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Rußland (Gesch.).
zerum zur Capitulaüon, besetzte die festen Plätzeringsum und vollendete die Eroberung Armeniens.Die Einnahme von Adrianopel und die BedrohungConstantinopels machten den Sultan nachgiebigeru.durch preußische Vermittelung kam 14.Sept. 1829der Friede zu Adrianopel zu Stande. Die russisch-türkische Grenze blieb dieselbe wie vor dem Kriegeu.R. trat die Inseln im Donaudelta ab, dessen Süd-nfer auf 2 Stunden Entfernung unbewohnt bleibenmußte. In Asien behielt N.dic erobertenKüstenplätzevon Anapa bis Poti n. erhielt die Städte und Ge-biete Achalzikh n. Achalkalaki, sowie Handelsfreiheitfür seine llnterthanen im ganzen Türkischen Reicheund gleich allen Rationen freie Schifffahrt auf demSchwarzen Meere. Die früheren, R-s Einmischungso günstigen Bcrträge über die Donaufürstenthllmerwurden erneuert, deren Hospodare für lebenslänglichernannt. Die Pforte trat dem Vertrage v. 0. Juli1827 bei n. mußte 11 iMill. Holland. Dncatcn Kriegs-kosten n. 1 ß Will. Dncatcn für die Verluste der russi-schen Kauflenre bezahlen. Bis zum Abträgen dieserSchuld blieben Moldau n. Walachei von Russen be-setzt. In Teheran wurde 12. Febr. 1829 der russischeGesandte Gribojcdow bei einem Volksanflanfe er-mordet und die Bevölkerung forderte mit Ungestümden Krieg gegen R.; aber der Schah sandte den Thron-folger Abbas-Mirza zu Nikolaus, versöhnte ihn underlangte einen Nachlaß an der Äriegsstcner.
Unterdessen war im Innern eine Gcncralcontroleder Ministerien u. des Senats, unter eigener Auf-sicht des Kaisers, u. eine Controls des Rechnungs-wesens organisirt worden, um willkürlichen Ver-schleuderungen vorzubcugen. Der Kaiser errichtetebei Saratow zur Hebung des Landbaues Landwirth-schaftsschulen u. gab den Gutsbesitzern der Ostsee-Provinzen Vorschüsse zur Veredlung der Schafzucht;auch errichtete er Erziehungsanstalten für die No-madcnvölker. Die Provinz Kantasien wurde 1827neu organisirt. Am 24. Mai 1829 ließ sich der Kai-ser in Warschau auch zum König von Polen krönen.Die große Knnststraße von Petersburg nach Moskauwurde beendigt; die Grabung des Kanals zur Ver-bindung der Wolga mit der Moskwa fortgesetzt, eineSynode zur Entwerfung eines Reglements für dieEvangelische Kirche 17. Oct. eröffnet u. 4. Nov. inPetersburg ein Handelsconseil errichtet.
