Rußland (Gcogr.).
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wüstet, an anderen Stellen (wie im Waldai) sindnoch unberührte Urwälder. Der Ackerbau ist un-sicher u. daher unbedeutend, erst im S. u. W. wirder wichtiger, Viehzucht ist mir in den slldl. Strichendieser Zone möglich. An Thieren treten hier auf:Bär, Elen, Wolf, Fuchs, Marder, Hase, Schnee-,Birk-, Hasel- und Auerwild, in den Wäldern desWaldai auch der Urochs. 3) Die mittlere Zoneod. dasceutrale Beckeu umfaßt das gesammte Bin-nenland vom 58.° bis etwa 50.° n. Br.: es ist dies dasGebiet der Weichsel, des Niemen, der Düna, des obe-ren Dnjepr (mit dem Pripet), des oberen Don, sowieder Wolga biszumObtscheiSyrt. Hier ist der Winterauch noch verhältnißmäßig lang (4 Monate) u. hart;in Twer u. Wolsk ist die mittlere Wintertemperaturnoch — 10 °, der Boden ist aber wahrend der ganzenZeit des Frostes mit einer tiefen Schneedecke ge-schützt. Der Sommer ist warm, so daß die mittlereJahrestemperatur noch 4—7° beträgt. Au Stelleder Nadelholzwälder sind Laubwälder getreten, na-mentlich von Wcißellern, Birken, Linden, Eschen, Ei-chen (Trauben- u. Stieleiche»), welche die Flußufcrbegleiten; doch sind auch sie bereits so stark gelichtet,daß in manchen Bezirken bereits bedenklicher Holz-mangcl sich fühlbar macht. Man kann zwei Theilein dieser Zone unterscheiden: a) das Gebiet westlichdes Dnjepr, das tiefste Becken, aus Tertiärforma-tionen gebildet, vorwiegend sumpfig; d) die mittlereRegion, ist die eigentliche Kornkammer R-s u. ent-hält gleichzeitig fast ^ aller russischen Hüttenwerke,während auch Viehzucht hier ihren Hauptsitz hat.Die Thierwelt ist dieselbe wie in der nördlichen Zone,doch tritt das Elen nur in den nördlicheren Wäl-dern auf. 4) Die südliche oder Steppeu-Zoneumfaßt das Gebiet vom 50° bis zu den Küsten desMeeres; durch das Thal des Don und die Wolga-hohen zerfällt sie in die westliche, Politische (mit derbis in die Krim reichenden Nogaischen) u. die östliche,tlral-Kaspische Steppe. Der Natur nach kann manunterscheiden: die Schilf-, Sand-, Stein-, Heide-, u.Grassteppe. Der Boden besteht aus Granit oderKalk, der an einzelnen Stellen zu Tage tritt, meistaber von tiefgründiger Erde bedeckt, die sich fürAckerbau und Waldzucht wol eignet; es sind jedochnur einzelne Striche bis jetzt von den verschieden-artigstenColomsteu(Deutsche,Griechen, Juden, Bul-garen) für den Ackerbau gewonnen; die größtenStriche dienen nur für Viehzucht, namentlich Pferde-zucht; in großen Herden (200—1000 Stück) werdenPferde von niederer aber ausdauernder Race imFreien gehalten, welche der Tabuutschik weidet. Inden östlichen Steppen tritt mit den mongolischenNomadenstämmen auch das Kamel auf. Die charak-teristische Pflanze ist 8tüpa, neben welcher mastigeKräuter im Frühlings aufschießen, um im regen-losen Sommer rasch zu vergehen, wodurch die weitenFlächen sich in eine unermeßliche Staubmasse ver-wandeln. Im Winter sind die Schueestürme (Buran,Wjnga, Mjatjol, Samet) für die Wanderer, dieViehherden und selbst die zahlreichen Wölfe äußerstgefährlich, namentlich wird der Wjnga (s. d.) sehrgefürchtet. Au den Küsten tritt die Strandflora aufu. ist damit der ganze Charakter der Landschaft ge-ändert. Das Klima ist auch in dieser Zone rauherals im W., der Winter kälter als an den WestküstenNorwegens, der Sommer fast völlig regenlos und
heiß; die mittlere Temperatur steigt auf 3—0°. Inden Flußthälern u. im Westen gedeihen Wein, Obst,Melonen rc. Vollständig verschieden in Klima, Pro-ducts», Flora ist die Südhälfte der Halbinsel Krimm ebenso der Kaukasus (s. b.). Aus der Fauna derSteppen fallen die zahlreichen Vögel besonders auf.
