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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

hierdurch wie durch Dampfschifffahrt der Verkehr be-günstigt.

Um allenthalben mit eigenen Augen zu sehen, Miß-bräuche u. Uuterschleise wahrzunehmen u. zu bestra-fen, reiste der Zar sehr viel in R., ebenso ins Aus-laild, um R-s Einfluß wach zu erhalten. Von 1845an nahmen die Angelegenheiten im Kaukasus dieAusmerksamkeit R-s mehr in Anspruch. Der Krieggegen die Tscherkeffeu nahm seinen ungehindertenFortgang u. lieferte allmählich sichtbare Erfolge (s.Kaukasien, S. 323). Im Inneren richtete der Kaiserganz im orthodox-russ. Sinne u. im Streben nachvoller Einheit der Unterthanen seine Angriffe gegen dieBekenner jeder anderen als der Staatsreligion. DerRüm.-Kath. Kirche waren ihre liegenden Gründe,Zehnten u. Eapitalien entzogen u. die außerordent-lichen Einkünfte gestrichen worden, um sie rücksichtlichihres Einkommens gleich der Geistlichkeit derStaats-kirche vom Staate abhängig zu machen. Die Zahlder jungen Theologen war Lurch Aushebung theolo-gischer Leminarien vermindert, die kathol. Missionin Lranskankasien aufgehoben u. ein Theil des nie-deren Adels, sowie eine beträchtliche Zahl katholi-scher Landlcnte in die inneren Provinzen übergesie-delt worden. Von dem Besuche des Kaisers in Rom13. Dec. 1845 versprach man sich viel, doch war dasCoucordat, wclchesBIudow hier nach langen Unter-handlungen 15. Ang. 1847 zu Stande brachte undwelchem der Kaiser 17. Dec. 1847 seine Genehmig-ung ertheilte, weit entfernt, den Päpstlichen Stuhlzu befriedigen. In den Ostseeprovinzen fuhr die russ.Geistlichkeit sort, Las lutherische Landvolk zum Über-tritt zu bewegen, und hatte bei Lioländern u. Ehstennicht geringenErsolg. Durch eiueVerordnung wurde

1845 Len Proselyten die freie Niederlassung in denlivländischen Städten bewilligt. Zeichen seiner ge-drückten Lage gab der livländische Adel 1846 in derBitte an den Kaiser, der Staat möchte seine Besitz-ungen ankaufen, den Edelleuten aber die Auswan-derung nach Deutschland gestatten, worauf einigeMilderungen eintraten. Häsen u. Arsenale wurden

1846 an den persischen Küsten des Kaspischen Mee-res erbaut; aus den Rheden von Enzeli u. Astrabadfaßte R. mit seinen Schissen festen Fuß u. seine be-festigten Karawanserais von Rescht nach Teherandienten ebenso znm Schutze der Reisenden wie alsCastelle. Der polnische Anfstandsversuch von 1846(s. Polen) führte zur Erklärung des Belagerungs-zustandes in Volhynien, Podolien und Polen; durcheinen Mas vom 18. Juli d. I. wurde er auch ansWilna, Grodno und Kowno ausgedehnt. Die fried-liche Haltung des Bauernstandes bei dieser Veran-lassung belohnte ein Mas vom 7. Juni, welcher denSchutz des bäuerlichen Grundbesitzes auf den Gü-tern des Adels znm Zwecke hatte. Wichtiger nochwar der llkas vom 24.Nov. 1847, welcher leibeigeneBauern in allen Theilen des Reiches zum Ankaufüberschuldeter, zur Versteigerung kommender Güterihrer Grnndherren ermächtigte, sowie ein anderervom 15. März 1848, welcher unter gewissen Beding-ungen das Recht zum Erwerb unbeweglichen Eigen-thums auf Leibeigene übertrug.

