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Rußland (Gesch.).
Rebellenheer zu theilen und Pugatschew zu fangen,welcher in Moskau 21. Jan. 1775 hingerichtet wurde.
Die Kaiserin fuhr nun in der Organisation ihresReiches fort, errichtete 1774einHandelsgericht, gab1775 Gesetze gegen den Luxus u. schuf aus SieversRath die Statthalterschaftsverfassung, eine systema-tische Provinzialorganisation. Wiederholte Verschwö-rungen bestand sie siegreich. In Schweden die Ver-wirrung zu erhalten, schürte die Kaiserin durch ihremit Geld nicht sparsamen Gesandten die Oppositiongegen das absolute Regiment Gustavs III. Sie lagjetzt unter dem Banne Potemkins (s. d.), der bis zumTode ihr erster Rath blieb und der ihrer Phantasiedurch abenteuerliche Plane schmeichelte. Gewissen-u. sinnlos wurde währenddem R. mit unfundirtcmPapiergelde überflnthet. 1777 u. 1778 besetzten dieRussen die Krim. Katharina beschleunigte, alsin Deutschland der Bayer. Erbfolgekrieg ausbrach,durch die Drohung, Preußen beiznstehen, 1779 denFrieden zu Teschen. Aus Anlaß der Beleidigungder russ. Flagge durch Spanien stellte R. den Grund-satz auf, daß Schissen mit neutraler Flagge der Han-del mit den kriegführenden Mächten, ausgenommenmit Kriegsbedürfnissen, erlaubt sei u. stiftete damit1780 die bewaffnete Neutralität, der Dänemark,Schweden, Preußen u. Portugal bcitraten; Englandwar höchst unzufrieden damit, durfte sich aber nichtöffentlich dagegen erklären. Als Kyrill Rasumowski(s. d.) darauf ausging, die Hetmanswllrde der Uk-raine in seinem Hause erblich machen zulassen, wurdesie ihm Nov. 1764 entzogen u. um der Unordnungdort ein Ende z» machen, die Verfassung der Kosakenaufgehoben, die Ukraine eine einfache Provinz R-s.Um das Bündniß N-s mit Preußen zu trennen nndR. an sich zu fesseln, veranlaßte Kaiser Joseph II.1780 eine Zusammenkunft mit der Kaiserin Katha-rina zu Mohilew. Ein neuer Eroberungsplan wurdehier mit Österreich verabredet; der Sturz des Tür-kischen Reiches u. die Errichtung eines griechischenKaiserthums unter ihrem Enkel Constantin mitder Hauptstadt Byzanz war immer die Absicht Ka-tharinens , Potemkin hofste für sich auf einen StaatDacien. Das förmliche Bündniß beider Mächte ge-gen die Pforte kam 18. Mai 1781 zu Stande, wäh-rend Preußen offenkundig vernachlässigt wurde.Gestützt auf Österreichs Beistand, erweiterte R. seineForderungen an die Pforte u. veranlaßte im April1783 den Khan der Krim, Schahin Ghirai, seinLand an R. gegen Jahrgehalt abzutreten (s. Krim,Gesch.). Unter scheußlichem Blutvergießen wurdendie Tataren gezwungen, sich R. zu fügen. Durchruss. Jntriguen bewogen, unterwarfen sich auch diegeorg. Fürstenthümer Karthli u. Kakheti 1783 R.Aus LieEroberung der Krim hin rüstetesich die Pforte,Frankreich verwandte sich für sie bei den Cabinetten,vermochte aber R. gegenüber nichts und vermittelte8. Jan. 1784 einen Frieden, in welchem die Krimnebst der Halbinsel Taman u. die Kubanische Steppean N. abgetreten wurde; hieraus bildete man dasGouvernementTaurien. Dadurch bekam R.dieHerr-schaft auf dein Schwarzen Meere u. auf allen Flüs-sen des türkischen GebietcsfreieFahrt. DieProjecleJosephs II. ans Bayern fanden bei Katharina Un-terstützung, während sie den Fllrstenbund ungernsah. 1787 fand eine neue Zusammenkunft derKaiserin mit Joseph II. zu Cherson, Potemkins
