486
Rußland
Hebung Paul Petrowitschs zum Kaiser und dessenMutter Katharina zur Regentiu gedacht, wurde ge-stürzt; der unfähige Woronzow wurde 1758 Groß-kanzler. Fermor drang in Preußen siegreich vor,nahm Königsberg, Thorn und Elbing, wurde aberbei Zorudorf 25. Aug. 1758 geschlagen. 1759 über-nahm Saltykow den Oberbefehl, siegte bei Kay 23.Juli n. bei Kunersdorf 12.Ang. 1759, führte aberden Krieg seitdem ohne großen Erfolg fort (s. Sie-benjähriger Krieg). Unwürdige Günstlinge, wie ne-ben dem unbedeutenden Rasumowski bes. die Schn-walow, gängelten die trunksüchtige Zarin, preßten dasReich aus u. R. war in beklagenswerrhcm Zustande.Die 1758 gegründete Akademie der schönen Künsteblieb ein Luxusartikel, die Universität in Moskau(1755 gestiftet- blieb ohne Einfluß auf das Cultur-leben R-s; die ganze sranzösircude Richtung des Ho-fes schuf eine bodenlose Oberflächlichkeit u. schied dieso mangelhaft gebildeten höheren Stände von derungebildeten Nation. Elisabeth st. 5. Januar 1762.In ihr erloschen die Romanow.
Peter III. Fcodorowitsch (s. oben), ihr Neffe n.Nachfolger, brachte das Hans Holstein-Got-torp ailf den Russischen Thron. Peter erregtebei seiner Thronbesteigung Hoffnungen. Bon demwackeren Gudowitsch geleitet, begann er mit treffli-chen Reformen, die aber schlecht ausgesührt wurden.Dem Adel gab er eine angemessene Stellung. Er hobdie Folter n. alle Handelsmonopole auf u. berief diepolitischen Verbannten ans Sibirien heim. Aberseine offenkundige Verachtung der Russen und ihrerKirche, seine unkluge Bevorzugung der Deutschen,sein betontes Auftreten als Fremder, als Herzog vonHolstein, und seine übertriebene Vorliebe für preuß.Exercier-Reglement und preuß. Uniform machtenihn rasch unbeliebt. Bes. verfeindete er sich mit demKlerus, dem er die Verwaltung seines Grundeigcn-thums nehmen wollte, um aus den weltlich verwalte-ten Eiukünstcn Theile zu Gunsten des Staatsschatzeszu verwenden, u. mit den Garden, den PrätorianernR-s. Mit Entrüstung sahen die tonangebenden Kreisein R., daß Peter ohne jede Entschädigung od. Erober-ung für R. schon 16. März 1762 zu Stargard alsbegeisterter Verehrer des großen Friedrich u. seinerEinrichtungen mit Preußen einen Waffenstillstandabschloß. Am 5. Mai 1762 folgte der Friede mitPreußen, ja 8. Juni ein Bündniß; auf den AnschlußPreußens hoffend, rüstete Peter gegen Dänemark,um den gottorpschenAntheil an Schleswig wieder zuerobern; eben wollte er zum Heere gehen, als seuiSturz erfolgte. Dis edclherzige Aufhebung der Kanz-lei der geheimen Angelegenheiten wurde für ihn zumVerderben, indem nun die um seine Gemahlin, dieehebrecherische Katharina, gcb. Prinzessin von An-halt-Zerbst, sich schaarenden Verschwörer bequemgegen ihn arbeiten konnten. .In ihrer Freiheit undihrer Stellung bedroht, verband sich Katharina mitden Brüdern Orlow, der Fürstin Daschkow, demGrafen Nikita Panin, dem Fürsten Wolkonski, demErzbischöfe von Nowgorod, dem Grafen Kyrill Ra-sumowski n. A.; Peter wurde zwar gewarnt, fielaber doch als Opfer. In der Nacht vom 8./9. Juli1762 eilte Katharina vom Lustschloß Peterhof nachPetersburg zu den Kasernen der Garden; rasch hul-digten ihr diese; der Senat und der Synod wie derganze Hof, Alles verließ Peter. In der Kasanschen
, (Grsch.).
