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Rußland
der Einwohner haßte, ließ er 1570 mehr als 60,000Menschen umbringen u. dann die Stadt völlig aus-plündern, wodurch der Glanz Nowgorods fürimmererlosch; in Twer u. Moskau fanden ähnliche Mord-scenen statt. 1571 machte der Khan der Krim,Dew-let Ghirei, einen furchtbaren Einfall in R., Iwanfloh, der Khan eroberte Moskau bis auf den Kreml,verbrannte die Stadt u. führte 100,000 Gefangenemit sich fort. Einen zweiten Einfall machte der Khan,dem Iwan feigeAstrachan versprochen, 1572, wurdeaber beiMolvdy an der Lopaßna 1. Ang. vom Für-sten Worotynski vernichtet, R. gerettet. 1572 ver-heerten die Russen Finnland. In diesem Jahre spc-cnlirte Iwan vergebens auf die Krone Polens, dannzog er gegen die Schweden, verheerte Livland, be-günstigtedielivischenKönigsPlänedesPrinzenMag-nns von Holstein, brach Jahr für Jahr in Livlandein; Schweden und Polen schlossen gegen ihn 1578ein Bündniß, schlugen ihn an der Aa Octbr. 1578;1581 waren die Schweden im Besitze von ganz Ehst-land. Stephan von Polen eroberte 1579 Polozk,Ssokol ».verheerte das Gebiet von Smolensk, 1580eroberte er Welisch, Weliki-Lnki und Cholin, überallsiegreich. Nur Pskow hielt der tapfere Fürst IwanSchniski gegen ihn. Während dieser Belagerunggingen die Friedens-Unterhandlungen vor sich, dieauf Iwans Bitten der Jesuit u. päpstliche GesandtePosscvino leitete und 6. Jan. 1582 kam der für R.ungünstige 10jährige Waffenstillstand zu Wege: ganzLivland kam an Polen (mit Polozk und Welisch);Weliki-Lnki, Jsborsk und alle im eigentlichen R. er-oberten Städte gab Stephan zurück. Von den ge-fangenen Deutschen bildete Iwan die deutsche Vor-stadt Moskaus. Am 5. Ang. 1583 schloß er an derPlinssa einen 3jährigen Waffenstillstand mit Schwe-den, verzichtete ans Ehstland n. trat in Jngerman-land Kexholm, Koporje, Jamburg, Jwangorod undNarwa an Schweden ab. Unter Iwan wurde Si-birien durch kühne Kosakenfllhrer, voran Jermak n.die Kauflcnte Stroganow, ohne weiteres ZulhnnIwans, erobert 1582. Jwa» IV., ein Scheusal,aber ein gewaltiger Herrscher, starb 18. März 1584.Ihm folgte fein Zarewitsch, Fcodor I. Jwano-wusch, an Geist und Leibe schwach, dem die BojarenSchniski, Mstislawski, Jnrjew, Godnnow u. Beelskials Kronräthe beigeordnet wurden. Da diese sichentzweiten, so benutzte dies der staatskluge aber ge-wissenlose Schwager des Zaren, Boris Godn-now, u. bemächtigte sich selbst völlig der Staatsge-walt, beugte die vornehmsten Geschlechter, wie dieSchniski u. Mstislawski, und war für Feodor eigent-lich Regent. Allen Versuchen, ihn zu stürzen, ent-ging er. 1584 brachte er die Tscheremisscn znr Ruhe,1587 — 92 wurde Sibiriens Eroberung vollendet,Tobolsk, Tjnmen, Pclym, Bcrefow rc. gegründet,1587 den Engländern das Recht zollfreien Handelserthcilt. 1589 verdrängte Boris die Gewalt des Pa-triarchats von Constantinopel über R. durch Gründ-ung des Patriarchats von Moskau; er gewann dievolle Gunst des Klerus, indem er die Freizügigkeitder Bauern aufhob n. sie an die Scholle band; 1592ward von Boris die Leibeigenschaft durchgcführt.Mit Polen wurde der Waffenstillstand verlängert u.Boris that Schritts, um die Krone von N. u. Polenans Feodors Haupte zu vereinigen; auch mit Schme-!den erneuerte er den Waffenstillstand. Grusien wurde ^
(Gesch.).
