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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gesch.).

(s. Polen, Gesch.). Am 3. Jan. 1795 schlossen Öster-reich u. N. einen geheimen Bund gegen die Türkeiu. Preußen u. theilten Polen; trotz allen Widerstre-bens mußte Preußen dann den TheilungsvertragOct. 1795 so annehmen, wie Katharina u. Thugutihn adgesaßt. Bei dieser letzten Theilnng Polens er-hielt R. 2030 mit über 1 Mill. Seelen. DerHerzog von Kurland, dessen Gebiet in dem N. zu-fallenden Theil begriffen war, fügte sich gegen Jahr-gchalt 28. Marz 1795 und damit wurde Kurlandnebst Semgallen R. einverleibt. An dem Franzos.Revolutionskriege nahm R. während Katharinas Re-gierung keinen thätigen Antheil, nur hetzte sie stets,um leichter in Polen wirthschaften zu können, diedeutschen Großmächte gegen die dortige Revolutionan und hob selbst den mit Frankreich geschlossenenHandelsvertrag ans. 1796 begann sie einen Kriegmit Persien zur Vertheidigung von Georgien u. an-derer kaukasischen Länder und sandte ein Heer unterValerian Subow, dem Bruder ihres letzten einfluß-reichen Günstlings, um die Provinzen zunächst demKaspischen Meere zu erobern; bald lag ganz Aser-beidschan offen vor ihm. Da aber starb, von dem jun-gen Schwedenkönig tödtlich beleidigt, Katharina II.an einem Hirnschlage 17. Nov. 1796, im Begriffe,ihren verhaßten Sohn Paul von der Thronfolgeausznschließen und sie ihrem Enkel Alexander zuzn-wenden. Während ihrer 'Regierung war R. umüber 10,000 ffZM vergrößert worden.

Der glänzendsten Regierung folgte jetzt eine dertrostlosesten: Paul I. Petrowitsch war bei Lebzeitenseiner Mutter von aller Theilnahme an den Staats-geschäften entfernt u. mißtrauisch bewacht worden.

! Nun Zar, bestrafte er voll Haß gegen Katharina u.s voll Pietät gegen Peter III. die an dem Tode seinesf Vaters hauptsächlich Betheiligten mit Verbannung,^ vergriff sich selbst an Potemkins Asche, begnadigtek dagegen viele politische Exilirte u. entließ die polni-^ scheu Gefangenen, z. B. Koscinszko. Den Snbsidien-; vertrag mit England löste er auf u. ließ die von Ka-s tharina II. befohlene Aushebung der Rekruten ein-> stellen, da er den Staat in keinen neuen Krieg ver-f wickeln wollte; den Krieg mit Persien brach er plötz-! lich ab und überließ die transkaukasischen Gebietef ihrem Schicksale. Am 16. April 1797 ließ er sich inj Moskau krönen n. durch das Thronfolgegesetz vomf 16. April 1797 hob er Peters I. Thronfolgeordnungauf u. führte das Recht der Erstgeburt in der männ-lichen Linie ein; falls diese ausstürbe, sollte die weib-liche succediren. Paul ließ sich einfach von augen-blicklichen, oft sehr verschrobenen Eingebungen bestim-men. Erwachte viele durchgreifende Veränderungen,hob die meisten von seiner Mutter getroffenen Ein-richtungen auf u. beförderte ebenso rasch Begünstigte,wie er sie gleich den tüchtigen Beamten der Mutterwieder fallen ließ. Seine Reformen im Militärwe-sen, Rückführung auf prcuß. Muster, wurden in be-sonders für die Garde beleidigender Weise dnrchze-/ führt, der Adel vielfach verletzt; Verletzungen im Ci-^ > vildienste wurden schwer geahndet. Die Unzufrieden-heit von Adel, Militär und Beamten machte Paulimmer argwöhnischer u. seine geheime Polizei gabdann die Unterthanen boshaften Angaben Preis;^ ebenso verschärfte er die Censnr ungemein. Um disVerbreitung revolutionärer Gesinnungen vom Aus-^e, des. von Frankreich her zu verhindern, wurde

