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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

man auch den Zug nach Khiwa, welchen GeneralPerowski 1839 unternahm. Die Russen litten aberauf diesem Zuge durch Kälte u. Mangel so, daß Pe-rowski 20. Febr. 1840 umkehren mußte, fast ohneMannschaft (s. n. Khiwa). Da der Vicekönig vonÄgypten, durch Ersolge übermüthig, der Türkei Ge-fahr drohte, sollte er durch die Londoner Conferenz-mächte zur Unterwerfung unter die Pforte gezwnn-genwerüen. Die europäischen Diplomaten fürchteten,R. werde der Pforte beispringen und den alleinigenRetter spielen; trotzdem gelang es R., die englisch-französische Allianz zu lockern, es näherte sich Eng-land n. 15. Juli 1840 Unterzeichnete in London derGesandte Baron Brunnow den Qnadrupel-Allianz-Bertrag; Mehemed Ali beugte sich der Pforte. R-sWille war durchgegangen, Frankreich isolirt. DieFurcht vor R-S Umsichgreifen nach Westen wurdeallgemeiner, man brachte die fortwährende Ver-größerung N-s in allen Friedensschlüssen, die schlauberechnende Politik des russ. CabinetS, die Besetzungder Suliua, des fast einzig schiffbaren Arms derDonau,inAnschlagu.hieltbes. Prenßendas Schreck-bild des russischen Kolosses vor, welcher sich bald derWeichsel, wo nicht der Oder als Grenze bemächtigenund seine Suprematie ans ganz Europa ansdehnenwerde. Zu dieser Mißstimmung Westeuropas gegenR. trugen mehrere bekannt gewordene Depeschendes russischen Eabinets, welche die Stellung Ver-deutschen Mittelstaaten unter R-s Protection em-pfahlen (s. kortkolio), sowie von R. ansgsgangeneSchriften, welche die Vertheilnng der Klein-4i. Mit-telstaatcn unter die Großmächte verlangten (nament-lich das 1842 erschienene Buch: Die europäischePentarchie) bei, nicht weniger die Furcht vor demvon R. angeregten Panslavismus. In der Moldauu. Walachei übte R. um diese Zeit stets den domini-reuden Einfluß, ebenso in Serbien; auch aus die Vor-fälle in Montenegro wirkte R. ein.

Seit 1833 reorganisirte der Zar die ganze Armee,schuf eine active europäische Armee u. eine aus denin der Linie Ausgedienten bestehende Reservearmeeund machte alle Waffengattungen so kampffähig alsmöglich. Dabei suchte er Unterschleifen u. Unregel-mäßigkeiten im Dienst möglichst vorzubeugen. Auchin Civil gestaltete er Alles in militärischer Form.Obgleich Viele aus seiner einflußreichsten UmgebungDeutschrussen od. Deutschs waren, verbannte Niko-laus so viel wie möglich alles Fremde od. rnssificirtces. In allen nichlrussischen Provinzen wurde dieruss. Sprache eingesührt, in allen Schulen, selbst inden Ostseeprovinzen und Polen, das Erlernen desRussischen zur Pflicht gemacht u. befohlen, daß keinLehrer von 1840 an mehr angestellt werde, welchernicht russisch vortragen könne. In derselben Absichtwurde auch die Annahme deutscher und französischerLehrer u. Gouvernanten erschwert. Nebenher gingdas Streben, die Wiedervereinigung der Unirten-griechischen (Griechisch-katholischen) mit der Russisch-griechischen Kirche zu bewirken. Bon der Synodealler zriech.-kathol. Bischöfe und anderer Geistlichenin Polozk 1839 wurde eine Deputation nach Peters-bnrg gesendet, welche um den Wiederanschluß derKathol. Kirche in R. an dieRuss.-griech. Kirche nach-suchte, was gern gewährt wurde; so kehrten, unge-achtet des Wiberspruches des Papstes, IH Mill.unirteGriechen in den Schooß der Nuss. Kirche zurück, un-

(Gesch.).