zum Vasallenstaats N-s erklärt n. Feodor nannte sichseit 1588 Herr von Jbcrien, der grusinischen Zare n.des kabardinischen Landes, der tscherkessischenundder Bergfürsten. Mit Persien schloß N. znni Ärger ldes Sultans Freundschaft. 1584 wurde Archangcl !gebaut, dann Uralsk; Astrachan u. Moskau wurden ^erweitert. Unablässig strebte der von Ehrsucht ver- :zehrte Boris darnach, sein Haus statt des bisherigen Iauf den Thron zu heben. DenPrinzenDimitri, Feo- !dors Stiefbruder, ließ er 1591 ermorden, auch diekleine Tochter Feodors n. Glieder der großfürstlichenFamilie starben auf verdächtige Weise, u. wer irgendihm gefährlich schien, wurde ans dem Wege geräumt.1590 leitete Boris den Krieg gegen Schweden, den15. Mai 1595 der ewige Friede von Täwsin been-dete, in dem R. seine verlorenen festen Plätze in Jn-germanland und einen Küstenstrich am FinnischenMeerbusen erhielt. 1591 drangen die Krimschen Ta- Itaren bis Moskau vor, aber Boris und Mstislawskischlugen sie total. Boris sperrte ihnen für die Zn- !knnft den Zug durch Festungen n. verschanzte Linienvon Brjansk bis Mnrom und gab ihnen Pelze undGeld, damit sie Ruhe hielten. Feodor vermachte dasReich feiner Gemahlin Irina, gab ihr drei ersteNäthe, darunter Boris bei u. starb 7. Jan. 1598.Mit ihm erlosch Ruriks Dynastie im Man-nesstamm. !
Da Irina unbedingt den Thron ausschlug, er- ^wählten die Bojaren und das Volk den sich heuchle-risch weigernden Boris Godnnow znm Zaren; !21. Febr. 1598 nahm er an n. 3. Sept. wurde ergekrönt. Die Bojaren haßten den Parvenn, den Ta-taren, der rücksichtslos gegen sie anftrat, sie verfolgten. zumal den Romanow furchtbare Zeiten bereitete.Die Kirche begann ihm feindlich zu werden, weil erder europäischen Civilisation inR. den Weg bahnenwollte. Boris war Tyrann, aber er erstrebte R-S Wohl !und dachte so modern, daß er selbst eine Universitätgründen wollte. In Sibirien wurde die zarische Machtbefestigt n. die Städte Werchoturjs, Tnrinsk, Tomskrc. gebaut. Mit Polen schloß Boris einen 20jähr.Frieden 1602, hals ihm aber nicht gegen die Schweden.
In Daghestan brach die russ. Herrschaft 1600 zusam-men. Boris hielt ans eine unparteiische Rechtspflege,unterstützte die Künste, munterte die Gewerbe auf,zog viele Ausländer ins Land, hob den Handel mitdem Anslande u. strebte nach der Verbreitung nütz-licher Kenntnisse. Als aber von Ende 1601—1604eine Hnngersnoth wüthete, wobei allein in Moskau127,000 Menschen ums Leben kamen, so benutztendie eintretende Erbitterung mehrereBetrllgerjPsen-do-Dimitris), um sich des Thrones zu bemächtigen.Zuerst gab sich Grischka Otrepjew (s. Demetrios 11),ein entlaufener Mönch, für den PrinzcnDimitri aus,fand rasch Anhang u. Unterstützung, ja der AufruhrzeigtcsichschoninMoskau, da starb zu Dimitris HeileBoris Plötzlich 13. April 1605. Sofort traten Vielezu der Partei des Dimitri über. Feodor II. Bo-risowitsch, Boris' Sohn, ein 16jähriger Jüngling,empfing zwar noch die Huldigung als Zar, doch schon7. Mai liefen seine Feldherren znm falschen Dimitriüber, welcher auch von den Einwohnern Moskausanerkannt wurde, Feodor 10. Juni mit seiner Mut-ter, der Zarin Maria, erdrosseln ließ n. in Moskau20. Juni seinen Einzug hielt; 29. Juni wurde er ge-krönt. Die Feinde Boris', voran die Romanow, rief