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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gesch.).

eine eigenhändige Instruction dazu, zwar kam das-selbe trotz alles Theatercffectes nicht znr Ausführ-ung, doch nahm Katharina nun den Titel Mutterdes Vaterlandes an. Ebenso unterblieb die beab-sichtigte Aufhebung der Leibeigenschaft. Katharinaverbesserte die Unterrichts« n. wissenschaftlichen An-stalten, gründete bei der Akademie der Künste 1764eine Erziehungsschule n. errichtete 1778 das Ober-schnlcolleginm zur Leitung der im ganzen Reiche er-öffnetenVolksschulcn.vermehrteu. verbesserte dieSe-minaricn n. stiftete 1783 auch eineAkademie zur Ver-vollkommnung der russischen Sprache. Auch in an-derenVcrwaltungSfächerntrafsienützlicheEinrichtnn-gen, 1766 erneuerte u. erweiterte sie den Handelsver-trag mit England, wie sie auch der KaufmannschaftneneRechten. 1785 einnencSSeercchtu.eineSchiff-fahrtsorduung gab; znr Belebung des Handels ließsie, von Sievers (s. d.) berathen, Kanäle graben;auch der Bergbau hob sich. Durch dies Alles stiegenunter ihrer Regierung die Staatseinkünfte von 30auf 60 Will. Rubel und dabei mehrte sich die Land-macht auf 450,000 M. n. die in Berfall geratheueFlotte auf 45 Linienschiffe. Am 20. Juli 1762 befahlKatharina Biron, die Regierung in Kurland wiederanzutretcn, obgleich hier Karl von Sachsen Herzog ge-worden, u. Biron kehrte uutcrdem Gelciteruss. Trup-pen Febr. 1763 dorthin zurück; R. gerirts sich alsOberhcrr Kurlands. Die Thronerledigung in Polendurch den Tod Augusts III. 1763 gab KatharinaVeranlassung, ihren Einfluß ans dieses Reich zu er-weitern; sie schloß 11. April 1764 ein Bündniß mitFriedrich d. Gr., um mit ihm gemeinsam in Polenetuzuwirken, setzte mit ihm 1764 die Wahl ihresfrüheren bedeutungslosen Gllnstlings, StanislawPoniatowski, zum König von Polen durch, verhin-derte die Abschaffung des liberum vsto und jedeStärkung der Macht Polens und gewann als Be-schützerin der Dissidenten einen immer größeren Ein-fluß auf Polen (s. n. Polen). Ihre Gesandten inPolen, Saldern, Repnin, Sievers erlaubten sichAlles gegen die Gegner R-s. Dagegen reizten diepolnischen Conföderirten die Pforte u. diese erklärtenach der Verwüstung der türkischen Stadt Balta 30.Oct. 1768 Rußland den Krieg. Zwei Heere unterdem ganz unfähigen Fürsten Galizyn u. dem tüch-tigen Grafen Rumanzow rückten gegen die Türken,u. Alexei Orlow erschien mit einer Flotte im Archi-pelagus gegen sie. Am 17. Sept. 1769 wurde eintürk. Heer bei Choczim von Galizyn geschlagen, am21. das geräumte Choczim besetzt u. damit zugleichdie Moldau, bald auch die Walachei ohne Wider-stand erobert. Katharina stiftete nun 7. Dec. 1769den St. Georgsordeu. Während daranfRumanzowden Oberbefehl übernahm, bewogen die GeneraleMedem und Tottleben die Gebirgsvölker des Kau-kasus, die Fürsten von Mingrelien und Georgien,die Montenegriner und die Mainoten in Moreazum Aufstand gegen die Pforte. Auch znr See wa-ren die Russen glücklich; Alexei Orlow, der denMainoten vague Hoffnungen eröffnete, errang ein-zig durch das Verdienst der Engländer Elphiustone,Grcigh u. Dugdale u. des Viceadmirals Spiridow5. Juli 1770 einen Sieg über die türk. Flotte beiTschesme und verbrannte sie am 7. in der dortigenBucht. Rumanzows Heer littzwar durch Epidemien,aber er siegte 18. Juli 1770 am Flusse Larga und