Sowol in der Sonderbunds- als in der Verfass,ungssraae in der Schweiz trat R. der Erklärung bei,welche Österreich, Frankreich u. Preußen 18. Jan.1848 abgegeben hatten (s. u. Schweiz, Gesch.). Die

(Gesch.).

erschütternden Ereignisse, welche bald darauf Frank-reich, Deutschland n. Italien bewegten, brachten inPetersburg einen gewaltigen Eindruck hervor; 28. >März erklärte ein kaiserliches Manifest, der Zar sei 1entschlossen, gegen Revolution u. Anarchie die russ. ^Ehre u. R-s Grenzen zu vertheidigen; dabei wolleer sich aber durchaus nicht in die inneren Angelegen-heiten Deutschlands und Frankreichs mischen. Als jder erfolgreiche Ansstand der Walachei dahin strebte,sich sowol von der Oberherrlichkeit der Türkei als Ider Schutzherrschaft R-s snci zu machen, war R. mit ider Pforte wegen eines gemeinsamen Einschreitens >übcrcingekommen; 9. Juli 1848 überschritten dieRussen den Pruth, besetzten 10. Juli Jassy u. balddie ganze Moldau, die Türken aber die Walachei.Der rnss.-türk. Vertrag (Sened) von Balta-Limanvom 28.Aprill849, entschied das Schicksal derFür- ^stenthümer, welche vorläufig militärisch besetzt blie- ivenu, erst April 1851 geräumt wurden. In Betreffdes deutsch-dänischen Streites bewahrte R. im Jahre1848 seine neutrale Stellung u. lehnte die ihm vonDänemark angetragene Vermittelung ab. Nikolauserkannte die Französische Republik an, als die Ver-hältnisse sich im Herbst ans eine Weise gestaltet hat-ten, welche nur geringe Befürchtungen für die Stör-ung des europäischen Friedens übrig ließen und 24.Mai 1849 trat Kisselew seinen Posten als russ. Ge-schäftsträger in Paris an. Um Oesterreich in der Be-wältigung des nngar. Ausstandes zu unterstützen,hatte General Lüders schon Anfang Febr. ein Hilfs-corps von der Walachei nach Siebenbürgen entsen-det, welches aber 20. Mär; von Bein wieder überdie Grenze zurückgedrängt wurde. Um Österreich ansich zu fesseln u. auch Polen vor dem Umsichgreifendes nngar. Aufstandes zu bewahren, versprach Ni-kolaus 2. Mai 1849 Österreich bewaffnete Interven-tion in Ungarn u. beredete 21. Mai das Nähere mitdem Kaiser von Österreich in Warschau. Unter Paske-witschs Führung drangendiernss. Generale in Ungarnvor u. 13. Aug. ergab sich Görgey bei Vilagos demGrafen Rüdiger (s. Ungarn, Gesch.). Wegen der nachder Türkei geflüchteten Magyaren u. Polen fordertegleich dem österr. auch der russ. Gesandte in Consta»-tinopel vergebens ihre Auslieferung; schließlich kam31. Dec. I849dasübereinkommen in Constantinopelzu Stande, wonach die zum Islam übergetretenenpoln. Flüchtlinge in Aleppo internirt, die übrige»aber aus dem Türk. Reiche gewiesen werden sollten.Juni u. Oct. 1850 reiste der Kaiser nach Warschau,um zwischen Österreich und Preußen eine Einigungüber die Deutsche Frage zu vermitteln. Der Kaiserneigte sich dabei der Seite zu, welche sich auf die Ver-träge von 1815 stützte, half den Mittelstaaten gegendie deutschen Großmächte u. veranlaßte Preußen, sichin Olmlltz vor Österreich zu beugen. In dem KriegeDänemarks gegen die deutschen Herzogthümer er-schien eine russ. Flotte an den Küsten Schleswig-Holsteins u. leistete den Dänen, ohne am Kriege selbstthcilznuehmen, mancherlei Vorschub. Mit England,Frankreich, Dänemark und Schweden UnterzeichneteR. 2. Aug. 1850 in London das Protokoll, welchesdie Integrität des dänischen Staates verbürgte undspäter die Zustimmung Österreichs u. Preußens er-hielt. Wegen LerExeculion gegen Griechenland drang

die russ. Regierung daraus, daß die griech. Negier-ung sich mit den Vermittelnngsvorschlägen Frank»