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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gdvgr.).

wird namentlich in Polen, Volhynien, Podolien, amDon, sowie in Ehstland u. Livland betrieben u. zähltman 24 Millonen Stück Hornvieh. Die Schafzucht,welche in den weiten Steppen des S. den geeignet--sten Boden findet u. circa 50 Will. Stück Wollviehzählt, ist durch den Einfluß der deutschen Colonistensehr emporgckommen und liefert jetzt ausgezeichneteWolle. Die Schweine (11 Mill. Stück) werden na-mentlich in den mittleren Gouvernements gemästet.Hierzu gesellt sich die Zucht des Rcnthieres im N. u.die des Büffels im SO. Von hoher Bedeutung istnoch die Bienenzucht, welche über das ganze Landverbreitet ist u. die Lieblingsbeschäftigung auch derTatarenstämme an der unteren Wolga bildet. Seidewird nur wenig im SW. gewonnen. DieWaldcnlturhat, wie bereits früher bemerkt, sehr durch Verwüst-ungen u. durch Brände gelitten. Durch die Fürsorgedes Finanzministeriums sind etwas bessere Zuständeeingetreten, in Polen ist die Waldwirthschaft in ge-regeltem gutem Zustande, lieber die vorstehendenVerhältnisse vgl. die Tabelle unt. Europa, S. 604.Die Jagd ist ergiebig und liefert namentlich im N.treffliches Pelzwerk (Hermelin, Fischotter, Marder,Dachs, Fuchs, Zobel, Bär), die Wölfe, deren Anzahlauf 200,000 geschätzt wird, verursachen dem Landeeinen ans mehr denn 10 Mill. Rubel jährlich be-rechneten Schaden für die Viehzucht, namentlich inSamara, Wologda, Bolhynien, Mohilew, Orel;die Sumpfgegenden sind von Schnepfen, die arkti-schen Länder von Enten, Gänsen, die Wälder vonBirk-, Auer-u. Haselwild belebt. Der Fischfangbeschäftigt zahlreiche Hände u. ist in den Flüssen, inden Binnenseen u. an den Küsten sehr ergiebig. DerGesammtwerth wird ans 25 Mill. Rubel berechnet,wovon das Kaspische Meer mit den unteren Strom-gebieten derWolga, des Ural». Terek 15 Mill., dasAsowsche Meer 4 Mill., die Ostsee 14/« Mill., dasWeiße Meer 1 Mill., die Binnenseen und Flüsse 3Mill. bringen. Den Hauptertrag gibt der Fang derverschiedenen Arten des Störs (Hausen, Sterlet,Beluga) in der Wolga und dem Kaspischen Meere,als deren Prodncle, außer dem Fleisch der Fische,Kaviar u. Hausenblase gesuchte Handelsartikel sind.Bei dem ungeheuren Consum im Lande ist der Ex-port von Fischen noch ganz unbedeutend.

b) Bergbau, Hüttenb etrieb u. Industrie.Der Schwerpunkt des rnss. Bergbaues liegt einst-weilen im Gebiete des Ural. Doch ist der Vorrathan nutzbaren Mineralien u. Fossilien in R. groß ge-nug, um dem ausgedehntesten Betriebe Raum gebenzu können. Gold n. Platins werden in den theilsder Krone theils Privaten gehörigen Bergwerken inden Gonv.Perm, Ufa u. Orenbnrg, Kupfer daselbstu. in Samara, Kasan u. Finnland gewonnen, Eisenwird durch Las ganze Land hindurch gesunden, Bleiu. Zink in Polen, Graphit, Chromcisen, Achat, Jas-pis, Edelsteine am Ural. Auf Silber wird in demEuropäischen N. nicht gebaut. Mächtige Steinkohlen-lager (zum Theil erst in neuester Zeit entdeckt) findensich an dem Ural, im mittleren und südlichen Theildes Landes u. in Polen (daselbst auch große Braun-kohlsnlager, ohne jedoch, bei den noch vielfach unge-nügenden Verbindungen, eine erheblicheEinfuhrun-nöthig zu machen). Salz findet sich als Steinsalz inde.m Gouv. Orenburg, als Seesalz in den Seen derKrim u. der Steppen im S. Mineralquellen sind

in Kurland, Orel, Olouez, Twer, Witebsk, Volhy-nien, Tambow, Samara, Orenbnrg n. a., die be-suchtesten sind die zu Slawiansk im Gouv. Char-kow, Scrgiewsk in Samara, Drußkenik in Grodno,Troizk in Orenbnrg, außer denen in Kaukasien(Pjatigorsk). >

Was die Bearbeitung der gewonnenen Metalle be-trifft, so waren (1873) 117 Eisengießereien, 654 !