Gründung, statt. Auf der Reise dahin war es, woPotemkin durch seine Blendbilder (s. unter Potcm-kin und Katharina 8) ihr den Glauben beibrin-gen wollte, als habe er so rasch die früheren Step-pen cultivirt. Heer u. Flotte waren unter Potem-kins gewissenloser Wallung zerfallen u. mit Bangenging R. in den neuen Krieg, den ihm die Türkei 24.Äug. 1787 nach verschiedenen Reibungen erklärte.Russische Heere drangen unter Numanzow und Po-temkin in die Moldau und ans Oczakow vor, richte-ten jedoch nichts aus; Suworow aber hielt Kinburngegen die Türken u. vernichtete 12. Oct. ein Corps.1788 übernahm Potemkin den Oberbesehl, eroberteaber erst nach langer Belagerung 17. Dccbr. 1788Oczakow. Die russ. Flotte hatte 28. — 29. Juni
1788 unter dem Prinzen von Nassau-Siegen bedeu-tende Vorthcile über die türkische bei Glübokoje er-rungen. Der Feldzug von1789 gewährte den Russengrößere Vortheile, l. Mai wurde Galatz durch Ka-menski, 13. Oct. Akjerman durch Platow u. 14. Nov.Bender durch Potemkin erobert, 1. Ang. siegte Su-worow mit den Österreichern unter Prinz Coburgbei Fokschaui u. 22. Sept. bei Martineschti; 22. Dec.
1790 erstürmte Suworow Ismail. Schweden, längstvon R. schwer gereizt, hatte inzwischen 1788 auchden Krieg erklärt, u. R. konnte nur ein kleines Corpsunter Graf Mnssiu-Puschkiu in Finnland aufstelleu.
1789 u. 90 fielen die Hauptschläge. Die Schwedensuchten vergebens 1789 Fredrikshamm zu nehmen;das Seegefecht vom 26.Juli blieb unentschieden, hin-gegen wurde dieScheerenflotte 24. Aug.bei Fredriks-hamm u. 1. Sept. bei Högfors durch die russische un-terdem Prinzen vonNassau-Siegen geschlagen. 1790versuchte Gustav abermals die Einnahme von Fre-drikshamm, 14. Mai erlitt der Herzog von Söder-manland eine Schlappe vor Reval, bald darauf wurdedie schwedische Flotte von der russischen unter demPrinzen von Nassau-Siegen im Wiborger Sund ein-geschlosseu, schlug sich aber 3. Juli unter enormenVerlusten durch u. zerstörte bei Swenskasnnd 9. und10. Juli die ganze russ. Flotte. Petersburg geriethin Gefahr u. es waren keine Mittel da, um rujsischer-seits den Krieg fortzusetzen. So schloß Katharina mitGustav 14. Ang. 1790 den Frieden zu Werelä aufdem sbntus guo nute dsllum. Österreich trat vomTllrkenkriege 1791 zurück u. nachdem Repniu seineSiege über die Türken bei Babada und Matschin,Mai u. Juli 1791 erfochten, schloßNepnin 11. Aug.
1791 die Friedenspräliminarien zwischen N. u. derTürkei zu Galatz ab, doch erfolgte der förmlicheFriede erst zu Jassy 9. Januar 1792. R. erhieltOczakow u. das öde Land zwischen dem Bug undDnjestr, die Abtretung der Krim wurde bestätigt. R.wendete nun 1792 wieder seine Waffen gegen Polenu. unterstützte mit Truppen die gegen die von denPolen 1. Mai 1791 angenommene neue Verfassunggerichtete Targowiczer Conföderation (s. Polen, Ge-schichte). EinezweiteTheilung Polenswurde mitPreu-ßen u. Österreich 23. Jan. 1793 verabredet; 22. JuliunterzeichnetederGrodnoerReichstagdsnAbtretungs-vertrag mit R. Dies erhielt den größten Theit vonVolhynien u. Podolicn u. große Theile von Litauen,ein Gebiet von 4553 sUM. Bald entstand aber eineallgemeine Erhebung Polens u. ein blutiger Krieg,den Suworow Lurch die Erstürmung Pragas u. die^ Einnahme Warschaus 4.—9. Jan." 1794 beendete