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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

hilisten (s. u.) zugeschoben. Am 20. Sept. 1862wurde das 1000jährige Bestehen R-s in Gegenwartder kaiserl. Familie in Nowgorod solenn gefeiert.Daß der Zar hier vielen hervorragenden Slaven ansÖsterreich Orden verlieh, wurde angesehen, als be-trachte er sich wie den Primas derEinen großen sla-vischen Völkerfamilie. Als Unterstützung des pan-slavistischen Gedankens erschien es anch, daß derGroßfürst Constantin seinem Sohne den Namen desczechischen Schutzpatrons Böhmens, Waclaw (Wen-zel), Juli 1862 gab.

Im Kaukasus wurde 1862 Großfürst Michael, desKaisers Bruder, Statthalter. Sibirien wurde immermehr der Cultnr entgegcngesührt; die Steinkohlen-Production daselbst verhundertfachte sich in 10 Jah-ren, Kupfer- n. Silberlager in OSibirien u. ein inder Kirgisischen Steppe am Flusse Argus unweitSemipalatinsk entdecktes Graphitlager versprechenreiche Ausbeute. Nertschinsk erhob sich zum Mittel-punkt der Handclsbewegung in Sibirien. Die Gold-Production daselbst wurde schon 1857 auf 47,280Pfund geschätzt. Mit Zunahme der Bevölkerungwurden Mädchen < und Sonntagsschulen gegründet.Auf den größeren Strömen Lena, Ob nndAmur be-leben Dampfschiffe den Verkehr. In Central-Asienbrachten wissenschaftliche u. militärische Expeditionenden Einfluß R-s zu immer größerer Geltung, dieräuberischen Turkmenen am Kaspischen Meere wur-den gezüchtigt und eine wissenschaftliche ExpeditionunterKhanikow ging 1858 über Tiflis ».Baku nachKhorasan. Trotz wiederholter Einbußen machtendie Kokander häufig Einfälle. Unter den mongoli-schenNomaden, namentlich den Bnrjäten am oberenJrkut machte das Christenthum Fortschritte; sie n.die Tataren am Tarbagatai erkannten die rnss. Herr-schaft an. In Persien hatte der rnss. Einfluß fort-dauernd mit dem englischen zu kämpfen, der aberüberwog. Die Wirren in China erschwerten die Be-ziehungen zu diesem Staate.

Gegen Polen wurde von R. nach wie vor mit dergrößten Rücksichtslosigkeit verfahren und in jederWeise die volle Rnssificirung versucht u.durchgesührt(s. Polen, Gesch.). Alle Revolutionen u. aller Wi-derstand halsen dem unglücklichen Volke nicht gegendie physische Übermacht R-s n. so wurde dies auchdes Aufstandes von 1863 völlig Herr, alle Bemüh-ungen der Cabinete für Polen waren erfolglos.Am 7. Juli 1863 wurden durch Mas alle kaiserlichenApanage- u.Domänenbauern (über 2 Mill. Seelen)emancipirt. In Finnland, wo sich Opposition gegendie Regierung gezeigt, wurde dem alten WunscheFolge gegeben u. Aug. 1863 die finnische Spracheals gleichberechtigt neben die osficielle schwedische ge-stellt, 23. Febr. 1865 als officiell erklärt. Finnlanderhielt seine Autonomie wieder. Auf Reformen imInnern bedacht, führte der Kaiser durch Mas vom21. Jan. 1864 Provinzial- und Kreisvertretnngenaußer in den westlichen (polnischen) Gouvernements,den baltischen Provinzen, Archaugel, Astrachan undBessarabien ein; 2. März wurde die Leibeigenschaftin Polen, 28. Nov. 1864 in Transkankasieu ausge-hoben. Die entsetzliche Wirthschaft Murawiews (s.d. 6) in Litauen wurde vom Zaren trotz aller Huma-nität gebilligt. 1864 wurden eine verbesserte Ge-richtsorgauisation, ein Strafgesetzbuch, die Civilpro-ccßordnung und die Criminalproceßordnung für die

(Gesch.).

