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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

ung des Gebietes an der unteren Donau durch russ.Truppen gefährdet würden, wobei sich beide Staatenbei dem Übergänge der Russen über den Balkan od.bei der Einverleibung derDonaufürstenthümer zumKriege gegen R. verbindlich machten. Diesem Bünd-nisse trat der Deutsche Bund 24. Juli bei. Österreichforderte 3. Juni R. auf, die Donausürstenthümerrecht bald zu räumen, Preußen unterstützte 12.Junidies Ansuchen. Österreich traf mit der Pforte 14.Juni eine Übereinkunft, wonach die Donaufürsten-thümer durch österreichische Truppen besetzt werdensollten. Die russ. Regierung erklärte sich 29. n. 30.Juni bereit, mit Rücksicht auf die besonderen Inte-ressen Österreichs u. Deutschlands an der Donau n.auf die Beschaffenheit der Verpflichtungen, welche dieHöfe von Wien u. Berlin durch das Protokoll vom9. April übernommen hätten, sich aus den Fürsten-thllmern zurückznziehen und auf Grundlage der indem Protokoll niedergelegten 3 Hauptprincipien inFriedensnnterhaudluugen einzutreten, falls Öster-reich den friedlichen Ausgang garantiren könnte.Während Preußen sich durch solche Zugeständnissegern befriedigt erklärte, blieb Österreich bei derRäumung der Fllrstenthümer stricte stehen (9.Juli).Am 22. Juli stellten England n. Frankreich als we-sentlichste Punkte für alle weiteren Unterhandlungenzum Frieden aus: Aufhebung des russischen Protec-torats in denDonanfürstcnthümern n. Serbien; freieDouauschissfahrt; Revision des Vertrags vom 13.Juli 1841 (Meerengen-Vertrag), um R-s Übermachtim Schwarzen Meere zu beseitigen; Verwerfung je-des einseitigen Protektorates über die christl. Unter-thanen der Türkei u. Errichtung eines gemeinsamenvon allen Großmächten ansznübenden Schntzrcchtes.Österreich u. Preußen traten diesen Forderungen bei,R. verwarf sic, aber Nikolaus befahl seinen Trup-pen den Rückzug aus denDonaufürstenthümern. Am8. Ang. verpflichteten sich Österreich, England undFrankreich zu Wien, bis zur Herstellung des allge-meinen Friedens mit R. nur noch zu verhandeln,nachdem dieses die Annahme der von England undFrankreich aufgestellten 4 Punkte ohne Weiteres zu-gestanden haben werde. Als dies Nesselrode 2». Äug.ablehnte, erklärte Preußen 5. Sept., daß cs wederan einem Angriffskriege gegen R., noch an sonstigenZwangsmaßregeln zur Durchführung der 4 Frie-denspunkte rheilnehmen, für deren Annahme vonSeilen R-s aber sich ferner in Petersburg verwen-den werde. Die Besetzung der Moldau u. Walacheidurch österr. Truppen machte eS nun den engl, undsranz. Truppen möglich, die Europäische Türkei zuverlassen u. mit der Landung der Verbündeten ander westlichen Küste der Krim u. der Besetzung derStadt Eupatoria begann die zweite Periode diesesKrieges (s. Krimkrieg). Die diplomatischen Verhand-lungen in dieser Zeit zur Herstellung des Friedensscheiterten. Durch Vertrag vom 26.Jan. 1855 schloßsich Sardinien ohneKriegserklärungdcn Westmächtengegen R. an u. stellte 15,000 Mann. Nikolaus schickteunaufhörlich Truppen u.Vorrälhe in die Krim, aberKälte, Hunger, Krankheit rafften Tausende hin undnur in Asien gegen die Türken und auch gegen diekaukasischen Völkerschaften hatten seine Waffen Er-folg. Sein herrischer, keine Opposition duldenderCharakter litt entsetzlich unter den Schlägen diesesmuthwillig gesuchten Krieges u. die Niederlage von

(Gesch.).

