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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland

Schuldigen sprach 24. Juli 1826 ihr Urtheil überdie Angeklagten, welches der Kaiser etwas milderte;Pestel, Murawiew-Apostol, Bestnschew-Rjuniin, Ry-lejeff und Kahowski wurden 25. Juli gehängt, derseige Trnbetzkoi (auf Fürbitte seiner Gemahlin vomTode gerettet) nebst 84 andern (unter ihnen der Dich-ter Bestnschcw) nach Sibirien zur Zwangsarbeitverurtheilt od. ans ewig nach Sibirien verbannt, wosie aber nach u. nach begnadigt wurden; die Regi-menter, welche zur Empörung mitgewirkt hatten,wurden gegen die Bergvölker des Kaukasus u. gegenPersien gesendet. Aber auch zur Abstellung der beider Untersuchung aufgefundenen Mißbräuche wurdenMaßregeln ergriffen, eine große Menge untreuerBeamten abgesetzt, eine genauere Controle der öffent-lichen Einnahmen u. Ausgaben eiugefllhrt und dieAusgaben des Staates gleich zu Anfang um 67Mill. Rubel Papier vermindert, die Gcsetzgebungs-commission zur Beschleunigung ihrer Arbeiten an-gctrieüen. Die Meuterei der Militärcolonie derGrenadiere bei Nowgorod, in denen sich eine bedenk-liche Mißstimmung offenbart hatte, wurde durch dieEnergie des Kaisers im Entstehen unterdrückt u. sicerhielten verbesserte Statuten u. Erleichterungen desDienstes. Am 3. Sept. 1826 ließ sich Nikolaus mitseiner Gemahlin Alexandra zu Moskau krönen. Un-ter den erfolgenden Organisationen sind zu nennen:die des Ministerconseils, die Errichtung der direct vonNikolaus geleiteten Kanzlei des Kaisers, die Hilfsge-richtshöfe zur Beendigung verzögerter Processe unddie Organisation der Lriminaljustiz. Für den ge-lehrten und den Volksnnterricht wurden feste Vor-schriften erlassen. Unbedingte Herrschaft im Innern,schonungslose Unterdrückung jeder Opposition auchauf Kosten des Fortschrittes, Vervollkommnung desstehenden Heeres u. Erweiterung seines Einflussesans Europa — das waren des Kaisers Ziele.

An dem Prohibitivsystem wurde zum Nachtheileder Industrie sestgehalten, die Censnr handhabteman rigoros u. machte ans R. ein geistiges China.Auf die Nachricht von der Empörung gegen denneuen Kaiser, fiel 1826 der persische ThronfolgerAbbas-Mirza mit 30,000 Mann in das rnss. Gebietein u. drang bis Jelisawetpol vor. Der rnss. Statt-halter Jermolow zog Truppen ans Georgien herbei,sein Unrerfeldherr Paskewitsch schlug die Perser 25.Sept. bei Jelisawetpol n. Dhejam, zwang sie Jeli-sawetpol zu räumen u. Jermolow warf sie über denAraxes zurück. Der Winter unterbrach die Feind-seligkeiten. Unter dem neuen ObercoinmandantenPaskewitsch begann 27. April 1827 der Feldzug mitder Eroberung des Klosters Etschmiadzin. DemGeneral Pankratiew gelang es, dem Mekhri-KnliKahn n. den Sultan der Schachlinen zum Abfall vonPersien zu bewegen. Am 9. Juli rückte Paskewitschin Nachitschewan ein, schlug die Perser 14. Juli beiDjeham-Bulak völlig, eroberte 18. durch Capitula-tion die Festung Abbas-Abad u. drang in die Pro-vinz Eriwan ein, deren Bewohner sogleich von Per-sien abfielen. Nach Erstürmung der Feste Sardar-Abad 1. Octbr. schritt Paskewitsch zur BelagerungEriwans, das sich 25. Oct. ergab. Am 31. Üct. zogPaskewitsch in Täbris ein u. ganzAserbeidschan warin seiner Gewalt. Abbas-Mirza bat um Frieden u.unterhandelte darüber seit 23. November. Persientrat an R. die Provinzen Eriwan u. Nachitschewan!