allen Russen der Aufenthalt iin Auslände untersagt,den Ausländern der Eintritt ins Reich erschwert u.so der Handelsverkehr beschränkt. Die auswärtigeverzinsliche Reichsschnld belief sich auf 46 Mill. 'Rbl.,das Papiergeld, im Werihe tief gesunken, auf 157Mill. Im Änsgabe-Etat R-s stand ein permanentesDeficit; Pauls Reformen auch auf diesem Gebietegenügten nicht, um dauernde Ordnung zu schassenund nützlich nmzugestalten. Den Ostseeprovinzengab Paul ihre alte beliebte Verfassung zurück, ebensozum Theil Len Kosaken. Pauls Hauptgünstliuge wa-ren Rostoptschin,Araktschejew u.der ganz erbärmlicheKutaissow. Österreich u. Preußen wollte Paul einan-der nähern, um dann mit ihnen gegen Frankreich auf-treten zu können. Bei Preußen scheiterte er, aberThugut hielt ihn fest. Paul nahm das Emigranten-corps Coudes in Sold u. gewährte Ludwig XVIII.ein Asyl in Mitau. 1798 trat Paul I. mit den gegenFrankreich kriegführenden Mächten in Verbindung,sandte eine Flotte an die holländische Küste; 1798,als er eben die Schirmvogtei Maltas übernommen,nahm Bonaparte dies weg; Paul tobte n. beschloßden Krieg gegen Frankreich, vereinigte 20. Sept.seine Flotte mit der türkischen, eroberte damit dieJonischenJnseln, nachdem er mit Österreich 9.Ang.eine Osfensivalliauz gegen Frankreich geschlossen,schloß 29. Dsc. einen neuen Subsidienvertrag mitEngland u. stellte 1799 ein Heer von 80,000 Mannunter Snworow in Italien auf. Paul sann jetzt dar-auf, Großmeister des Malteser-Ordens zu werden,erklärte sich wirklich 7.Nov. 1798 als solchen n. ver-theilte Len Orden, einzig nach seiner Willkür han-delnd; an der Spitze dieses Ördens wollte er denKreuzzng des gestimmten monarchischen Adels Eu-ropas gegen die Revolution leiten. Die Jesuitenmachten in R. große Fortschritte und Cardinal Littasuchte die Römische Kirche auszubreiten. Snworowdrang ,indeß siegreich in Italien vor, aber die Eifer-sucht Österreichs hemmte ihn überall; mitten aus sei-nen Erfolgen rief ihn Paul nach der Schweiz ab, erging über den St. Gotthard, sein General Korsakowverlor dis Schlacht bei Zürich und Snworow bezogQuartiere bei Memmingen, Oct. 1799; Paul riefihn heim nach R. 1799 ließ er feine Flotte mit denösterreichischen u. türkischen Truppen u. den italie-nischen Insurgenten Ancona belagern, erlitt aberdurch die Österreicher die schmählichste Behandlung.Ebenso scheiterte die englisch-russische Flottenuuter«nehmung auf Holland u. der Plan auf die Insurrek-tion der Vendee (s. Französischer Revolutionskrieg).Auch mit Spanien, als Verbündetem Frankreichs,war Paul im Krieg. Erbittert über den geringenErfolg seiner großen Anstrengungen in diesem Kriegeund gekränkt von England u. Österreich, näherte ersich 1800 Frankreich, da Bonaparte ihm durch Ge-schenke und wolfeile Zuvorkommenheiten zu schmei-cheln wußte. Er entfernte Ludwig XVIII. aus Mi-tau u. alle Emigranten aus R., untersagte den Ver-kauf von Schiffsbaumaterialien nach England, riefseine Gesandten aus London n. Wien zurück u. legteBeschlag auf alle englischen Schiffe in den russischenHäfen. Nur der Seekrieg, bes. im Mittelmeer, dauerterussischer Seits fort u. Korfu wurde 1800 von denRussen besetzt, wodurch sich deren Ansehen im Mit-telmeere bedeutend steigerte. Zum Schutze gegenPersien sandle Paul 1800 Georgien Hilsstruppeu