Die Jnlirevolution in Frankreich zog R-s Auf-merksamkeit auf sich. Wenn auch Nikolaus die letz-ten Schritte Karls X. mißbilligt hatte, so war er dochüber Ludwig Philipps Thronbesteigung so entrüstetund betrachtete ihn derart als illegitimen Herrscher,daß es beinahe zum Bruche gekommen wäre; diesverhüteten Lieven und Pozzo di Borgo. Die harteBehandlung Polens durch den despotischen Nikolausführte 29. Novbr. 1830 in Warschau zum Aufstandgegen die russische Herrschaft, worauf der GroßfürstConstantin die Stadt verließ und nach vergeblicherUnterhandlung es im Februar 1831 zum offenenKampfe kam. Die Russen rückten unter Dicbitschin Polen ein, Nikolaus wurde nebst feiner Familien5. Jan. 1831 vom polnischen Reichstage der pol«Äschen Krone verlustig erklärt, nach entsetzlichenKämpfen trat schließlich Paskewitsch die Revolutionnieder u. nahm Warschau durch Capitulaüon 7. Sept.1831 (s. u. Polen, S. 510). Der Kaiser schwer ver-letzt, verfuhr mit äußerster Strenge gegen Polen,
das gänzlich mit R. vereinigt wurde (s. Polen).Von nun an zeigte sich Nikolaus, der R. zur lleber-macht in Europa verhelfen wollte und zumal aufDeutschland einen directen Einfluß anszuüben be-gann, der Erhaltung des europäischen Friedens ge-neigt, und Fürst Lieven nahm sich warm der Aner-kennung der Unabhängigkeit Belgiens auf den Lon-doner Conferenzen 1831 an. Als 1832 die Pfortevon dem Vicekönig von Ägypten bekriegt wurde,half R. den Türken, um seinen Einfluß im Orientezu vermehren, riefseinen Consnl aus Alexandria abn.bis 14.April 1833 lagen dreiruss.Flottendivisionenunter Lazarew im Bosporus, ein Corps von 13,000Mann Landtrnppen unter Mnrawicw lagerte sichzwischen Beikos u.Huukiar-Jskelessi an derasiatischcnKüste. Ägypten gab nach u. die Pforte schloß 8. Juli1833 die Defensivallianz zu Hnnkiar-Jskelessi mit R.(Orlow), wodurch sie außer Bestätigung des Adria-uopler Friedens dem Kaiser von R. versprach, denKriegsschiffen fremder Mächte die Dardanellen zuverschließen, R. aber sich verpflichtete, im Fall einesKrieges stets der Pforte beiznstchen. So ward dasSchwarze Meer zum russischen Binnensee und dieStraße nach Constantinopel R. gebahnt. Sogleichregte sich die Eifersucht Englands und Frankreichs,beide protestirten umsonst in Petersburg, aber 1837nach seinem Ablaufe wurde der Vertrag von Hnn-kiar-Jskelessi nicht erneuert. R-s Einfluß auf disPforte wurde allgewaltig, letztere geradezu von Pe-tersburg ausbevormundcr. Nach wiederholten Nach-lässen an der in Adrianopel stipulirten Kriegscon-tribntion von 10 Will. Ducaten wurde 27. März1830 in einer Convention, die der Gesandte Bnte-niew mit der Pforte schloß, dieser die Hälfte derKriegsschuld erlassen. Die russ. Truppen räumtendie Donaufürstenthümer, nur Silistria blieb bis zurvölligen Lösung der Verbindlichkeiten von R. besetzt;Septbr. 1836 verließen die Russen auch Silistria,nachdem die Schuld bezahlt war. Gegen die pol-nische Emigration stellte 'Nikolaus strenge Untersuch-ungen in R. und Polen an; 27. Febr. 1839 wurdeGrafSimonKonarski hingerichtet, mehrere Genossenwurden exilirt u. die Universität Kiew auf ein Jahrgeschlossen. Auch nahm R. an der vorübergehendenBesetzung Krakaus, wo der Herd der Unzufriedenheitu. der Jntrigue war, Febr. 1836 in Verbindung mitÖsterreich u. Preußentheil (s. u. Krakau). Hingegenwurde die Grenzsperre zwischen R. und Polen ver-suchsweise aufgehoben u. 1842 selbst ein Senat wie-der für Polen eingefllhrt (s. u. Polen). Im Kauka-sus herrschte in diesen Jahren ein unaufhörlicherkleiner Krieg zwischen den Tscherkessen und Russen,der trotz aller Anstrengungen zu keinem Resultatsühne (s. Kaukasien S. 322).
Der Eifersucht Englands gegen R. gab besondersder Orient neue Nahrung; R. strebte, seine Machtin Mittelasien zu mehren und beherrschte seit 1834völlig den Schah von Persien. Es galt als Demon-stration gegen die Briten in Indien, daß der Schahauf den Rath des Grasen Simowitsch, rnss.Gesandtenin Teheran, und unter Beirath u. Begleitung russ.Offiziere 1837 eine Expedition gegen den mit denEngländern befreundeten Schah von Herat unter-nahm, welche jedoch mißglückte. Als einen anderenVersuch sich in Mittelasien festznsetzen n. einen ein-stigen Zug nach Indien zu ermöglichen, betrachtete