Kathedrale segnete sie der Erzbischof von Nowgorod >als Regentiu für ihren Sohn Paul, vor derselben !aber ries sie Alexei Orlow als regierende Kaiserin Ians. Man verbreitete das Gerücht, Peter habe sie !vergiften wollen. Katharina und Fürstin Daschkow ^zogen in Uniform an der Spitze der Truppen gegenPeter nach Oranieubaum. Zum großen Schrecken !Pauins, der eine Bojarenherrschaft nach Muster desschwed. Reichsrathes erstrebt, benahm sich Katha-rina als Autokratin und von einer Regentschaft für ^Paul war nicht die Rede. Anstatt daß Peter aufMünuichs Rath sich umthvoll gegen sein Weib be-hauptet hätte, verlor er alle Fassung, segelte nachKronstadt, fand aber dies bereits von seinen Geg,uern besetzt und wurde an der Landung verhindert.Unentschlossen kehrte er um, wurde in Oranieubaumverhaftet, dankte dort ab u. wurde 17. Juli zu Rop-scha erwürgt.
Katharina II. Alexicwna, war Kaiserin undiSelbsthcrrscherin ohne Nebenbuhler und ließ sich 3.Oct. 1762 in Moskau krönen. Um Ruhe von Außenzu haben, bestätigte sie den Frieden mit Preuße»,zog aber die rnss. Hilfstrnppen vom preuß. Heerezurück n. stellte die sriedlichcn Verhältnisse mitLäuc-mark wieder her, wo von nun an ihr Einfluß domi-uirte. Der entthronte Iwan VI., der in Schlüssel-bürg gefangen gehalten wurde, wurde bei einem Ver-such des Lieutenants Mirowitsch zu seiner Befreiung,16. Juli 1764 auf Katharinas Geheiß getödtet; dieTochter der Kaiserin Elisabeth und Rasumowskis,welche als Elisabeth Tarrakauow in Italien lebte,wurde von Alexei Orlow entführt n. endete im Ker-ker von Petersburg 1777. Katharina siedelte vieleAusländer, besonders Deutsche in R. an, gründetein den wüsten Landstrecken an der Wolga und Sa-mara, wie in Jngermanland n. Livland Colonic»,und legte über 20» Städte an; sie ließ die Pocken-Impfung entführen, sich selbst impfen und Findel-häuser in Moskau u. Petersburg errichten, gründet!eine große Zahl von Erziehungsinstitnten, um dieZukunft R-s zu bessern. Katharina beschränkte de»Senat, entkleidete ihn seiner politischen Bedeutungund errichtete außer ihrem Cabinet den geheime»Staatsrath unter ihrem Vorsitz, von welchem aus diebessere Organisirung aller Regierungszweige ver-anlaßt wurde. Das Gerücht, Katharina wolle (wiewirklich der alte Bestuschew-Rjumin plante) Orlowheirathen, führte schon 1762 zu den rasch unterdrück-ten Verschwörungen Chrustschows, Guriews u. Hi-trows gegen sie. Katharina schmeichelte dem Russen«thume, wo sie es konnte, ohne Rllckschrittezu machen;fast alle hohen Beamten u. Generale waren Russen,ebenso ihre Favoriten. Dabei aber gewann sie dieMeinung u. die Federn der Philosophen Frankreichs.Die Russische Kirche schien durch ihren großen Grund-besitz Katharina bedenklich und Peters III. Beispielfolgend, entzog sie der Kirche 1764 den Grundbesitz,den nun eine weltliche Behörde verwaltete; der Kle-rus kam in finanzielle Abhängigkeit vom Staate.Den jungen Geistlichen wurde durch modernere Er-ziehung die westeuropäische Cnltur genähert, über-dies wurde der Kirchendienst gereinigt. Um auch denRuhm einer Gesetzgeberin zu ernten, berief Katha-rina 14. Dec. 1766 Abgeordnete aus allen Provin-zen zu einer Reichsvcrsammlnng nach Moskau, ui»ein neues Gesetzbuch zu entwerfen u. verfaßte 176l