Eupatoria gab ihm den Todesstoß. Er st. 2. März1855; kurz vor derselben (10. Febr.) hatte er dieBildung einer allgemeinen Reichswehr angeordnet.Ihm folgte sein ältester Sohn Alexander II. Ni-kolajewitsch. Sofort wurden die Instructionen,womit die Bevollmächtigten R-s in Wien seit De-cember 1854 zur Eröffnung der Wiener Conferen-zen versehen worden waren, erneuert; diese began-nen 15. März, scheiterten aber u. wurden 4. Junigeschlossen. Alexander befahl eine neue Trnppen-äushebung von 12 : 1000 in 17 Gouvernements(6. Mai) u. in 12 anderen die Einberufung der Milizim Verhältnis) von 23 : 1000 (12. Ang.). Die Russenerlitten Schlag ans Schlag in der Krim. Alexanderwollte aber auch nach dem Falle Sewastopols nichtsvom Frieden hören; der ganze Seehandel war durchdie verbündeten Flotten im Schwarzen Meere u. inder Ostsee zerstört, in den Staatseinnahmen klafftenenorme Lücken, Alles stockte. Alexander ordnete 15.Oct. ein allgemeinesAufgebot im ganzen Reiche mitAusnahme von 7 schon sehr in Anspruch genomme-nen Gouvernements im Verhältniß von 10 : 1000an. Während sonst überall die Russen im Nachtheilwaren oder wenigstens nichts mehr erlangten, alsdaß der Feind unverrichteter Dinge sich zurückzogwie vor Kronstadt, blieb ihnen in Asien das Kriegs-glück treu; die Capitulation von Kars 28. Nov. anMnrawiew milderte bedeutend die Ansprüche der sieg-reichen Westmächte an R. Die Rüstungen dauertenfort; ein llkas vom 8. Dec. schrieb eine neue Auleihtvon 50 Mill. Silberrubel aus. Am 16. Dec. 1855sandte Österreich den Grafen Paul Esterhazy mitneuen Friedensvorschlägen nach Petersburg undNesselrode nahm sie 16. Jan. 1856 einfach und un-umwunden an. Schon 1. Febr. 1856 Unterzeichne-ten zu Wien die Bevollmächtigten Österreichs, Frank-reichs, Englands, R-s (Fürst Gortschakow) und derTürkei die Annahme des österreichischen Entwurfesu. 25. Febr. traten dieselben Mächte u. Sardinienin Paris zu Friedensverhandlungen zusammen, andenen später auch Preußen theilnahm. R. vertratenGraf Älexei Orlow und Baron Brunnow. Sofortwurde ein Waffenstillstand bis 31. März abgeschlossen.Am 30. März wurde der Friede unterzeichnet: der-selbe stellte die Unabhängigkeit n. Untheilbarkeit derTürkei unter den Schutz der Vertragsmächte u. zogsie in das europäische Concert, nahm Kenntniß voneinem Ferman des Sultans über die seinen christli-chen Unterthanen gewährten Rechte, erklärte die Ans-rechthaltung des Vertrags vom 13. Juli 1841 we-gen Schließung des Bosporus u. der Dardanellen,verbot dem Sultan u. dem Zar am Schwarzen MeereSeearsenale zu errichten oder zu behalten u. regelt!die Donanschifsfahrt. R. trat die Donaumündungcnmit einem kleinen links der Donau zunächst demSchwarzen Meere liegenden Landstriche ab, entsagt!dem einseitigen Protectorate über dieDonaufürsten-thümcr u.Serbien, wie über die griech. Christen inderTürkei u. gab Karszurück. DieWestmächte gaben Se-wastopol u. alle sonst von ihnen besetzten Punkte in ili.heraus. Das Schwarze Meer wurde für neutral er-klärt, der Handelsflotte aller Staaten geöffnet. Au-ßerdem verpflichtete sich Rußland noch, im Schwar-zen Meere nicht mehr als 10 Dampfer zu halten u.in der Ostsee die Alands-Inseln aus keine Weise zubefestigen. Der Pariser Friede war eine moralische