490
Rußland (Gesch.).
unter Lazarew und 29. Jan. 1801 wurde Georgienszur russ. Provinz erklärt; sie erschien Paul als Sta-!tion nach Indien, wo er das brit. Reich am Indus >u. Ganges zerstören wollte. Inzwischen wurde Paul!immer unberechenbarer, seine eigeneFamilie zittertevor Exil; trotz seiner Erbfolgeordnung wollte er denPrinzen Eugen von Württemberg zum Thronfolgermachen; da bildete sich unter Mitwissen des Groß-sürsten-Thronfolgers eine Verschwörung, um ihn ab-zusetzen; ihre Häupter waren Pahlen, Bennigsen,Subow, Panin, llmarow u. A.; da der überfalleneKaiser sich wehrte, wurde er im Michailowschen Pa-lais in Petersburg 23./24. März 1801 in der Nachterwürgt.
AlexanderI. Pawlowitsch, sein ältester Sohn,wurde, die Thronabsichten seiner Mutter Maria ver-eitelnd, Kaiser u. 27. Sept. in Moskau gekrönt. AlsTriumvirat stellten sich neben ihn Platon, Snbow,Pahlen u. Bennigsen, des Vaters Mörder, mit ein-ander uneins n. allmählich ihr Ansehen verlierend.Alexander hob alle drückenden, die persönliche Frei-heit und den Handel beschränkenden Verordnungenauf, gestattete den Ausländern wie ausländischenBüchern den Eintritt ins Reich, milderte die Censnrwesentlich, beseitigte die Geheime Expedition, gabder Garde, dem Adel, der Geistlichkeit u. den Bür-gern die ihnen genommenen Rechte zurück u. wollteunparteiisches Recht walten lassen. Anstatt der un-regelmäßigen kaiserl. Rathsversammlungcn führteer einen permanentenReichSrath ein, die innere Ver-waltung wurde ganz nmgestaltct. Der Senat wurdeder höchste Reichsgerichtshof n. anstatt der collegia-lischen Verwaltung verantwortlicheFachminister ohneBeiräthe eingesührt. Die Vertrauten Alexanders,Stroganow, Nowossilzow und Czartoryski, leite-ten nachdem Abgänge des oben genannten Trium-virats mit Alexander die Staatsaffaircn. Mit derGesetzgcbungscommission, die noch wenig leistete,wurde eine Nechtsschnle in Verbindung gesetzt, 20.Sept. 1802 ein Ministerium der Volksansklärnngerrichtet, neue Universitäten (Dorpat, Kasan n. Char-kow), Akademien, Gymnasien u. Schulen gegründet,vorhandene reorganisirt u. erweitert, Versorgnngs-anstallen für die Wittwen u. Waisen der Soldatengestiftet, durch das Edict vom 24. Dec. 1801 denFreigelassenen und Kranbauern das Eigenthums-recht ihrer Grundstücke gegen einen Grundzins zu-gesichert; auchsollte die KrouekeineBaneru mehr ver-schenken u. durften solche nicht mehr in den Zeitungenfeilgeboten werden. Mit England stellte Alexandersogleich das gute Vernehmen her n. 17. Juni 1801Unterzeichnete Panin die England vortheilhafteSee-n. Handelsconvention, dabei verzichtete Alexanderabsolut aus Malta; mitSchweden schloß er 11.Jnni1801 einen Freundschafts- u. Handelsvertrag, mitFrankreich 11. October u. mit Spanien 5. OctoberFrieden. Mit Frankreich, dem zu Liebe er den vonPaul stets gehaltenen König von Sardinien hattefallen lassen, schloßAlcxander 4.Juni1802 eineCon-ventiou wegen der Entschädigung deutscher Staatenfür die an Frankreich abgetretenen Länder und ord-nete mit dieser Macht gemeinschaftlich DeutschlandsVerhältnisse, freilich stets hinter Bonaparte stehend.Nur mitPersien wurde derKrieg fortgesetzt, 9.März1803 einSieg über die Lesghier erfochten, Mingrs-lien u. Jmeretien 1804 besetzt, 20. Juni vom Für-