Eiseuhammerwerke, 181 Maschinenfabriken, 152 1

Instrument- u. Gewehrfabriken, sowie Schlossereien,220Kupfer-u. Bronze-Gießereien,fernereineAnzahlDrahtziehereien, Glockengießereien rc., im Ganzen1499 Fabriken mit 51,704,815 Rubel Productions-summe u. 54,382 Arbeitern thätig. Dennoch genü-gen diese Etablissemems bei weitem nicht für denBedarf des Landes und bedingen noch eine ausge-dehnte Einfuhr (s. unten die Tabelle). Wie weit aberR. noch davon entfernt ist, seinen eigenen Bedarf zu !decken, geht aus nachstehender Tabelle, das Jahr1874 betreffend, hervor.

Gegenstände

-Produc-tion inZoll-Clr.

Einfuhr

Zoll-Ctr.

Werth inLI

Steinkohlen u. ColeS

27857600

20883994

28686461

Naphta u. Petroleum .

1791900

856597

26116161

Salz.

17000000

4147094

23934833

Roheisen rc.

7300000

1002870

5445765

Zinl.

74600

98320

3036108

Blei.

22000

351808

966692!

Kupfer.

50600

122809

12648837

Schmiedeeisen rc. .

4512630

4108039-

55754147

Stahl u. Stablschienen .

79378

2070685

57718216

Gußeisen-, Eisen- und Stahl-

fabrikate ....

?

75931731

Diese» Einfuhrwerthen steht eine Ansfnhrsummevon 59,072,585 ül, davon 92°/^ in Edelmetallen,gegenüber. Im I. 1875 betrug (im ganzen rnss.Reich) die Production an Gold 65,360 Pfd., Silber19,682 n. Platin 3078 Pfd.

In industrieller Hinsicht nimmt R. im Gan-zen eine untergeordnete Stelle ein. Als Großindustriewerden neben der Montanindustrie nur betrieben: dieFabrikation von Lcder(vorzüglich;Juftenrc.),Schaf-wollen-, Seiler- und Banmwolleuwaaren, sowie dieBranntwein- u. Spiritusbrennerei. Bedeutung ha-ben u. sind im guten Fortschreiten begriffen dieÄkuh-leniudnstrie, die Fabrikation von Rübenzucker, Seife,Bier,Thonwaaren, Glas, Tabak, Cigarren u.Ciga-retten , die Baumwollcnspinnerei, die Zeugdrnckerei,Loch genügen die wenigsten dieser Zweige dem Lan-desbedarf. Letzteres ist auch der Fall bei der Papier-u. Tapeteilfabrikation. Die Seidenmanufactur hatgute Anfänge gemacht. Von größter Bedeutung fürR. ist die Hausindustrie, die in Leinenwebcreiganz allgemein, in mehr od. weniger ausgedehntemMaße auch in Flachs- u. Hanfweberei, in Strnmpf-wirkerei u. Spitzeufabrikation betrieben wird.

Der auswärtige Gesammthandel vonN. Von1866 bis 1875 liefert kein günstiges Bild für dieEntwickelung der inneren Verhältnisse des Reiches,denn während die Einfuhr von 195,g Mill. Rubelauf 531 Mill. stieg, also um 170 "/, fand bei derAusfuhr nur ein 'Anwachsen von 80 °/o (von 212auf 382 Mill. Rubel) statt. Doch sollen sich die Ver-hältnisse in den folgenden Jahren bedeutend gebes-sert haben. Nach den Waarengruppen stellten Ein-fuhr und Ausfuhr für 1875 sich folgendermaßen(Millionen R.)l