terwarfen sich dem Heiligen Synod u. nahmen allegottesdienstlichen Gebräuche der Nnss.-griech. Kirchean. Mit gleicher Consequenz wurden die herkömm-lichen Rechte der Russ. Kirche aufrecht erhalten, sobes. das, daß alle Kinder ans gemischten Ehen, vondenen der eine Theil der Nuss. Kirche angehöre, selbstin den lutherischen Ostseeprovinzen, in dieser erzo-gen werden mußten. Jrrthiimliche Vorstellungen,welche Vortheile der zur Russ. Kirche Übergetretenenwarteten,führten!» den Ostseeprovinzen 1841 zuEx-cessen. — Mit kaiserl. Munificenz ansgestattet, wur-den Werke über Länder- n. Völkerkunde n. Natur-geschichte von der Akademie der Wissenschaften inPetersburg heransgegebsn, die russ. Nationallitera-tnr sehr begünstigt, namentlich die Dichtkunst n. Ge-schichtSknnde, auch viel geihan, um das russ. Natio-naltheater zu heben. Mit dem Streben nach natio-naler Bildung des Volkes stand auch zum Theil dasErschweren der Reisen ins Ausland in Verbindung.Febr. 1845 wurden die Juden den übrigen Unter-thanen R-s gleichgestellt, ausgenommen waren nurdie in den Ostseeprovinzen n. in Sibirien lebenden,sowie die ackerbautreibenden Inden n. die Karaitenin Taurien. In Polen wurde, wie es im eigentlichenR. schon längere Zeit der Fall gewesen war, vom 1 .Januar 1844 die Militärpflicht auch ans die Indenausgedehnt. Den Leibeigenen suchte der Kaiser,hierin von Blndoff (s. d.) geleitet, einen freierenZustand zu verschaffen, so namentlich durch Ukas vom2. April 1842, worin den Gutsbesitzern gestattetwurde, Vergleiche mit ihren Leibeigenen zu schließenu. ihnen Eigenthum zu gewähren, ohne daß sie hier-durch frei wurden, während sie das Recht der Klagegegen ihren Herrn im Falle der Nichterfüllung ihrerVerträge erhielten n. daher den freien Bauern nähergerückt wurden. Für die durch Staatsdienste zumAdel gelangten Leibeigenen wurde durch llkas vom21. Mai 1842 bestimmt, daß sie bis ins dritte Gliedkeine Güter mit Leibeigenen sollten erwerben können.Unterdessen leitete R-s größter Lezist, Speranski (s.d.) die Arbeiten der Gesetzgebungscommission; 1830war der Druck der ersten Section der russ. Gesetzes-sammlung (umfassend die Gesetze von 1649—1825)vollendet u. 1832 erschien der 1833 eingesührte Ltvockod. das allgemeine Reichsgesetzbnch (nur für die Ost-seeprovinzen nicht giltig), sowie 1340 der Militar-8tvc><1; 1833 gründete der Minister des Unterrichtes,Uwarow, die Universität Kiew, er förderte lange denakademischen Unterricht, dann aber beengte er den-selben vielfach, um dem Kaiser zu gefallen, dem dieFreiheit ein Greuel war. R-s Finanzen verbessertensich fortwährend; unter Cancrin stiegen die Einnah-men um 160 Mill. Frs., die Valuta wurde normirtn. die Staatsschulden vermindert. Aller Sparsamkeitungeachtet, führte Nikolaus die ansehnlichsten Bau-ten n. Kunstwerke auf, so wurden Jsaakskirche undAlexandersäule in Petersburg vollendet, das dortigeMuseum u. eine steinerne Brücke über die Newa be-gonnen, der 23. Dec. 1837 abgebrannte Winterpalastbis Dec. 1838 prächtiger wieder hergestcllt, die Gou-veruementsstädte fast sämmtlich mit Regierungsge-bänben verschönert, mehrere Chausseen gebaut, dieangefangenen Kanalbautensor'geführt u. neue unter-nommen, seit 1836 einzelne Eisenbahnen begonnen,eine neue Section des Ministeriums der Wasser- u.Wegcbauten u. für Eisenbahnen geschaffen, u. sowoi