sten Zizianow die Schlacht bei Ctschmiadzin gewon-nen u. 26.Juni derSanghi überschritten, aber Eri-wan konnte nicht genommen werden; 15. Sept. tra-ten die Russen den Rückzug nach Grusien au. Den-noch behauptete sich Las Übergewicht der russischenWasfsnmacht u. Georgien mit Jmeretien bliebenR.einverleibt. Alexander hob daS Manusacturwesen u.den Handel R-S, gab ein Seereglement, legte neueKanäle n. Wasserstraßen an, förderte Civilisation u.Kenntnisse, machte Odessa durch Richelieu zum gro-ßen Handelsplätze, ebenso Taganrog, besiedelte dasLand zwischen Bug, Dnjcstr und Dnjepr, bes. mitdeutschen Colonisten, konnte aber wegen der allrus-sischen Vornrtheile nicht nach seinen Intentionen dieLeibeigenschaft beseitigen. Mittlerweile erkaltete dieFreundschaft Rußlands gegen Bonaparte, der Han-nover u. Neapel hatte besetzen lassen und täglich an-maßender wurde, und als derselbe endlich durch dieHinrichtung des Herzogs von Enghicn offenbar dasVölkerrecht verletzte, protestirte R. in RegenSbnrg u.Paris Mai 1804 dagegen und brach förmlich mitFrankreich. Alexander erkannte Napoleon nicht alsKaiser an n. wollte mit Pitt gegen ihn die legitime»Eabinete alliiren. Am 6. Nov. 1804 schloß er eineDefensivalliauz mitÖsterreich gegen Napoleons-Über-griffe, 14.Jan. 1805 trat er zu dein schwedisch-eng-lischen Bündnisse n. 11. April schloß er eine Allianzmit England; Preußen beiznziehen, gelang erst nachder Verletzung des Ansbacher Gebietes durch Napo-leon u. Alexander kam nun Oct. 1805 nach Berlin,wo er am Sarge des Alten Fritz enge Freundschaftmit dem Könige schloß. Das erste u. zweite russischeHeer länderen 20. Nov. n. 12. Oct. in Neapel undSchwedisch-Pommern, erreichten aber sehr wenig;das dritte, 30,000 Mann stark, unter Golenistschew-Kntnsow, verband sich mit dem Heere unter Buxhölv-den 18. Nov.; Alexander selbst kam; nach der ver-lorenen Schlacht bei Austerlitz schlossen die Russe»,plötzlich ganz entmuthigt, hier einen Waffenstillstandu. traten den Rückzug an (vgl. Österreichischer Krieggegen Frankreich von 1805), setzten den Krieg mitFrankreich nur in Dalmatien fort ».besetzten 3. März1806 die BocchadiCattaro. DieTrnppen ans Nea-pel und Hannover wurden abbernfen. Selbst ohneEnglands Beitritt wollte Alexander nun mit NapoleonFrieden schließen, wie Czartoryski rieth; der Gesandtein Paris, Oubril schloß wirklich 20. Juli einen Frie-densvertrag, aber Czartoryskis Nachfolger, Baro»Budberg, verwarf denselben 15. Aug. Alexanderverband sich nun mit Preußen und erließ 28. Nov.
1806 einMauifest gegenFrankreich. Napoleon abermachte eine energische Unterstützung Preußens durchR. unmöglich, indem er die Pforte zum Kriege gegenR. hetzte. General Michelson rückte mit 50,000 Rus-sen 27. Dec. 1806 in Bukarest ein. Erst nach de»Niederlagen Preußens bei Jena u.Auerstädt erschie-nen die russischen Heere an derWeichsel u.nahmenai»Preußischen Kriege gegenFrankreich theil (s.Preuß.-Russ. Krieg gegen Frankreich 1806 n. 1807). Am26. April 1807 schloß Alexander mit Preußen z»Bartenstein ein neues Bündniß gegen Napoleon.Nach der verlorenenSchlachtbeiFriedland 14.Jnni
1807 aber wurden die Russen bis an ihre Grenze»zurückgedrängt, Alexander brach mattherzig zusam-men, gab seinen treuen Alliirten Preußen verräthe-risch preis und schloß 7. Juli den Frieden zu Tilsit