(Gesch.).

ab u. zahlte 18 Mill. Rubel Kriegskosten. Da je-doch der Schah, auf einen türk.-russ. Krieg speculi-rend, diesem Frieden die Ratification verweigerte, soließ Paskewitsch Lurch Pankratiew 15. Jan. 1828Urmia und durch Snchtelen Ardebil nehmen, undnun willigte der Schah im Definitiv-Friedcn zuTurkmantschai 25. Februar 1828 in die Bedin-gungen, mußte aber 20 Millionen Rubel Kriegs-küsten zahlen, die Salinen von Kulpi abtreten n. denRussen große Handelsvortheile gewähren. DieseEr-obernngen wurden mit R. unter dem Namen Ar-menien vereinigt, die dortige Kirche trat unter R-sSchutz. Die Verhältnisse mit der Türkei gestaltetensich immer drohender; der Vertrag von Akjermanvom 6. Oct. 1826, worin die Psortc versprach, derrussischen Flagge freie Fahrt auf dem SchwarzenMeere n. allen türkischen Gewässern zu gewähren n.die Verhältnisse in Serbien, in der Moldau n. Wa-lachei im russischen Interesse geregelt wurden, warnicht erfüllt worden; daher wurden die an der türki-schen Grenze stehenden russischen Truppen auf demKriegsfuß gehalten n. der Aufstand der Griechen ge-gen die Türkei jetzt für das eigene Interesse benutzt.R. schloß mit Frankreich und England den Triple-Allianz-Vertrag zu London 6. Juli 1827, wodurchGriechenland als unabhängiger Staat anerkanntwurde. Da die Pforte hiervon nichts wissen wollte,vereinigte sich zunächst die ans 3 Linienschiffen n. 4Fregatten bestehende russische Flotte unter Heydenmit der britischen n. französischen n. vernichtete mitdiesen 20. Oct. 1827 in der Bucht von Navarin dieägyptisch-türkische Flotte (s. Griechenland, Gesch.§.).Da die Pforte auch jetzt den Vertrag vom 6. Julinicht annahm, so verließ der russische Gesandte, Mar-quis de Ribeanpierre, mit denen Englands n. Frank-reichs Constantinopel, 16. Dec. Die Pforte suchtenun mit R. wieder anznknüpfen, aber Nesselrode (s.d.) beantwortete das Schreiben des Großvezirs garnicht. Darauf überschritt das russische Heer unterWittgenstein (105,000 Mann) 7. Mai 1828 denPruth, besetzte die Moldau u. Walachei, belagerte u.eroberte Braila und rückte dann nach mehrerenKämpfen vor Varna, welches durch Bestechung 11.Oct. genommen ward, dagegen mußte die Belager-ung von Silistria u. Schninla wegen des nahendenWinters aufgehoben werden n. die Russen sich in dieDonaufllrstenthümer in die Winterquartiere zurllck-ziehen. Weit erfolgreicher war Paskewitsch auf demasiatischen Kriegstheater. Am 1. Juli 1828 schluger die Türken bei Kars, erstürmte diese Festung 5.Juli, eroberte 5. Aug. Achalkalaki, nahm Gertwissyu. Poti, schlug die Türken bei Achalzikh 17. u. 24.Aug. u. nahm Achalzikh im Sturme 27. Ang. ImSept. war er Herr des Paschaliks Bajesid. ImWinter vermehrte sich das russische Heer sehr bedeu-tend. Anstatt Wittgensteins wurde Diebitsch 1829Oberbefehlshaber, Sieg auf Sieg fiel ihm zu. Am11. Juni vernichtete er den Großvczier bei Kulew-tscha, 30 Juni fiel Silistria, dessen Belagerungs-corps stieß zur Hauptarmes n. Diebitsch überschritt,was noch kein russischer Feldherr gewagt, im Juliden Balkan. Nach lauter glücklichen Gefechten nahmer 20. Ang. Adrianopel, von wo aus er Constan-tinopel bedrohte. Paskewitsch schlug 30. Juni dieTürken bei Kinly und 1. Juli bei Milli-Dnze, nahm! 5. Juli die Festung Hassan-Kale, zwang 9. Juli Er-