Friedensrichter eingcführt. Die Phantasie der öf-fentlichen Meinung richtete sich immer wieder aufeine allgemeine Landesvertretung, in der auch derAdel seinen verlorenen Einfluß wieder zu finden ^hoffte. Aber es fehlen noch die unentbehrlichen jVorbedingungen zum Constitulionalismus, zur po- lMischen Freiheit und die dessen bewußte Regierunghält am Absolutismus fest.

Am 13. Jan. 1865 wurde Großfürst ConstantinPräsident des Reichsrathes anstatt des Fürsten Ga-garin, der nur das Präsidium des Ministercomitebehielt, aber als Viceprästdeut doch die Reichsraths-arbeiten leitete. Am 24. April erlag der Großfürst-Zarewitsch Nikolaus Alexaudrowitsch derAuszehrungin Nizza, sein Bruder Alexander Alexaudrowitsch(geb. 10. März 1845) wurde Großfürst-Zarewitschu. heirathete 9. Nov. 1866 die Bcaut des Bruders,Dagmar von Dänemark, welche den Namen Mariaannahm; durch diese Ehe traten England u. R. zum Iersten Male in verwandtschaftliche Beziehung (daszweite Mal 1874 durch die Heiralh der GroßfürstinMaria mit dem Herzoge Alfred von Edinbnrg).

DieStimmuugzu Rom war eine immer bittereregeworden, denn die Römische Kirche in Polen schürtegegen R. und die rnss. Negierung ging scharf gegen isie vor. Am 29.Dec. 1865 kam es in Rom zwischendem Papste und dem rnss. Gesandten, Baron FelixMeyendorff, zu einer sehr heftigen Scene u. 9. Febr.

1866 brach R. seine diplomatischen Beziehungen zumHeiligen Stuhle ab. Am 4. Dec. 1866 wurde da§Concordat mit Rom aufgehoben. Nach langen Strei-tigkeiten beschloß der knrischeLandtag 19. Dec. 1865,jede Person christlicher Consession solle Rittergütererwerben dürfen, sei sie adelig od. nicht; 20. Märztrat der livischeLandtagdemBeschlüsse bei u. I.Oct.

1867 schloß sich die ehstnische Ritterschaft an. Alex-ander gab sämmtlichen Beschlüssen die Sanction.Am 16. April 1866 machte Dimitri Karakasow inPetersburg einAttentat auf den sehr populären Za-ren; gerne hätte eine Hofpartei dasselbe im reactio-närenSinne ausgebeutet, aberAlexander wich nichtvon der Bahn der Reformen ab; doch wurde diePresse durch kaiserl. Rescript vom 13. Mai wiedermehr beengt. Die zahlreichen Genossen des Atten-täters wurden nach Sibirien deportirt, er selbst 15.Sept. hingerichtet.

Siegreich drangen die Russen in Central-Asien

1866 vor. Am 20. Mai schlugen sie unter GeneralRomanowski das Hauptheer des Emirs von BokharabeiJrdschar, eroberten 30.Maidie Stadt Khodschendund der Emir suchte im Juni um Frieden nach. Am

29. Sept. wurde die wichtige Handelsstadt Taschkent»im Khanate Khokand auf Ansuchen ihrer BewohnerR. einverleibt. Am 14. Oct. erstürmten die Russendie Festung Urtube an der Grenze von Bokhara und

30. Oct. eroberte» sie den letzten Stützpunkt des bo-kharischen Emirs am Sir Darja, die Festung Djusak.

Im November war der Krieg mit Bokhara beendet.Trefflich benutzte die rnss. Politik die Racenfeind-schaften in diesen Gegenden Central-Asiens und dieEifersüchteleien der Stammesfürsten, um sie nach n.nach zu überwältigen. Am 28. Juli 1867 wurdedas neue Gouvernement Turkestan organisirt u. Ge-neral Kaufmann Gouverneur desselben, sowie Coin-mandant des ganzen Militärbezirkes. Am 17.Jam

1867 trat der Fürst Dadian von Mingrelien für sich