VI. Volkswirthschaftliches. a) Ackerbau,Viehzucht rc. Das gleich besitzt unermeßlicheSchätze im Boden u. in der Fruchtbarkeit desselben,die Regierung hat durch Bau des ausgedehntenEisenbahnnetzes, die Anlage von Häfen, Kanälen,durch Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft,durch Errichtung zahlreicher Ackerbanschulen, Heran-ziehung fremder namentlich deutscher Colonisten rc.zur Hebung des Landes sehr viel gcrhan, aber trotz-dem steht die russische Volkswirthschast noch auf sehrniederer Stufe. Einestheils ist es das strenge Ab-sperrungssystem, welches die natürliche regelmäßigeProduction u. die Entwickelung des Handels u. da-mit des Absatzes hindert, anderntheils hemmt derinnere Organismus die auf Selbslthäligkeit basirteEntfaltung der Kräfte u. die Oeffnung der zahlreichennatürlichen Reichthnmsguellen; denn nicht der ein-zelne Bauer (Mnschik), sondern die Landgemeinde(Mir) besitzt das Land und erhält ersterer durch dieVerwaltung (den sclbstgewählten Starosten), sobalder Kopfsteuer zahlt, auf dem Gemeinbeboden einhölzernes Hans (cvent. mit Garten für den Anbauvon Hans u. Gemüse), sowie einen nach der Zahl dermännlichen Familienmitglieder berechneten Antheilam Fruchtgenuß vom Ackerboden u. Weideland; da-bei ist er nur in seiner Heimatgemeinde erbberechtigt,haftet solidarisch für die allgemeine und die indivi-duelle Steuerlast der Gemeiudemitglieder; ist eineraus dem Mir ausgeschlossen, so ist er ein heimatloserParia, der gar keine Rechte hat, nichts mehr beginnenkann. Die Folge dieser socialistischen Einrichtung istder Raubbau bei Acker- und Waldwirthschaft. ImW. u. S. beginnen allmählich diese communistischenGemeindeverbände sich zu lösen u. der Grund u. Bo-den in den freien Besitz der Einzelnen überzugeheu.Im Allgemeinen ist R. ein Ackerbau und Viehzuchttreibendes Land. Hauptsächlich werden producirt:Weizen (45 Mill. Tschetwert), Roggen (100 Will.Tsch ), Hafer (82 Mill Tsch.), Gerste (20 Mill. Tsch.),Buchweizen (16 Mill. Tsch.). Außerdem sind zu er-wähnen: der Lein, der in Livland, Litauen, auf denHöhen zwischen Kama, Dwina u. Wolga, sowie amSchwarzen Meere vorzugsweise gezogen wird u. über3 Mill. Ctr. Flachs u. 5 Mill. Irl Lein liefernder Tabakin Bessarabien, Saratow, die Zuckerrüben , bes. inKiew, Tschernigow, Podolien, Tula, Charkow,Kursk, im Ganzen 297 Fabriken mit einer Gesammt-prodnction von 9,497,361 Pnd Zucker (1876). Gar-teucultur (Apfel, Birnen, Pfirsiche, Melonen, Apri-kosen, Nüsse, Gemüse) u. Weinbau haben nur höhereWichtigkeit in Bessarabien u. Taurien. — Die Vieh-zucht, im N. völlig unmöglich, in Len Steppen fast dereinzige Erwerbszweig, blüht namentlich in den dielAckerbandistricte umgebenden Strichen (s. o.). DiePferdezucht wird von den Kirgisen und Kalmückenmit Sorgfalt betrieben, liefert verschiedene sehr guteRacen, die sich durch Ausdauer, kräftigen Bau aus-zeichnen; 1872 wurden etwa 16^ Mill. Pferde ge-zählt. Die Riudviehzncht ist in den letzten Jahrenssehr gehoben durch Eiusührntg edlerer Racen; sie