wo die österreichischen Slavenin demonstrativer Weise geseiert wurden.
Obgleich die Regierung mit Deutschland, im be-
(Gcsch.).
sie» Einvernehmen stand, strebte sie im Sinne desUnitarismns dahin, auch das gerade für R. so segens-reiche deutsche Element in den Ostseeprovinzen zabeseitigen. Ein Beschluß Nikolaus', in den drei Ost-seeprovinzen solle das Russische die officielle Sprachesein (Ukas vom 3. Jan. 1850), war nie ansgcführtworden, jetzt erneuerte ihn Alexander 13. Juni 1867ans Forderung des Ministercomite vom 9. Mai n.befahl, strenge auf Ausführung des die Rechte derProvinzen so schwer verletzenden Beschlusses zu ach-ten. Dies und andere Vorkommnisse errregten diegrößten Besorgnisse, bald sah man auch, daß dieUniversität Dorpat rnssificirt werden sollte, dienational-russischen Blätter in Moskau (voran Golos)forderten nackt die Rnssificirung der Provinzen. Diebaltische Presse, welche seit Der. 1865 unter Censurstand, erhielt ein Verbot, die Sprachenfrage zu be-handeln. Im Dec. 1867 beschloß der livische Land-tag, da der Generalgonvernenr der Ostseeprovinzen,General Albedinski, an der kaiserlichen Verfügungvom 13. Juni festhielt, eine Adresse an Alexander,worin Letzterer um die Anfrechterhaltung des Lan-desrechtes in der Sprachenfrage gebeten wurde. AufAlbedinskiS Antrag nahm der Zar die Adresse 18.Dec. nicht an und 12. Jan. 1868 gab er dem livi-schen Civilgouverneur von Öttingen den griechisch-katholischen Staatsrath von Lysander zum Nachfol-ger. Am 2. Nov. 1868 wurde zum ersten Mals einRusse Civilgouverneur von Ehstland, der geriebeneStaatsrath Galkin, u. es waren jetzt die drei Civil-gouverneure in den Provinzen, Galkin, Lysander undin Kurland Staatsrath von Lilienseldt griechischeKatholiken, — so wurden griechische Kirche n. russi-scher Staat hier nach und nach eingeführt und schonDec. 1868 richtete eine große Anzahl Adeliger ausden baltischen Provinzen eine russ. Loyalitätsadreffean Alexander. April 1869 emancipirte einUkas dieKranbauern in den Ostseeprovinzen. Am 16. No-vember verfügte ein Ukas, sämmtliche Unterrichts-anstalten des Dorpater Lehrbezirkes hätten ihre amt-lichen Correspondenzen mit einander u. mit anderenBehörden nur russisch zu führen. Der livische Land-tag beschloß 15. Jan. 1870, an den Kaiser eineAdresse um Anerkennung der Landesrechte zu richten,berief sich darin ans die von Peter dem Großen 1710u. 1721 garantirte Landesverfassung und protestirtegegen das Eindringen der russ. Sprache; eine ebensolche xstitio» vk riZiits richtete der ehstnische Land-tag 11. März an den Zaren. Die livische Adressewurde von Letzterem 19. März in einem eigenhän-digen Bescheide kurzweg abgelehnt, „da sowol dieallgemeinen als auch die localen Gesetze ihre Kraftnur von der souveränen Gewalt entnähmen". EineAdresse des knrischen Landtages kam nicht zu Stande.Ans kaiserlichen Befehl vom 25. April 1870 führteAlbedinski die rnss. Geschäftsführung in alle Kron-behörden des baltischen Gebietes ein. Überall in denProvinzen entstanden rnss. Kirchen n. zumal unterden ehstnischen Bauern wurden viele Proselyten ge-wonnen. Unter dem Nachfolger AlbedinskiS, demFürsten Bagration (seit Ende 1870) machte die Nns-sificirnng in den Ostseeprovinzen weitere Fortschritte.Nach seinem Tode hob Alexander durch Ukas vom 6.Febr. 1876 die Stelle eines Generalgouverneurs der3 Provinzen ans. Sofort eilten die Adelsmarschällevon Livland und Kurland in die Residenz und remon-