1. Aug. glänzend am See Kagul n. stürmte bis zurDonau vor. Am 27. Sept. eroberte Panin mit der

2. Armee Bender u. besetzte Bessarabien, nachdemer 17. Ang. durch einen Vertrag die Tataren vonJcdissan und Budjak zu Unterthanen R>s gemachthatte. Auch Akjerman und Braila wurden genom-men. Dolgoruki, welcher an Panins Stelle denOberbefehl des Heeres in Bessarabien übernahm,eroberte 1771 Perekop, unterwarf 1. Juli durchVertrag die tatarischen Mursen der OberherrschaftR-s, nahm Kaffa, Kertsch u. Jenikale n. in 14 Ta-gen die ganze Krim ein, die R-s Oberherrschaft an-erkannte. Zwar wurde General Essen 17. Ang. 1771bei Ginrgewo geschlagen, erfocht aber 30. Oct. einenSieg bei Bukarest; 20. Oct. siegten General Milo-radowitsch bei Matschin n. General Weißiuann beiTuldscha über die Türken. Durch diese Siege R-s,verbunden mit den glücklich geleiteten Aufständen inGeorgien u. Ägypten, wurde die Pforte dem Unter-gänge nahe gebracht,indessen wiedergerettetdnrchdieEifersucht Österreichs u. Preußens ans R. u. durchden Aufstand Pugatschews (s. d.). Österreich hatteheimlich 6. Juli 1771 ein Bündniß mit den Türkengeschlossen nud zog beträchtliche Strcitkräftc au denGrenzen der Moldau zusammen, doch die feste Halt-ung Preußens bewog Österreich, Frieden zu halten,zumal es der gemeinschaftliche Vortheil bei der vonKatharina II. vorgcschlagencn ersten Theilung Po-lens 1772 (s. Polen) wieder mit R. versöhnte. R.erhielt dadurch Weiß-R. an Düna u. Dujepr, ca.2200 s^jM (s. Polen, Geschichte). Währenddemruhten die Feindseligkeiten gegen die Türken; eswurden Friedeusunterhandlnugen erst zu Fokschani,darauf zu Bukarest angeknüpft, welche sich wegenGrigorj Orlows Dünkel wieder zerschlugen; 1773überschritt das russ. Heer die Donau, erreichte aberNichts nud mußte sich mit großem Verlust über dieDonau znrückziehen. Erik 1774 wendete sich dasGlück den russ. Waffen wieder zu; Rumanzow gingaufs Neue über die Donau, rückte gegen Schumlavor; Kamenski u. Suworow erfochten den Sieg vonKoslidsche 16.-17. Juni über den Reis-Efendi,Rumanzow blokirte den Großvezier in seinem Lagerbei Schumla und nöthigte ihn 21. Juli 1774 zumFrieden von Kutschnk-Kainardschi: R. gewann diebeiden Festungen Jenikale und Kertsch, Asow (dasKatharina bereits seit 1771 zur Festung hergestellthatte), Kinburn, den Strich zwischen dem Bug undDujepr, die große und kleine Kabardei, die freieSchifffahrt auf dem Schwarzen n. Ägäischen Meerefür die Handelsflotte, bedang die Unabhängigkeit derTataren der Krim, des Kuban n. des Bndjak u. er-hielt 4Mill. Rubel für dieKriegskosten. Sehr wichtigsollte das Schutzrecht der Griech. Kirche in der Türkeiwerden, das R. aus dem Friedensinstrumeute herlei-tete. Inzwischen war am Don Sept. 1773 der Auf-stand des Kosaken Pugatschew (s. d.) ausgebrochen.

> Dieser, welcher sich für Peter III. ausgab, zog die^ Raskolniken u. viele Bauern an sich, so daß sein HeerI anl5,OOOMannstarkwurde, mitwelchem er mehrere! Festungen am Ural und Don eroberte, Baschkiren,Motjäken, Kirgisen, Permier schlossen sich ihm anUl. überall floh der Adel vor ihm. Verschiedene Ge-! uerale vermochten nichts gegen ihn, er eroberte Ka-isan, überschritt LieWolga n. ging 1775 aufMoskanlos; jetzt erst gelang es Mchelson u. Suworow, das